Martin Lehnert im Bonner Generalanzeiger am 27.05. 2002:
http://www.general-anzeiger-bonn.de/news/artikel.php?id=45602


Wer nach der Lektüre von "Sofies Welt" noch mehr Lust auf eine andere Sicht der Dinge bekommen hat, der sollte einmal in den "Spiegel der Möglichkeiten" von Karl-Josef Durwen schauen. Der beschreibt in diesem Buch, wie die beiden Geschwister Elena und Iris die virtuelle Welt "Ureda" kennen lernen. Dort führt sie der Verlust von Zeit, Raum und Realität zu einer ganzheitlichen, dynamischen Weltsicht.

Auf dem Bildschirm ihres Computers lesen Elena und Iris plötzlich den Ausdruck "Bewusst sein". Sie treffen auf ein gewisses "Heureka" und tauchen immer tiefer in eine völlig andere Welt ab. Es beginnt eine Zeitreise, auf der sie letztlich ihre eigene Identität verlieren und selbst zu Fantasiegestalten werden. Als "Spiegelschwestern" bewohnen sie nun den geheimnisvollen Ort Ureda, wo sie den grundlegenden Fragen an das Leben gegenüberstehen.

Was sich im ersten Moment anhört wie einer von vielen Fantasy-Romanen, lässt sich tatsächlich nur schwer kategorisieren. Hinter dem Buch steht Durwens Behauptung, dass sich die Menschheit heute in einer historischen Wendezeit befindet, vergleichbar mit dem Übergang vom mythischen zum rationalen Denken in der Antike oder der kopernikanischen Wende am Ende des Mittelalters. Die technischen Möglichkeiten in unserem neuen Jahrtausend werde den Menschen zu einer neuen Weltsicht führen, ist Durwen überzeugt. Dazu sei es allerdings nötig, den Begriff Umwelt umfassender zu definieren.

Der Leser bahnt sich diesen Weg zu seiner neuen Umwelt oder Realität, indem er über das Buch neue Einsichten aus dem Gebiet der Philosophie, Religion, Erkenntnistheorie sowie der Evolution, Kosmologie und Quantentheorie erhält. Dieses gedankliche Abenteuer zwischen Realität und Virtualität kann auch im Internet miterlebt werden. Unter der Adresse www.ureda.de gibt es viele Informationen zu den Themen des Buches, unter anderem über Aristoteles, Star-Trek, den kategorischen Imperativ, Rheinbach und Scientology.

Durwen geht mit seinem Buch einen deutlichen Schritt weiter als Jostein Gaarder, der in "Sofies Welt" philosophische Inhalte einfach erzählerisch vermittelt. Für Durwens Leser wird das philosophische Denken selbst zum Abenteuer.