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KAPITALISMUS  
in der Turboversion, wie ihn uns die Amerikaner schenkten, wäre ohne Gottes Hilfe wohl nicht möglich geworden. Der aber offenbarte Calvin (den vermutlich weit weniger Amerikaner kennen als Kelvin, der allein zu Hause blieb; daher: eine kurze talellarische Biografie unter Link , etwas mehr bei Link und sehr umfangreich unter Link sowie mehr am Schluss dieses Textes), das Los eines jeden Menschen sei bereits von Gott in der großen Lebenslotterie gezogen (falsch!: Gott würfelt nicht, wie Einstein wusste, und hält auch in einer angeblich determinierten Welt nichts vom Glücksspiel, also:) bzw. vorherbestimmt worden. Wohlstand ist somit eine gottgeschenkte Gnade, der man sich mit allen Kräften würdig erweisen muss. Auch und völlig legitim zu Lasten anderer, denn es kann ja immer nur die treffen, die nicht so gnädig im Hauptbuch des Jenseits vermerkt, ja vom calvinistischen Gott verdammt sind.

Die Calvinisten (Links siehe s.u.) – es waren bezeichnenderweise nicht zuletzt Kaufleute und das aufstrebende Bürgertum – blieben aber nicht allein zu Haus in Genf. Vielmehr machten sie sich über Frankreich (Hugenotten = Eidgenossen) nach den Niederlanden auf, segelten nach England, dem Mutterland der Industrialisierung, zu dem es auch durch diese Kapitalistenreligion wurde. Ab 1620 setzten sie dann als Puritaner (die Reinen; Link und Link ), ganz konkret als die so genannten »Gründerväter« (damals zuerst mit dem Schiff Maiblümchen), über den großen Teich, um den großen Reibach zu machen. Was bekanntlich voll gelang, denn die Indianer, später die Neger und viele andere waren und sind offensichtlich im göttlichen Vorherbestimmungsakt (der richtig »Prädestination« heißt) die Verlierer. Da sie dies nach Calvins Lehre auch im Jenseits sind, laufen sie ihm da wenigsten nicht über den Irrweg, denn sie könnten den Ausspruch »Kapital schlagen« missverstanden haben.

Meine unpuritanischen Ausschweifungen mögen denen, die wissen wollen, was Kapitalismus eigentlich ist, wenig bieten, daher eine lexikonmäßige Antwort: Kapitalismus ist eine Wirtschaftsform, die von der freien und egoistischen Nutzung des Eigentums ausgeht. In diesem Sinn sucht im Kapitalismus der Eigentümer von Kapital (Grund, Boden, Geld) unter Verwendung von Maschinen bei der Güterherstellung aus seinem Kapital einen möglichst hohen Gewinn zu erzielen. Im freien Wettbewerb mit anderen Kapitalbesitzern verwendet er das vermehrte Kapital erneut zum Zweck der Gewinnmaximierung. Kapitalismus ist die Anwendung des allgemeinen liberalen Prinzips auf den Bereich wirtschaftlichen Handelns: Jeder hat die Freiheit, alles zu tun, was er will, sofern er nicht die gleiche Freiheit eines anderen verletzt. Die einzige Aufgabe des Staates ist es, diese Freiheit zu sichern. Die Begründung des Kapitalismus ist entweder »natur- oder gar gottrechtlich«, wie bei Locke, Spencer oder den Calvinisten bzw. Gründervätern, oder utilitaristisch, weil der Kapitalismus besser als andere Wirtschaftsformen Wohlstand für viele Menschen schaffe.

Ein paar Links, eher nicht für Linke: Ein weiteres Kurzporträt von Johannes Calvin unter Link und ausführlicher und gewiss nicht kritisch: Link . Das gilt auch für die Hompage der Calvinisten unter Link . Über Calvin und die Hugenotten informiert unter anderem das »Heiligenlexikon« Link , wo man auch Puritanisches findet. Ferner kurz und kritischer zu den Puritanern: Link . Über diese und die Pilgerväter kann man im Kapitel Kolonialzeit der USA nachlesen bei Link . Für solche, die Kapitalisten werden wollen, gibt es dazu (als ob das nötig wäre) die entsprechende Kapitalistenpartei, die übrigens, nach eigenem Bekunden, auf ihre Page noch keine einzige kritische Mail bekommen hat. Vielleicht, weil sie keiner ernst nimmt: Link . Eine vertrauliche Kapitalanlage garantiert beispielsweise Link , die uns leider nicht sponsern. – Also, ihr vielen Konkurrenten, meldet euch und bietet was!

Für Anspruchsvolle, die die Systematik lieben (nicht bei der Geldanlage, sondern beim Wissenskapital), sei verwiesen auf Link und für Politiker und Historiker, die sich mit der neueren Entwicklung des Kapitalismus beschäftigen wollen, auf Link . Ein Tipp für die, denen die künftige Entwicklung noch näher liegt und an die Allmacht des Cyberspace glauben, der auch den Kapitalismus überwindet: Link . Und dann doch noch was für die Linken: Thor von Waldsteins Thesen Link und das, was Karl Marx zum Thema meinte Link .

Letztlich was für den Verlag und mich: Kaufen Sie Im Spiegel der Möglichkeiten, damit Kapital in die Kasse kommt!

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