Iris Koch in Esslinger Zeitung am Sa. 13.07.2002

Die Menschheit braucht ein neues Denken


Was hat der Philosoph Platon mit Captain Picard vom Fantasy-Raumschiff Enterprise zu tun? „Einiges", meint der Nürtinger Professor Karl-Josef Durwen. In seinem Roman „Im Spiegel der Möglichkeiten" lassen sich die Schwestern Iris und Elena auf eine Expedition in die Geistesgeschichte ein - und geraten in ein philosophisches  Verwirrspiel,  bei dem die Grenzen zwischen virtueller und realer Welt verschwimmen. Ein vermeintliches Computerspiel und der geheimnisvolle Heureka führen die Schwestern immer tiefer in eine „Spiegelwelt", in der sie sich schließlich selbst begegnen.

Für den Autoren lag es daher nahe, das „Abenteuer um Realität und Virtualität, Bewusstsein und Menschsein" im Internet fortzusetzen: In der reizvoll gestalteten Internet-Zitadelle „Ureda" können sich Interessierte in einer umfangreichen Bibliothek vom Chaos zum Kosmos, vom Androiden Data zu Aristoteles klicken.

In der virtuellen/Bibliothek Uredas laden die Bereiche Ethik, Philosophie, Technik/Natur, Religion und Science-Fiction zum Stöbern ein. Hier werden Geschichten erzählt, Begriffe erläutert, bedeutende Personen und Theorien charakterisiert. Elegant gelingt Durwen dabei der Brückenschlag zwischen Philosophie und Naturwissenschaft, Captain Picard und Platon.

Die Popularität von TV-Serien-Figuren zu nutzen, um in höhere Sphären der humanistischen Bildung überzuleiten, findet er absolut legitim: "Mit Speck fängt man Mäuse", begründet Durwen seine Strategie. Nicht akademisch,  sondern  lesbar mit "ein bisschen Fun, Spannung und Unterhaltung" habe er den Text gestalten wollen. Eindeutige Positionen will Karl-Josef Durwen dabei nicht vorgeben, sondern die Leserinnen und Leser anregen, "sich den Dingen zu öffnen, sich auseinander zu setzen und eigene Fantasie einzubringen". Die Philosophie sei für ihn die Liebe zur Erkenntnis und zum Wissen, sagt der 51-Jährige.

Dringenden Bedarf an geistiger Weiterentwicklung und einem neuen Denken diagnostiziert Durwen angesichts des Zustands der Welt. Die Menschheit befinde sich wieder an einem historischen Wendepunkt: "Wir haben die Endlichkeit der Ressourcen erkannt, aber wir haben nicht das richtige Denken, um die Probleme zu lösen." Angesichts der heutigen technischen Möglichkeiten müssten neue Formen des "ganzheitlichen,  vernetzten  Denkens" und des Umgehens mit der Welt entwickelt werden, ist der Wissenschaftler überzeugt: "Wenn diese Welt kaputtgeht, können wir nicht sagen, wir probieren's woanders."