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HOMER  
ist wohl »nur« die Personifizierung einer Gruppe von Sängern, aber weit mehr als ein Geschichtenerzähler und ein großer Dichter: Er ist auch eine philosophische und kulturelle Wegmarke, ja ein Wendepunkt.

Er – ich bleibe bei der Personifizierung, wozu auch gleich auf eine Bildgalerie unter Link verwiesen werden kann – steht mit seinem Werk, der »Ilias« und der »Odyssee«, an der Schwelle des alten mythischen zum neuen rationalen Denken in unserem Kulturraum: Die Götter werden vermenschlicht, Menschen versuchen, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, zeichnen sich (insbesondere die Figur des Odysseus) durch Verstand, Witz und List und logisches Denken aus, was sie trotz Rückschlägen und Götterzorn zum Erfolg führt.

Nachlesen kann man beide Werke auch im »Projekt Gutenberg-DE« unter Link (oder im Original und in Übersetzung und Bebilderung und pädagogischer Aufbereitung bei Link ) und dann darüber nachdenken, ob Karl-Hermann Schäfer Recht hat, wenn er in seinem interessanten Aufsatz Homer und Platon als Gründungsväter der Medienpädagogik bezeichnet: Homer als Vertreter des Mythos, Platon als den des Logos, jeweils mit den »richtigen« pädagogischen Formen (Link , vielleicht dikutiert man im Onlineforum für Medienpädagik Link oder in der Zeitschrift für Medienpädagogik Link einmal darüber oder bringt es in die Ausbildung ein, etwa Link ).

Homers Lehrgedichte, die zwischen 750 und 710 v.Chr. entstanden sein sollen, präsentierten »das erfolgreichste Medium aller Zeiten: die gesprochene Sprache« (bzw. die gesungene) hervorragend in Inhalt und Form, zumal unter dem Aspekt, dass alles auswendig vorgetragen und weitergegeben werden musste. Die Niederschrift soll erst im 3. und 2. vorchristlichen Jahrhundert in der Bibliothek von Alexandria erfolgt sein. (Zur Bibliothek verweise ich auf Link und gebe ergänzend den Literaturtipp auf Luciano Canforas »Die verschwundene Bibliothek« (Link ). Auch der Hinweis auf das lobenswerte »Projekt Alexandria« unter Link soll nicht fehlen. Über die Geschichte der alten Stadt informiert das Referat von Timo Kessler Link und zur heutigen soll der Einstieg über Link helfen).

Platon wird als Begründer der unmittelbar auf das geschriebene Wort setzenden neuen (Medien-) Kultur angeführt – auch im Unterschied zu seinem Lehrer Sokrates, der nichts niederschrieb. Er habe die Sinnlichkeit des Mythos, wie sie Homers Bilder malen, mit der Rationalität des Logos vertrieben. Schäfer schreibt: »Der Logos des Denkens soll den Mythos der Unmittelbarkeit sinnlicher und das heißt mythischer Gewißheit ersetzen.« Philosophie nahm die Stelle der Dichtung ein, die Präzision des geschriebenen Wortes die des umschriebenen Bildes, das unmittelbare, sinnliche Erleben wurde ausgeschaltet. Ich kann mich Schäfers Schlussfolgerung gut anschließen: »Wenn die Medienpädagogik die Positivität ... nicht verlieren will, braucht sie Mythos und Logos, Sinnlichkeit und Rationalität als gleichwertige Qualitäten, die Fundamente der kommunikativen Medienpädagogik sind«, meine jedoch, trotz der Ausdrucksform Homers, die zweifellos die des Mythos ist, gehören seine Aussagen teilweise schon dem neuen Denken an, das in Platon seinen griechischen Höhepunkt fand, doch seit Homer über die Vorsokratiker vorbereitet wurde. Es ist ein neues Menschen- und teils auch ein neues Naturbild (siehe dazu Link mit Beispielen für Dynamik, Bedeutung usw.), wofür bezeichnend ist, dass alles aus dem Oceanos hervorgegangen sei, und damit offensichtlich das »Ding« Ozean und nicht »der Gott« gemeint ist. Anhand von Homers Werken legt auch Christoph Zürcher dar, dass diese bereits der Wendezeit des neuen Bewusstseins zuzurechnen sind (Link ). In solch einer Wendezeit zu neuem Bewusstsein leben auch wir, und der Spiegel der Möglichkeiten versucht, diesbezüglich eine pädagogische Form und zusammen mit Ureda ein zeitgemäßes Medienprodukt zu sein.

Zu Homer, dem blinden Sänger, findet man im Netz nicht allzu viel (positive Ausnahme: die Seite von Jan Thor unter Link ), wohl aber zu jenem Homer, der Sixpacks Duff-Bier und Donats vertilgt und mit seiner Familie – den Simpsons – auch ein konsequent zeitgemäßes Medienprodukt ist (Link oder Link ).

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