Suche in der Bibliothek
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Ü Y Z Ö

LEUKIPP  
gilt als maßgeblicher Determinist und Urvater der Atomistik, obwohl ihm darin Anaxagoras vorausging. Seine von Demokrit systematisierte Lehre wird deshalb unter dem Stichwort Atomisten dargestellt. Neben dem von ihm aufgebrachten reinen Materialismus (das einzig absolute in der Welt sind die Atome als Partikel) ist noch sein Gedanke zu ergänzen, dass alles aus Notwendigkeit, aus fremdbestimmtem Zwang in einer unveränderlichen Weltordnung geschehe, dem Urprinzip. Kenne man es, würde einem alles Vergangene, Derzeitige und Künftige zugänglich: Es grüßt der Laplace'sche Dämon! Wörtlich lautet sein Kernsatz: »Nichts geschieht von selbst, sondern alles aus einem Grunde und unter dem Druck der Notwendigkeit.«

Leukipp und Demokrit erklären mit ihrer Lehre, dem ersten System des deterministischen Materialismus, alle Aspekte des Daseins physikalisch, nur das Entstehen der Welt selbst nicht: Ein Urgrund könne logischerweise auf keinen anderen mehr zurückgeführt werden und stehe damit außerhalb jeder Notwendigkeit. Notwendigkeit setzt ja immer etwas voraus (die »Not« oder das, worauf zwanghaft reagiert wird) – heute sprechen wir mit Blick auf die Entstehung der Welt von einer Singularität, scherzhaft Urknall genannt, vor der es keine Raum-Zeit-Kausal-Welt gab, was nichts anderes besagt. Damit, so folgerten Leukipp und die Atomisten, kann es aber auch keine Zweckursache geben: Das zufällig Entstandene kann logischerweise keine Zielbestimmung besitzen. Damit wurde erstmals in der Antike das göttliche Einwirken aus der Natur verbannt (so wieder in der Neuzeit, als man die »Hypothese Gott« naturwissenschaftlich verwarf) und entschieden die Sinnfrage gestellt (wie ebenfalls wieder drängend in der kopernikanischen Wende und der aktuellen Wendezeit, in der wir leben).

Welche Konsequenzen aber zog man? Viele Sophisten folgerten, dass es somit keinen objektiven Wert gibt, und vertraten eine Art »Sozialdarwinismus« oder eine Haltung, die in Übersteigerung auch bei Nietzsche wieder auftritt: Sorge für dich selbst, auch auf Kosten anderer, denn der Stärkere hat das Recht. Sokrates suchte nach der Wahrheit in der Seele, die Platon aus der Natur entfernte, von ihrer Stofflichkeit befreite und unsterblich machte (die Atomisten unterstellten auch eine feinstoffliche Seele, die somit auch materiell und vergänglich ist). Aristoteles setzte ganz entschieden auf die Zweckursache, konzentrierte sich dabei aber auf die natürliche Welt, weil man über die erste Ursache und den letzten Zweck nichts aussagen könne (weil der Zweckbegriff in der Wirklichkeit steht und nichts über die Wirklichkeit selbst sagen kann. Er wurde später jedoch in seiner Umkehrung »christianisiert«: Die Nichtaussage zu Gott wurde zum Alpha und Omega und zum Gottesbeweis, was man in den philosophischen Abenteuern miterleben kann). Und alle drei großen Philosophen schufen zugleich ethische Modelle, definierten den Menschen als moralisches Wesen in der Gesellschaft. Die Stoa und die Neuplatoniker wirkten als Mainstream über das Christentum bis zu Kant und allen »Etablierten« fort. Epikur aber zog seine eigene Konsequenz, ging entschieden vom materialistischen Bild der Atomisten aus und fand dennoch ebenso Werte in der Welt wie moralische Haltung.

Von all dem kann man auch einiges im Spiegel der Möglichkeiten finden, und zu Leukipp eine kurz Darstellung seiner Lehre unter Link , die lexikalische Angabe unter Link und eine schöne Gesamtdarstellung unter Link . Einige Textfragmente mit Übersetzung von Karl Bayer, verbunden mit einem Referat des Schülers Dominik Schmitt, ist auf dessen persönlicher Page unter Link einzusehen. Dort gibt es auch weitere Infos zu anderen Atomisten und zu Thales.

  Portal

Atomisten
Anaxagoras
Laplace’scher Dämon
Vorsokratiker
Demokrit
Epikur
Materialismus
Determinismus
Zufall und Notwendigkeit
Urknall
Raum-Zeit-Kausal-Welt
Ursache
Zweck
Aristoteles
Sophisten
Sokrates
Platon
Kopernikanische Wende
Seele
Ethik
Stoa
Nietzsche

Ureda

Impressum / Haftungshinweis Ureda © 2002K.-J. Durwen