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HÖHLENGLEICHNIS  
»Ihr merkt, wir haben einen ganz schönen Berg vor uns. Da müsst ihr euch schon überlegen, ob ihr wirklich klettern wollt. Außerdem kann man sich noch in platonische Höhlen verirren und muss aufpassen, nicht in cartesische Spalten zu fallen«, schreibt Heureka im Spiegel der Möglichkeiten an die Mädchen, bevor er sie im Internet fängt. Dabei spielt er auf den spaltenden Dualismus des Descartes an und auf dessen Wurzel, die Zwei-Welten-Theorie des Platon, die dieser nicht zuletzt mit dem berühmten Höhlengleichnis veranschaulicht.

Man kann das ganze Gleichnis, das Platon in »Der Staat« (VII) Glaukon erzählt, beispielsweise unter Link nachlesen oder, auf der gleichen Domain, sich von Clemens Gesell nacherzählen und veranschaulichen lassen (Link ). Es geht auch auf Latein (Link ). Mir ist die Einladung mit stets dampfender Kaffeetasse in Annettes Philosophenstübchen lieber (Link ), denn dieser Besuch ist unbedingt zu empfehlen. Da kann man sich dann so seine eigenen Gedanken machen. Man kann jedoch auch die von Detlef Dürr nachvollziehen, der unter Link über das physikalische Weltbild des Gleichnisses nachsinnt. Oder über die sehr künstlerisch gestaltete Seite »Aufzugsfahrt« (Link ) und über die Linkseite unter Link tief in die Höhle eindringen und sogar »Platons Höhlengleichnis im Vergleich zum Bildungsweg am Computer« (Link ) finden oder das Gleichnis als »Metapher der Medienkritik« deuten (Link ).

Wie auch immer, dieses Modell der platonischen Erkenntnistheorie war und ist immer wieder anregend oder gar prägend: Die außernatürliche, virtuelle Welt jenseits des Höhleneingangs sei, so Platon, die eigentliche Wirklichkeit, die Raum-Zeit-Kausal-Welt in der Höhle, in die wir gekettet sind, nur Schattenbilder dieser Ideen. Dieses Bild für Wahrheit, Wahrnehmung und Erkenntnis scheint die Vernunft ebenso erklären zu können wie das Problem von Werden und Sein und ist anschaulicher als das der Atomisten. Ja es führt gerade auch heute wieder in die neuen Dimensionen der Quantenphysik bis zur Viele-Welten-Theorie mit ihren Denkabenteuern. Es ist aber auch ein Bild der Wertverschiebung aus der Natur ins Unerreichbare und die Wurzel des Dualismus und ruft geradezu zwanghaft religiöse Interpretationen hervor. Und ethisch unheilvolle Konsequenzen provoziert Platon, wenn er über diejenigen, denen es gelang, diesen Kerker zu verlassen, schreibt: »Scheint es dir verwunderlich, wenn einer, der von den göttlichen Anschauungen her in das menschliche Jammertal herabkommt, haltungslos ist und sich recht lächerlich ausnimmt, wenn er, noch getrübten Blicks und noch nicht wieder genügend an die hiesige Finsternis gewöhnt, sich genötigt sieht, in Gerichtshöfen oder anderswo um die Schatten der Gerechtigkeit zu streiten ...?«

Tauschen wir also die Gerechtigkeit gegen das überweltliche Licht oder – wenn wir noch im Jammertal verweilen müssen – doch zumindest gegen das des griechischen Himmels. Unter Link laden uns die cleveren Kreter, die sogar die Virtualität eines Denkbildes touristisch vermarkten können, zu Platons Höhle am Berg Ida ein. – Aber wir wissen ja: Alle Kreter lügen! (Und Platon?)

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