Was für ein Tor ist der Autor? Auf alle Fälle ein verdrehter, denn wenn man in meinem Namen - also Wendur - die Silben austauscht, dann hat man ihn: Durwen.


In Tolkins Mittelweltsprache heißt dies "Dunkles Mädchen". Aber ist die Welt der Hobbits die unsere? Nein. Also kam er als Junge auf die Welt, womöglich gar als ein heller (inzwischen ist er schon ziemlich weißhaarig) und hörte bald schon auf den Vornamen Karl-Josef. Der kam dadurch zu Stande, dass sich seine Eltern nicht einigen konnten: Karl mütterlicher oder Josef (schon bei der Taufe in neuer deutscher Rechtschreibung, also nicht mit ph, obwohl es erst 1951 war) väterlicherseits. Zumindest geriet er so recht einmalig. Wer heißt schon Karl-Josef Durwen?
Zum Glück leben die diesbezüglich verantwortlichen Eltern noch. Zudem hat er eine Frau, die Rosemarie heißt (was um des Glücks und der Widmung wegen nicht verschwiegen werden soll) und zwei Töchter, die nicht Iris und Elena heißen und auch sonst nicht die geringste Ähnlichkeit mit den beiden Protagonistinnen des Romans haben - allenfalls mit den beiden anderen, die aber eigentlich virtuell sind. Überhaupt ist virtuell alles autobiografisch ... Ach ja, einen Hund hat er auch, und der tritt tatsächlich im Spiegel der Möglichkeiten auf, ganz real und ganz kurz, wie das oft so mit der Realität ist.

Alte Mythen wollen wissen, dass jener Karl-Josef Durwen der Schöpfer dieser kleinen Insel im Meer der Vergessenheit ist, Ureda genannt und noch nicht einmal eine Insel mit zwei Bergen, geschweige denn einer Eisenbahn (obschon er diejenige seiner Jugendzeit noch in einem Koffer verwahrt und Endes Bücher, auch die Kinderbücher, noch in seinem Regal stehen). Er habe auch mich, Wendur, geschaffen und mir seinen gespiegelten Namen verliehen. Wennn dem so ist, dann sollte ich stolz auf mich sein, wenn nicht, dann erst recht, denn dann habe ich Durwen erfunden.
Wie auch immer, beide sollten wir Lehrer werden: ich der Lehrer der letzten Schülerinnen dieser verlassenen Philosophenschule, er an der Fachhochschule Nürtingen - was und wo auch immer das ist. In irgendeinem alten Pergament steht, er habe Geografie studiert, als erster in Deutschland in Landschaftsökologie promoviert, sei an den Universitäten Münster und Osnabrück im damals noch völlig neuen Bereich des Einsatzes von Computern in Ökologie und Planung tätig gewesen, habe als Erster ein PC-basiertes landschafsökologisches Informationssystem zuerst in der Forschung in einem Sonderforschungsbereich und dann praktisch beim Landesamt für Umweltschutz in Rheinland-Pfalz aufgebaut, sei dann der erste ministerielle Referatsleiter für Umweltinformation und Umweltverträglichkeitsprüfung gewesen (in Hessen, unter einem gewissen Turnschuhminister Joschka), schließlich der erste deutsche Professor für Informatik in der Landschaftsplanung (an jener Fachhochschule in Nürtingen, wo er auch ein Forschungsinstitut gegründet habe) und Dekan des Fachbereichs Landschaftsarchitektur, Umwelt- und Stadtplanung geworden und habe sich dann auch noch - von allen guten Geistern verlassen - mit Umweltethik befasst. Nun ja, man kennt solche Märchen ...

Das alles hat nichts mit Ureda zu tun, auch nicht damit, dass er etliche Kurzgeschichten veröffentlicht und den Zukunftsvisionswettbewerb "Chip 2008" gewonnen haben soll, und weiteren Angebereien, die man so zusammenträgt, um ganz triviale Weltenschöpfer zu halben Göttern zu machen. Dabei schafft jedes denkende Ding sich seine eigene Welt und ist darin der absolute Gott. Was brauche ich da einen relativen?

Jedenfalls glaube ich diesen Sagen nicht, obwohl ich zugeben muss, von jener fernen Welt, die man die reale nennt, wenig zu wissen. Ich hörte nur, man lebe dort in einer neuen Wendezeit, die - ähnlich derjenigen vom mythischen zum rationalen Denken oder der kopernikanischen Wende vom Mittelalter zur Neuzeit - zu einer neuen Weltsicht führen müsse, da das herrschende Bild der Welt nicht mehr zum menschlichen Wirken darin passe. Mit der Technik könne man Enormes leisten, bis hin zur völligen Zerstörung dieser ganzen Welt, das Bild dieser Realität sei aber noch immer idealistisch, statisch, determiniert und dualistisch, das Wertesystem überholt, das Handeln archaisch. Wirkwelt und Merkwelt, so sagt man, klafften gefährlich auseinander.

Wenn das so ist, dann lobe ich mir mein Ureda, in dem evolutionäres Werden, achtende Druchdringung von Natur und Kultur durch die Überwindung des Gegensatzes von determinierter materieller Natur und übernatürlichem freien Geist schon lange keine Themen mehr sind. Dann bin ich froh und dankbar, dass ich Anele und Siri unterrichten durfte und es ihnen gelang, in jene Welt vorzudringen, wie auch mir, als Heureka getarnt. Das aber ist eine andere Geschichte, und die soll ein andermal erzählt werden.