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GOLEM  
Der Golem ist ein Produkt der jüdischen Mystik und eines aus Lehm, so wie nach der biblischen Mystik im Ursprung wir auch – zumindest die männliche Linie, bei der weiblichen war ja schon Biomasse in Form einer Rippe im Spiel. Oder zweifeln Sie daran, glauben gar an die Evolution?

Wenn ja, dann lassen Sie sich auf verdammt schwierige Probleme der Selbstschöpfung oder Entfaltung ein, auf die des Werdens, der Organisation und Information. Und woraus, warum und wofür?, muss dann auch noch gefragt werden. Da ist die Bibel mit ihrem Schöpfergott, guter Handwerksarbeit und himmlischen Zielen wesentlich einfacher, wie es auch eines der Mädchen Im Spiegel der Möglichkeiten sagt und sich dennoch mit dem Mythos unserer wissenschaftlichen Erklärungen auseinander setzt.

Aber wir sind ja nicht bei der Bibel, sondern der Kabbala, der "Geheimlehre" des Judentums, in der man diesbezüglich unter Link lesen kann (und zur Einführung Link sowie unter Link und auf der Kabbala-Homepage unter Link ). Das Grundmotiv ist aber (verständlicherweise, da aus gemeinsamen Ursprüngen) identisch und zugleich dasjenige der Prometheus-Sage, der die Menschen auch aus Lehm formte, so wie es der alttestamentarische Gott mit Adam tat (adama – hebräisch: Erde). Doch während Gott diesem Erdwesen mit dem Wort Leben gibt, bleibt der Golem diesbezüglich im Rohzustand (dies ist die Bedeutung des ebenfalls hebräischen Wortes; vgl. die gute und weiterführende Seite von Fischer, auch mit Lesetipps und Darstellungen rund um den gleichnamigen Stummfilm von Paul Wegener von 1920: Link ).

Dieser Film ist nicht direkt biblisch, vielmehr greift er auf, was wir heute zumeist mit dem Begriff verbinden: die auch in Gustav Meyrinks Bestseller »Der Golem« (Leipzig 1916) neu erzählte jüdische Legende davon, was schon im Talmud anklingt (dazu Link und allgemein zum Talmud Link auf einer empfehlenswerten page zum Judentum; unten auf »Homepage« klicken), mit dessen Religion man sich unter Link noch vertiefend beschäftigen kann; mehr zum Talmud zudem unter Link ). Dort heißt es, einer habe einen Mann geschaffen und zum Rabbi Zera geschickt, der dieses Wesen ansprach, doch keine Antwort erhielt und diagnostizierte: »Du stammst wohl von den Magiern?«, sowie das Problem löste: »Kehre zu deinem Staub zurück!« (Diese und weitere hervorragende Darstellungen finden Sie im europ.-jüd. Magazin »Golem« (Link ). Die neuere Legende handelt vom Prager Rabbi Löw ben Bezaleel (1513-1609), der aus dem Uferlehm der Moldau eine Gestalt geformt und mittels Gebeten und magischen Formeln belebt haben soll. Diese und ähnliche Legenden setzen sich im Kern mit der Anmaßung des Menschen auseinander, über Schöpfung, Leben und Tod bestimmen zu wollen. Das geht in den Legenden nie gut. Bei Meyrink ist der Ausgang diffiziler, denn die Grenze zwischen Schöpfer und Geschöpf wird aufgehoben.

Dies, so denke ich, könnte Realität werden: Erst heben wir diese Grenze einem uns gegenüber Höheren auf, dann heben unsere Schöpfungen die Grenzen uns gegenüber auf, ja vielleicht sogar uns als Art. Vielleicht verbleiben dann von uns nur noch Daten, die man mit dem Information-Retrieval-System namens GOLEM (Link ) verwaltet oder an Hand einiger Artikel im gleichnamigen digitalen Nachrichtenmagazin aus der Welt der Computer (Link ). Wenn Sie danach suchten, so habe ich Sie hoffentlich nicht abgelenkt. Ja, vielleicht lesen Sie sogar die Abenteuer und / oder noch vom Forschungs- und Entwicklungsprojekt Golem, bei dem es scheinbar um Computer geht (Link ). Denn die US-Wissenschaftler Lipson und Pollack der Universität von Massachusetts (mit dem MIT die Forschungshochburg der Extropier) haben ein Computersystem entwickelt, das ohne weiteres Zutun des Menschen selbst Roboter entwirft, testet und verbessert. Überflüssige oder hinderliche Eigenschaften werden, so jubeln die Forscher, automatisch verworfen. Für einen Anpassungsprozess, der in der Natur Jahrtausende dauerte, benötigten die Computer zum Teil nur Sekunden. – Ich weiß nicht, ob sie auch darüber nachgedacht haben, an was sie sich so sekundenschnell anpassen: Es kann zumindest keine Umwelt – einschließlich der Menschen – sein, die auch so rasch evolviert. Müsste die dann nicht bald automatisch verworfen werden?

Wenn Sie – so lange es noch Zeit ist – einige gute Artikel lesen möchten, klicken Sie ruhig auf die Zeitschrift »Der Golem« (Link ) mit online-Artikeln wie »Schöpfung aus Lehm«, »Cybergnostik« und »Extropianer«. Es ist eine okkult-metaphysische Zeitschrift, die vermutlich von rationalen Robotern nie gelesen wird, bestimmt aber bald von den modernen Golems namens Menschenklon, die ihr fremdbestimmtes Dasein zwar auch der fehlgeleiteten Rationalität verdanken werden, auf ihrer schmerzhaften Suche nach einem Ich aber sicher in den Spiegel der digitalen Datenmaschinen sehen werden. Die postulieren dann ganz im Sinn des Descartes, Hardware und Software ließen sich völlig voneinander trennen und der wahre Mensch sei ein Datensatz, der auf robusterer und schnellerer Hardware geradezu unsterblich würde. Und dann sehen sich die Klone als Gegenthese und als die neue Verkörperung des alten Mythos Mensch.

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