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ROBOTER  
können verdammt nette Typen sein. Ich denke an R2D2 aus dem »Krieg der Sterne« (Link ), an den immer depressiven Marvin aus Adams’ fünfbändiger »Anhalter«-Trilogie (in der natürlich Maschinen Gefühle haben; zu Marvin und dem ganzen Rest: Link ), an die Nr. 5, die lebt (Link ), und nicht zuletzt an Data, dem ebenso ein eigenes Stichwort gewidmet ist wie den Androiden, die er optimal verkörpert (und »verkörpert« ist wörtlich zu nehmen). Viel weniger denkt man an die Millionen Industrieroboter, die zum Beispiel stupide Autos zusammenbauen, damit die so preisgünstig werden, dass sie sich (gebraucht) auch die durch die Roboter arbeitslos gewordenen Menschen leisten können, um ihrem Lebenssinn auf der nächsten Schnellstraße hinterherzujagen. Ich denke weiterhin an Cog vom Massachusetts Institute of Technologie (Link ), der auch ganz nett ist und mit dem vollgestopft wurde, was man von den Robotern aus der Sciencefiction ohnehin erwartet und »Künstliche Intelligenz« (KI) nennt.

Der Name Roboter kommt vom russischen bzw. tschechischen Wort für Fron- oder Knechtsarbeit und geht auf den vielseitigen tschechischen Schriftsteller Karel Capek zurück (vgl. kurz Link , im Kontext Link sowie Link und zur Person Link sowie ergänzend zum hören Link und zum lesen: "Masaryk erzählt sein Leben" – Gespräche mit Capek Karel"), der das erste derartige Maschinenwesen 1920 in die Sciencefiction einführte. Näheres zu diesen Arbeitsmaschinen kann man auf vielen Domains im Netz nachlesen, besonders schön bei Jörg Kantel, ausgehend von Link mit vielen weiteren Seiten zur Geschichte, zu Industrierobotern, zur künstlichen Intelligenz usw. sowie Literatur und weiteren Links. Man kann auch in Wolfram Henkels umfangreiches Roboter-Archiv gehen (Link ), auf eine gute Seite des WDR-Schulfernsehens (Link ) oder zu einem Buch greifen wie Gero von Randows »Roboter«. Darin diskutiert er das künftige Verhältnis von Mensch und Maschine.

Über dieses Verhältnis hat sich auch der Chefwissenschaftler von Sun Microsystems, Bill Joy, Gedanken gemacht (Link ) und nimmt letztlich – ähnlich den ethischen Prinzipien von Hans Jonas – die Position des Verzichts ein, da die Grenzen des Berechen- und Verantwortbaren zu schnell überschritten werden können. Auslöser für diese bei Technikern eher seltene Positionierung war eine Begegnung mit Ray Kurzweil (zu ihm und seinen Zielen Link , zu seiner Firma Link ), der die These vertritt, dass der Mensch selbst bald zum Roboter (oder Cyborg) wird, und das offensichtlich richtig findet und daran arbeitet. Joy fürchtet sogar die Gefahr einer »wissensbasierten Massenvernichtung«, wenn Computerleistung mit manipulativen Fortschritten der Physik und vertieftem genetischen Wissen verknüpft wird. Er entgegnet den Absichten der Extropier, das individuelle genetische »Profil« der Menschen zu übertragen: »Die Robotik träumte einmal davon, intelligente Maschinen könnten uns die Arbeit abnehmen und uns sogar unsterblich machen: Doch wenn wir uns in unserer eigenen Technologie abspeichern, welche Chance haben wir dann, hinterher noch wir selbst oder auch nur menschliche Wesen zu sein?«

Es hat nichts mit Technikfeindlichkeit zu tun, sich über diese Konsequenzen ernsthaft Gedanken zu machen, wie dies auch Im Spiegel der Möglichkeiten geschieht. Deshalb empfehle ich zwei Artikel aus dem Archiv der FAZ: den schon angesprochenen von Bill Joy: »Warum uns die Zukunft nicht braucht« (FAZ, 6.6.2000, Nr. 130, S. 49-51) und den von Lanier Jaron: »Aus den Ruinen unserer Zeit wächst ein zweiter Kapitalismus« (FAZ, 12.7.2000, Nr. 159, S. 51), beide unter Link auf einer Domain mit vielen guten Beiträgen zur Informationsethik und zu Themen des Internets. Der Komponist und Programmierer

Jaron Lanier (Porträt Link , Interviews Link und Link , Mediaklip Link ), der den Begriff »virtual reality« prägte (Link , Link , Link und Link ), fürchtet sich nicht vor zu klugen Computern, sondern vor zu dummer Software (Link und Link , allgemein zur Software Link und ein Vortrag von Burkhard Freitag unter Link ). Die Prozessoren werden zwar immer schneller, die Software aber entwickelt sich weit weniger effizient, ja wird teilweise umständlicher und langsamer, weil man bei alten Mustern bleibt, immer mehr aufsattelt, auf Maschinenleistung setzt statt auf Softwareoptimierung, insbes. in der Biotechnologie-Industrie. Er sieht einen ganzen Planeten »voller Helpdesks, Computer-Feuerwehren und Support-Stations!« Das schafft in den Industrieländern viele gut bezahlte Arbeitsplätze, wie überhaupt die »Internet-Ökonomie«, doch die Schere zwischen den Reichsten und den Übrigen öffnet sich immer weiter. Die Folge wird sein, so Lanier, dass sich die Reichen mit Hilfe der Genetik intelligentere, schönere, lebensfähigere Kinder »zulegen«, das eigene Leben verlängern, vereinfachen, verschönern, dies aber der Masse vorbehalten bleibt:

»Schlechte Software wird biologische Durchbrüche wie die Quasi-Untersterblichkeit in der Zukunft nicht billig, sondern teuer machen. ... Erschwingliche Quasi-Unsterblichkeit für jedermann ist eine Forderung, die sich selbst begrenzt. Es gibt nicht genug Platz, um solches Abenteuer zu ermöglichen. Oder einfacher ausgedrückt: Wenn die Unsterblichkeit erschwinglich wird, dann werden es auch die schrecklichen biologischen Waffen in Joys Schreckensszenario. Andererseits ist eine kostenintensive Quasi-Unsterblichkeit etwas, was die Welt verkraften kann, jedenfalls für einen gewissen Zeitraum, da nur wenige Menschen davon betroffen wären. Möglicherweise wäre dieser Kreis sogar in der Lage, dieses Projekt geheim zu halten. Hier liegt auch eine letzte Ironie. Jene Eigenschaften unserer Computer, die uns heute verrückt machen und doch unsere lukrativen Arbeitsplätze sichern, sind für unsere Spezies auf lange Sicht die beste Überlebensgarantie angesichts der extremen Möglichkeitshorizonte der Technologie. Andererseits sind es dieselben ärgerlichen Qualitäten, die das einundzwanzigste Jahrhundert in ein Irrentheater verwandeln könnten, für das die Phantasien und die verzweifelten Träume der Superreichen das Drehbuch geschrieben haben.«

Diese Horrorszenarien eines Insiders und Technikpioniers gehen über das Bild vom hilfsbereiten, dienenden, problemlösenden, vielleicht gar putzigen Roboter weit hinaus. Auch über die Beschränkung auf rein maschinelle Vorstellungen: Wir haben die Verbindung von Mechanik und Elektronik längst akzeptiert, Mensch-Maschine-Systeme sind weit über das Diskussionsstadium hinaus, und auch die Verbindung mit biologischem Leben durch Implantation und Prothesen (Cyborgs, siehe auch Borg) einerseits und Gentechnik (siehe dort und auch unter Homunculus) andererseits ist schon Realität (vgl. etwa den Fachbeitrag in der »Computerwoche«: Link , eine beispielhafte Erfolgsmeldung zur Hybridtechnologie (Biochips, Biocomputer): Link oder auch den Bildbeitrag unter Link (Computer verstehen ja keine Witze, daher sollten wir sie nicht vergessen)). Nach und nach werden nicht nur die begrifflichen Unterscheidungen irrelevant, einmal wohl auch die zwischen Mensch und Maschine!

In der aktuellen Diskussion – und damit zurück zum menschenähnlichen Roboter und auch zur Diskussion um künstliche Intelligenz (siehe KI) – ist ein wesentliches Unterscheidungskriterium die Emotionsfähigkeit (dazu Link ). Für Extropier und Übermenschapostel wie Nietzsche sind Gefühle nur negativ und verwerflich, was nicht fern liegt, seit von den Vorsokratikern über Platon bis zur Ethik Kants das Gute an die Vernunft gebunden ist und Gefühle subjektiv und tierisch. Mit der Folge, dass echte Gefühle immer mehr durch wirklich »animalische« (bei den Tieren ist es doch sehr anders!) Lust ersetzt wurden: Nicht nur Big Brother, auch Pig Brother dominieren die Medien.

Durchaus philosophisch wird mit dem Emotionsproblem im Star Trek-Universum umgegangen – der Utopie einer doch möglichen Welt, die die unsere bestens reflektiert und daher im Spiegel der Möglichkeiten eine größere Rolle spielt. Denn für den Androiden Data mit seinen überragenden technischen Fähigkeiten ist die Empfindungslosigkeit, verbunden mit sozialen Folgen der Humorlosigkeit oder dem Mangel an künstlerischer Kreativität, das ständige Prüfkriterium seiner selbst (denn Selbstbewusstsein wird ihm zugebilligt).

In dem auch unter Mensch-Maschine-System zitierten, sehr empfehlenswerten Artikel von Arthur P. Schmidt »Mora-Witz – oder warum Roboter Spaß verstehen sollten« (Link ) werden einige Grundprobleme der modernen Robotik, so auch das Halte-Problem oder der »virtuelle Tod«, im großen Kontext angesprochen. Dabei wird nicht vergessen, wie wichtig Schlaf (auch ein in Star Trek aufgegriffenes Thema bei Data und z.B. bezüglich der Borg) und Unterbewusstsein sind. Gerade diese Denkformen, wie auch die mythische und die ganzheitliche der Kunst (-betrachtung) gehören zur Intelligenz.

Dennoch werden autonome intelligente Roboter bald in eine vom Menschen hervorgebrachte Situation versetzt werden, die man als Co-Evolution bezeichnen kann. Dabei wird die rein faktische und rationale Leistungsfähigkeit der Roboter bald die der Menschen übertreffen. Darauf sollten wir vorbereitet sein. Mir scheint diese Situation beherrschbar und eine Erweiterung des Möglichkeitsraums. Größte Bedenken habe ich jedoch hinsichtlich der schon heute zu beobachtenden naiv-willkürlichen Vermischungen und Grenzüberschreitungen, die nicht nur nicht kontrollierbar Neues schaffen, sondern ein hoch explosives Gemisch. Daher noch etwas zur Systematik.

Es gibt die »mechano-elektronische Linie« mit:
– Robotern als autonomen Maschinen, die den Menschen von Routinetätigkeiten entlasten, sie sind mehr oder minder »intelligent« im funktionalen Sinn. Potenziell können sie durch KI bis hin zur eigenen Evolution befähigt werden, und
– Androiden als Roboter in menschenähnlicher Gestalt,

sowie die »biotechnische Linie« mit:
– Golem, Homunculus und dem Monster des Frankenstein als mythischen bzw. literarischen Vorläufern, aus organischen Stoffen erzeugt,
– »Retortenkindern«, die aus künstlicher Befruchtung hervorgehen,
– Klonen als künstlichen eineiigen Zwillingen bzw. Viellingen,
– genmanipulierten Wesen, denen gezielt im Genom Teile entnommen oder von anderen Zellen eingefügt wurden,
Bioide (lt. Schmidt, geläufig scheint der Begriff nicht) für die Verbindung von Klontechnik und Genmanipulation, aus denen dann neuartige, beliebig vervielfältigungsfähige biologische Wesen hervorgehen. Zumeist denkt man beim Klonen wohl an diese manipulierte Lebensform, die wir von Tomaten bis zu Dollys kennen und über die eierlegende Wollmilchsau bis zur Katalogbestellung führen wird: »Das ideale Wesen für jeden Zweck: Bitte teilen Sie uns Ihre Wünsche mit!«

Körperliche Verbindungen von Mensch und Maschine sind die
– Cyborgs, also integrierte Mensch-Maschine-Systeme oder roboterähnliche Menschen aus der Kombination von Lebewesen und Kunstprodukten.

Völlig körperlos sind dagegen die
Endoliden als virtuelle Wesen in – aus unserer Sicht – Computer- oder Simulationswelten, die aber für diese »real« sind. Philosophisch betrachtet ist es nicht ausgeschlossen, dass wir solche Endoliden sind (siehe: Abenteuer).

Zur Weiterführung empfehle ich sehr die hauptsächlich aus Beiträgen von Florian Rötzer bestehende hervorragende Sammlung unter Link und eine Linksammlung des WDR (Link ). Wem das aber alles zu kompliziert ist oder gar erschreckend, der darf Roboter gern weiterhin als literarisches Produkt sehen, ohne zu vergessen, dass die Literatur oft der Realität vorausläuft oder ihr den Spiegel vorhält. Ich empfehle Isaac Asimovs »Alle Robotergeschichten«, ergänzend Roger MacBride Allen: »Isaac Asimovs Caliban. Der große neue Roboter-Roman« und einen Klick auf die Sammlung weiterer Literaturhinweise unter Link . Und bestimmt nicht unterschlagen will ich die Darstellung und die Übersicht von Jan Bernard zu Robotern in Film und Literatur unter Link .

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