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KATEGORISCHER IMPERATIV  
Kants Forderung »Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit Grundlage einer allgemeinen Gesetzgebung sein könnte!«, kann man ebenso teilen wie die Prämisse, dass nicht die Tat oder deren Ergebnis (wie beim Utilitarismus) entscheidend ist, sondern die innere Einstellung, der freie »Wille zur Pflicht«. Denn Kant meint nicht Freiheit von, sondern Freiheit zu und sieht den wesentlichen Unterschied zur determinierten Natur in dieser gewaltigen Möglichkeit, sich selbst in die Pflicht zu nehmen (Link ). Seine spätere Formulierung des kategorischen Imperativs (Link ), »Handle so, daß du die Menschheit sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden anderen zugleich als Zweck, niemals nur als Mittel brauchest!«, finde ich selbst noch treffender, schon wegen des Bezugs auf die Zweck-Mittel-Relation des Aristoteles, der Im Spiegel der Möglichkeiten eine besondere Rolle spielt. Eine sehr umfangreiche Auseinandersetzung mit Kants Imperativ gibt es unter Link ), zudem kann man auf Bücher zugreifen.

Mir scheint es fraglich, ob es die Bestimmung der Vernunft ist, guten Willen hervorzubringen, wie Kant behauptet und dann schlussfolgert, dass nur der gute Wille gut sein kann. Nicht, weil ich gegen den guten Willen oder gar das Gute bin, sondern weil der Idealist Kant die Vernunft als übernatürlich voraussetzt. Im Gegenzug bleibt nichts Gutes für das Natürliche übrig. Er meint – was bei einem solchen Dualismus konsequent ist –, der Mensch habe keine Pflichten gegenüber der Natur, sondern nur »in Ansehung der Natur« gegen sich selbst. Da nur der Mensch Würde (Link , Link , Link und Link ) besitze, seien nur indirekte Pflichten gegenüber der Natur ableitbar. Wenn Kant für Tierschutz ist, so nicht, um Tieren um ihrer selbst willen Schmerz und Leid zu ersparen, sondern weil Tierquälerei den Menschen verroht. Davor muss der Tierquäler um seiner selbst willen geschützt werden, und seine Mitmenschen vor ihm. Tierschutz ist nach Kant eine Vorschrift im Interesse des Menschen.

Diese formale oder Vernunftethik (Link und Link ) Kants ist eindeutig anthropozentrisch. Der Natur billigt er keinen eigenen Wert, geschweige denn Würde zu. Darin unterscheidet er sich deutlich von Aristoteles, der den Wert jeweils in den natürlichen Dingen selbst sah. Paradox, dass mit größter Wahrscheinlichkeit die Vernunft mit dem Gehirn natürlich-evolutionär entstand (was Im Spiegel der Möglichkeiten behandelt wird) und folglich natürlich und somit nach Kants Definition wertlos ist! Ich glaube zwar nicht, dass die Extropier, die Väter der Cyborgs und des Homo s@piens, sich allzu sehr mit Philosophie plagen, doch sind sie nicht eigentlich in diesem, von Nietzsche auf die philosophische Spitze getriebenen Kontext nur konsequent, wenn sie das biologische Wesen Mensch durch das technische Wesen Übermensch ersetzen wollen, das sich aus dieser »natürlichen Phase« befreit, die Natur verkunstet, sich selbst aufgibt und die Zukunft seinen Produkten überlässt?

Oder sollte man die Zweiteilung in denkendes und natürliches Ding zu den Irrtümern der Geschichte legen und dem natürlichen Werden die eigene Würde belassen? Ich meine, das macht uns weder unfrei noch unmoralisch. Im Gegenteil: Wenn wir eingestehen, dass man mit Logik nicht zum Mitleid gelangen kann (Hineinversetzen aus Reflexion eigener Erfahrung) oder gar zur Barmherzigkeit (durch Mitleid hervorgerufene tätige Hilfsbereitschaft) und ebenso wenig zur Liebe, gewinnen wir dann nicht die bessere Menschlichkeit?

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