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SCHEIBENWELT  
Aus einem der vielen lesenswerten »Scheibenwelt«-Romane von Terry Pratchett mit dem schönsten aller seiner Titel »Im Licht der Fantasie« wird gleich auf den ersten Seiten der Abenteuer zitiert. Auch das oktarine Licht strahlt aus Pratchetts Fantasie, die oft Fragen zu unmöglichen Antworten verbindet. Das unterscheidet ihn von Wendur, der Im Spiegel der Möglichkeiten zu unmöglichen Antworten die Fragen stellt.

Die Kosmologie einer platten Welt (Link ), die von vier riesigen Elefanten getragen wird, die wiederum auf dem Rücken der noch riesigeren Schildkröte Groß A‘ Tuin (Link oder Link ) stehen, scheint mir noch immer eine der schlüssigsten. Oder glauben Sie, dass die Erde eine Kugel ist? Dann hingen doch die Leute auf der einen Seite mit dem Kopf nach unten! Der einzige Vorteil wäre, dass der Regen die Erde nicht erreichte, denn ich hasse diesen Dauerregen! Deshalb wollte ich schon mal mit Rincewind (Link ) auf die Südhemisphäre auswandern, doch der hatte Angst, über den Scheibenrand in den luftleeren Raum zu fallen: Dabei kann der gar nicht luftleer sein, sonst könnten doch die Elefanten nicht atmen, und die Schildkröte auch nicht. Aber die Angst ist ganz typisch für diesen absolut unbegabten Chaoten und »Zaubberer« (so hat er es auf seinen Hut geschrieben, weil es ihm sonst ohnehin niemand glauben würde – und so auch nicht), und deswegen tritt er in meinem Buch auch gleich vorne auf, nach Iris‘ Angsttraum.

Danach hat er ziemlich Ruhe, was ganz in seinem Sinn ist, denn das einzige Lebensziel dieses Überlebenskünstlers und Bibliotheksgehilfen in der Unsichtbaren Universität (mit der verantwortungsvollen Aufgabe, den Orang Utan mit Bananen zu füttern) scheint zu sein, an Langeweile einzugehen. Demzufolge wird er in dieser paradoxen Welt natürlich ständig in die tollsten Abenteuer verstrickt. In die für mich schönsten zusammen mit Zweiblum (Link ), dem ersten Touristen auf der Scheibenwelt, der alles wundervoll und folkloristisch findet und die schlimmsten Situationen mit seiner Naivität und seinem Optimismus meistert. – Oder dank seiner Truhe aus intelligentem Birnbaumholz. Der müsste ich besondere Aufmerksamkeit schenken, denn es stellt sich die Frage, ob sie künstliche Intelligenz (KI) besitzt und wie es mit ihrem Gefühlsleben aussieht. Doch für diese ernsten Themen sollte man sich lieber von Pratchett wegklicken (siehe Rand – nicht der Scheibenwelt, des Textes hier: dort sind die Links).

Von den vielen Originalen der Scheibenwelt tritt bei mir noch der zahnlose Barbar Cohan auf, der natürlich eine Parodie auf Conan ist, dessen Filmverkörperung Arnold Schwarzenegger zum Weltstar machte (Link ). Obwohl ich mit scheibenförmigen magischen Dingern im Netz herumsuchte, fand ich lange keine einzige Charakterbeschreibung dieses Achtzigjährigen, der unverdrossen siebzehnjährige Jungfrauen rettet (umgekehrt würde kein Hahn danach krähen). Bis ich endlich im englischen Netz unter Link (p)fündig wurde: Dort wird nämlich eine überteuerte Miniatur (120 Pfund!) seines Heldenkörpers angeboten. Die ist aber so mickrig, dass man ihn kaum neben der geretteten und sehr üppigen (mehr als 120 Pfund) Jungfrau erkennt. Immerhin, so dachte ich, könnte das die Erklärung dafür sein, dass der Held so abgetaucht ist.

Dann suchte ich nach dem oktarinen Licht (das eigentlich nur Magier und Katzen sehen können), das bekanntlich die achte Farbe auf der Scheibenwelt ist und damit alle anderen Farben enthält (bei uns meinen die Physiker, das schaffe auch triviales Weiß: Die wissen wirklich nichts!). Denn Acht ist die magische Zahl: Der 8. Sohn eines 8. Sohnes ist automatisch ein Zauberer. Der 8. Sohn eines Zauberers ist ein Kreativer Magus. Die Zauberei ist in 8 Orden eingeteilt, es gibt 8 akademische Zaubergrade, Cohan, der ein Held und kein Zauberer ist, hat keine acht Zähne (nämlich null – zumindest bis er sich welche aus Diamant implantieren ließ), und ich, der ich weder Held noch Zauberer bin, tippe im Glücksspiel immer auf die Acht, die noch nie kam.

Damit schweife ich scheinbar ab, doch über solch eine Umwegsuche stieß ich dann zielsicher auf die Zauberer, die mich gar nicht interessierten, las, dass deren Lieblingsbeschäftigungen Rauchen, Essen, Schlafen und das Umbringen von Vorgesetzten sind und zauberte mich dann mit dem berühmten Maustrick hoch auf eine der vielen tollen Scheibenwelt-Seiten (Link ) und fand ihn dort unter »Charaktere« – ihn, meinen Helden! (Wenn ich jetzt schwärme wie eine 17jährige Jungfrau, dann nur, weil ja schließlich Iris und Elena meine geistigen Kinder sind und in mir leben und älter geworden sind.) Auch Cohan hat ja eine Tochter namens Conina, die so gern Friseuse wäre, aber auch Heldin zu sein hat. – Aber das ist eine andere Geschichte, und die wird in »Der Zauberhut« erzählt.

Nicht aus dem Hut gezaubert, sondern aus dem, was man darunter trägt, hat sich das alles der, zu dem nun endlich auch was Zauberhaftes gesagt werden muss: Der Weltenschöpfer ist der große Fantast Terry Pratchett. Der musste nach einer Vergangenheit, die man auf allen unten noch zu nennenden guten Scheibenwelt-Domains nachlesen kann – oder auch ausführlich in der Enzyklopädie der Fantasy unter Link –, zu der Zeit, als sein erster Scheibenwelt-Roman erschien (1983: »Farben der Magie«), als Pressemann eines Elektrokonzerns den Menschen die Wunder der Atomkraft verkaufen. Insofern wundert mich seine strahlende Fantasie nicht, denn da brauchte er schon Geistesblitze (oder gerade nicht, weil »sauber, billig, sicher« immer rauskommt und er somit die Fantasie in die heile Scheibenwelt investierte? – egal). Jetzt verkauft er als zurzeit meistgelesener britischer Autor (wegen der Zahl der Bücher noch vor Frau Rowling) die ausströmende Kraft seiner Fantasie, bei der selbst ein GAU willkommen ist, besonders, wenn man mit »Größter anzunehmender Unfug« übersetzt (denn den treiben seine Figuren, während ich von »Unsinn« nicht reden würde).

Unsinn wäre es, wenn ich mich hier über Pratchett und die Scheibenwelt weiter auslassen würde, denn es gibt eine größere Zahl sehr guter Pages im Netz. Neben den schon zitierten etwa von Lars Martin (Link ) über Oliver »Rincewind« Langs Seite (Link ) und die von Reyk Grunow (Link ) oder Link bis zu Link , wo man viel über Orte, Magie, Götter usw. erfährt, sollen natürlich der offizielle dt. Fanclub (Link ) und der »Scheibenwelt-Webring« (Link ) genannt werden. Romanüberblicke bieten Link sowie Chantal Keller (Link ) und Uwe Milde (Link ). In Scheibenwelt-Adventures gelangt man u.a über Link und wer an Rollenspielen teilnehmen will, sei etwa auf den genannten Fanclub verwiesen. Unter Link kann man in die Stadtwache eintreten, an Mehrspielerabenteuern teilnehmen, Karriere machen und – siehe an! – Kurzgeschichten veröffentlichen. In Teil 23 einer Fortsetzungsgeschichte, die von mehreren Autoren reihum immer weiter geschrieben wird (Link ), gibt es sogar verbale Verbindungen des oktarinen Lichts zu Star Trek. Unter Link fand ich ein Interview mit Pratchett, das man ergänzen kann mit Link und den Erlebnissen von seinen Lesungen unter Link . Selber reden kann man im Diskussionsforum unter Link . Und selbst lesen sollte man »Die Gelehrten der Scheibenwelt« von Pratchett, Steward und Cohen, denn diese Gelehrten verfolgen die vermeintliche Geschichte der Rundwelt (die die unsere ist) vom Urknall bis zum Internet. Leider tun sie (die beiden Physiker als eigentliche Autoren) es sehr trocken und beschreibend und wenig die (physikalische) Naturwissenschaft verlassend. Pratchett liefert nur eine schwache Rahmenhandlung. Daher ist das Ganze nicht aus einem Guss und längst nicht so vielfältig und spannend wie Im Spiegel der Möglichkeiten. Aber ich darf nicht kritisieren und sage es deshalb anders: Auch bei Pratchett und Co. läuft unter anderem Schrödingers Katze herum, doch der tote Teil, und bei mir der lebendige!

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