Angela Sternke in Buecher4um 01/03
http://www.buecher4um.de/SpiegMoe.htm
Inhaltsangabe:
Es
beginnt mit einer unerklärlichen mechanisch klingenden Stimme im Raum, die
sagt: „Bewusst sein". Kurze Zeit später erscheinen auf dem PC
geheimnisvolle Formulierungen. Die beiden Schwestern Iris und Elena lassen sich
darauf ein, nicht ohne einen kleinen Anflug von Beklemmung. Es scheint zunächst
ein interessantes Computerspiel zu sein, welches dann aber durch immer
unerklärlichere Kontakte ihrem Erscheinen und Inhalt nach die Konturen zwischen
Realität und Virtualität verschwinden lässt.
Iris
und Elena werden von einem mysteriösen Mann „Heureka" in die virtuelle
Welt Ureda hineingezogen, entdecken ihre Spiegelbilder, lassen sich auf
Fragenspiele zu Raum und Zeit ein und erkunden letztlich alle offenen Fragen
und Antworten der Philosophie, die die Menschheit über die Geschichte
angesammelt hat. Es erstreckt sich auf die Bereiche der Quantenphysik, der
Religion und Mystik, nimmt Teile des Star Trek-Universums mit hinein.
Die
Mädchen entdecken, dass sie einen doppelten oder sogar dreifachen Freitag
erlebt haben. Bei der Suche nach dem großen Unbekannten stellt sich irgendwann
auch die Frage: Wer oder was ist real und was erfunden? Sind sie gar selbst nur
erdachte Figuren?
Meine
Meinung:
Es ist ein Roman, der keinesfalls nebenbei konsumiert werden kann, sondern
ungeteilte Aufmerksamkeit erfordert.
Es
werden Fragen aufgeworfen, die sich um das Bewusstsein drehen, die Realität und
Imaginäres verschmelzen lassen. Ein abenteuerliches Denken, welches alles in
Frage stellt und dabei spannungsreich Philosophie mit Spiel, Naturwissenschaft,
Sciencefiction und Erkenntnistheorie mischt. Über die Urknalltheorie bis hin
zur Entwicklung des Homo sapiens wird diese Geschichte aufgebaut, lässt einen
nachdenken über eine Welt der Bestimmung durch Technik und Medien. Die
Spiegelung der Möglichkeiten scheint unbegrenzt, fordert den Leser mehr und
mehr und lässt einen die alltägliche Welt längst nicht mehr als das wahrnehmen,
was sie ist oder war.
Die
Dialoge und Handlungen sind abwechselnd durchsetzt mit Spannung, Ironie,
Rätselhaftem und Humor. Dabei empfand ich manches Mal die Gespräche etwas
anstren-gend nicht nur aufgrund des Inhalts, sondern in ihrem Hervorheben des
jugendlichen „Anti-Denkens" und der dabei vordergründig eher nüchternen
Sprache. Die Geschichte hat es nur zum Teil geschafft, mich in ihren Bann zu
ziehen. Ohne dem Autor hier etwas abzusprechen, ist es vielleicht auch darauf
zurückzuführen, dass jeder für sich andere Interessensgebiete hat und deshalb
einzelne Themengebiete mehr oder weniger konzentriert lesen wird.
Die
virtuelle Welt Ureda(.de) ist im übrigen auch eine netzadäquate Enzyklopädie,
so dass man sich ganz in Ruhe und Stufe für Stufe ein Stück mehr an Wissen
erschließen kann.
Insgesamt
keine sehr leichte Lektüre, auch wenn Durwen versucht hat, es modern und
zeitgemäß zu gestalten. Man erhält viel Wissen, wenn man ehrgeizig genug ist,
bis zum Schluß durchzuhalten. Die Idee und die Umsetzung hingegen finde ich
brillant.