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TÄGLICH GRÜSST DAS MURMELTIER  
Das Murmeltier wird von Iris im Spiegel der Möglichkeiten dreimal im Ausspruch »Da grüßt doch glatt das Murmeltier« erwähnt. Dreimal, weil dies immer im Zusammenhang mit dem mysteriösen Freitag den 15. Juni steht, der sich zu wiederholen scheint. Und genau um diese Anspielung geht es, denn »Und täglich grüßt das Murmeltier« heißt im Deutschen der hinreißend gute Film »Groundhog Day« von Harold Ramis Link .

In dem geht es um die ständige Wiederkehr des Murmeltiertags für Phil, ein Ekel, der als »Wetterfrosch« eines Fernsehsenders aus Punxsutawney (Pennsylvania) Link vom jährlichen Groundhog Day Festival berichtet Link . An dem wird ein Murmeltier als Verkünder des Frühlings gefeiert, doch Phil findet sich an diesem Tag als Gefangener der Zeit wieder. Er muss diesen von ihm so gehassten Tag immer und immer wieder neu erleben und tut dies in den skurilsten Variationen, bis aus dem Zyniker ein liebenswerter und liebender Mensch geworden ist.

Inhaltsangaben zu diesem Film mit Bill Murray (Link , Link ) und Andie MacDowell (Link , Link ), gibt es unter Link , Link und mit Forum unter Link . Doch leider ohne den philosophischen Hintergrund des Umgangs mit Ewigkeit und Unsterblichkeit, der doch so deutlich hinter der komödianten Oberfläche steht.

Ethisch greift der Film nämlich ein Gedankenexperiment Friedrich Nietzsches\' auf: Die ewige Wiederkunft des Gleichen, die er als \'erziehenden Gedanken\' sah, wenn man sich vorstellt, wie man handeln und leben würde, wenn man wüsste, dass sich genau dieses Leben unendlich oft wiederholte.

Was ist die »Moral von der Geschicht«?: Phil, das zynische Ekel schafft es durch die »einmalige« Chace der stetigen Wiederholung eines Lebenstages, an sich selbst zu arbeiten und zu einem guten und (andere) liebenden Menschen zu werden. Das Gedankenexperiment Nietzsches\' wurde also als ethische Chance verfilmt.

Und wie durchbricht er die Zeitschleife? Professor Dr. Michael Wörz, der Leiter einer ungeheuer zeitgemäßen Einrichtung – nämlich dem Referat für Technik- und Wissenschaftsethik an den Fachhochschulen des Landes Baden-Württemberg Link – gibt eine sehr überzeugende Erklärung:

Phil, die Hauptfigur des Films, durchläuft alle Lebenskonzepte, des Zynikers und Lüstlings, des Aufschneiders und Selbstmörders bis hin zum hilfsbereiten Samariter und aufmerksamen Liebeswerbers. Aber er schafft es nicht, aus der Wiederholung des ewig Gleichen auszubrechen. ... Erst in dem Moment, in dem Phil aufhört, seine Gegenwart (seine Beziehung zu anderen Menschen) als Mittel für eine ausschließlich von ihm (!) bestimmte und erwünschte Zukunft zu gebrauchen, endet die Zeitschleife. Er kann sich auf etwas neues einlassen, ohne es bestimmen zu wollen.

Im Film meine ich, dies an folgender Stelle zu erkennen: Bei den Worten Phils an Rita don\'t care, what is tomorrow. I\'m happy now, fallen plötzlich Schneeflocken. Er gibt es auf, sich etwas vorzunehmen und wartet statt dessen ab, was geschieht. Er schläft an der Seite von ihr ein und wacht an einem neuen Tag auf. Er hat nun etwas, was in philosophischem Sinne »Zukunft« bedeutet; es kann jetzt etwas auf ihn zukommen, was nicht von ihm selbst stammt und er lässt es geschehen, ohne es anders haben zu wollen. Die Bedingung dafür ist die Beziehung zu einem anderen Menschen, die nicht das Produkt eigener Pläne ist. Und das würde ich »Liebe« nennen.

Der Titel des Titel des Songs dürfte keine Zufall sein, der sich Punkt 6.00 Uhr solange wiederholt, bis er es begreift: I got you, babe. Als in der Gegenwart lebender, weil liebender Mensch wird er aus der Zeitschleife entlassen (der ewigen Wiederkunft der eigenen Pläne) und er kann nun auch sich selbst erkennen - (griech: phil = der Liebende). (Ende des Zitates).

Ein heißer Link zum Murmeltier als solchem ist die Schulfernsehseite des Bayerischen Rundfunks unter Link mit vielen Bildern, Literatur, Video und Runduminformation zu dem ca. 50 cm großen Nagetier der sonnigen und tiefgründigen Almen und Matten. Nicht dokumentiert wird dort jedoch das Verwandtschaftsverhältnis zum Wolpertinger Link . Bekannt ist auch mir als Flachlandalpinist, dass die Murmeltiere bei Gefahr schrille Pfiffe ausstoßen, um ihre Koloniemitglieder zu warnen. Aber murmeln sie wirklich? Und wenn, was? Kennen sie womöglich das Geheimnis der Zeit, das der Vergangenheit? Oder murmeln sie nach dem Winterschlaf nur ganz muffig »Morgen«?


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