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IMPLIZITE ORDNUNG  
ist eine vom amerikanischen Quantenphysiker David Bohm (Link , Link , Link ) eingeführte Form der Ordnung, die davon ausgeht, dass Teile eines Ganzen über Informationen des Ganzen verfügen. Bohm stellt damit dem klassischen physikalischen Bild ein »holografisches« gegenüber (Link ).

Die herkömmliche Vorstellung, die der expliziten Ordnung (Link ), setzt abgegrenzte Dinge voraus, die von außerhalb liegenden Kräften passiv organisiert werden oder – wenn man von Kommunikation und Selbstorganisation spricht – durch »Senden und Empfangen« miteinander in Wechselwirkung stehen und sich so (nach physikalischen Gesetzen) organisieren. Dieses klassische physikalische Bild »autonomer« Körper im leeren Raum, der durch Kräfte oder Informationen überwunden wird, zeichneten schon die alten griechischen Atomisten und ist auch dasjenige der Physik Newtons und unserer Alltagserfahrung. Zumindest im Reich der Quanten stößt es aber an seine Grenze. Hier treten sogar Effekte auf wie das der Photonenpolarisation: Zwei weit voneinander entfernte Photonen reagieren in einem auf dem Einstein-Podolsky-Rosen-Paradox (kurz EPR; siehe Link , Link , Link , Link , Link und auch unter Beamer) basierenden Experiment stets wie ein abgestimmtes Duo (Änderung des Spins immer schlagartig und synchron), obwohl Informationen auch mit Lichtgeschwindigkeitso nicht so schnell ausgetauscht werden können.

Begriffe wie Kausalität oder Ursache und Wirkung verlieren in diesem und anderen Experimenten – die zum Teil auch Im Spiegel der Möglichkeiten in sehr unphysikalischer Form (bis hin zu Batik als Beispiel für die Feldtheorie) zur Reflexion von altem und neuem Weltbild dienen – ihren Sinn (vgl. auch paradox, Hologramm, Schrödingers Katze, Atomolympiade, Photonentanz, Welle-Teilchen-Phänomen u.a.). Erklärungen wie die, dass Photonen gar keine Teilchen, sondern Wellen sind, weisen in Bohms Richtung, denn die Vorstellung der Welle ist im Kern die einer Ganzheit (zur Kritik Link , dabei nicht vergessen, auf den ganzen Beitrag von Ernst-Udo Wallenborn zu gehen Link ).

Immer ist es nur ein Bild der Welt, das wir uns machen. Insofern hat Platon mit seinem Höhlengleichnis Recht, auch wenn es nicht das Schattenbild einer außernatürlichen Welt sein muss. Und immer kleiden wir im rationalen Denken diese Weltbilder in Begriffe, die trennend sein müssen, weil logisches Denken die Verhältnisse zwischen Dingen behandelt. Das alte mythische Denken, das wir dennoch nicht verloren haben (Musik, darstellende Kunst, Fantasie, Traum ...), liefert auch Bilder zur Erklärung der Welt, die nicht schon deswegen falsch sind, weil sie einer älteren Denkform angehören. Es gab sie zu allen Zeiten (u.a. Mystiker) und gibt sie verstärkt in der »harten« Physik, in einigen ökologischen Modellen (Gaia-Theorie von Lovelock) und als alternatives Modell in der Erkenntnistheorie (s.a. Karl Pribram mit seiner holografischen These für das Gehirn bzw. Denken Link ). Schon Anaxagoras sagte vor zweieinhalb Jahrtausenden, alles sei in allem verborgen. Aristoteles oder Thomas von Aquin sprach von Selbstentfaltung oder Ausfaltung. Bohm »impliziert« nichts anderes (plicare: falten). In letzter Konsequenz drängt sich, wie in meinen Denk- und Erlebnisabenteuern das paradoxe Bild der Ausfaltung allen Seins im Werden (Evolution) auf, ja sogar das des werdenden Gottes.

Wenn in Bohms impliziter Ordnung die Teile einer Gesamtheit ineinandergefaltet sind, so stehen sie nicht mehr in einem äußeren Verhältnis, sondern in einem inneren, haben ein gemeinsames »Wissen«. Damit kann man m.E. vieles leichter erklären als mit äußeren Kräften, egal ob wir sie »kosmische Naturgesetze« oder »Gott« nennen, für die wir auch keine letzte Erklärung haben. Zudem ergibt sich ein besseres Fundament für die Verantwortungsethik, weil wir für uns selbst im weitesten Sinn verantwortlich werden. Mit dem alten Außenbild schieben wir nur weg: ins Jenseits oder zu irgendeiner Setzung, einem Axiom, irgendeinem Apriori.

Nur weil der über seine Akademie sehr einflussreiche Platon alles mit einen Außen erklärte, es sich und den denkenden Menschenwesen so vermeintlich leicht machte und dieses Bild religiös gepflegt wurde, muss es nicht »wahr« sein. Gleiches gilt selbstverständlich auch für die Umkehrung dieses Modells: Der Begriff eines »Innen« löst sich genauso auf wie der eines Außen, wenn es nicht beides gibt; zumindest, wenn wir logisch denken. – Aber das muss ja nicht sein!

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