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SPIEGEL  
»Allerdings gibt uns dieser Spiegel weder Wissen noch Wahrheit. Es gab Menschen, die vor diesem Spiegel dahingeschmolzen sind, entzückt von dem, was sie sahen, und andere sind wahnsinnig geworden, weil sie nicht mehr wussten, ob ihnen der Spiegel etwas Wirkliches oder auch nur etwas Mögliches zeigte«, erklärt der Leiter der Zauberschule, Albus Dumbledore, seinem Schüler Harry Potter. Er bezieht sich auf den Wunderspiegel Nerhegeb, in dem jeder etwas anderes sieht. Doch auch der Zwinkerspiegel aus Sofies Welt, der in der Philosophen- (und Zauber-) Schule von Ureda auftaucht, birgt seine Wunder. Und der Spiegel der Möglichkeiten spiegelt ständig Wirkliches und Mögliches, spielt mit Fantasie und Realität, lässt Jugendliche hineinsehen und Erwachsene zurückblicken.

Wer in den Spiegel sieht, hat Möglichkeiten: vom Augen-Verschließen über Sich-Vorgaukeln, sich studieren, erkennen, annehmen bis zu der, alle anderen davon überzeugen zu wollen, dass sie genau das im Spiegel sehen, was man selbst sieht (obwohl doch jeder, nicht nur im Nerhegeb, etwas anderes sieht und sehen darf), oder gar, den Spiegel zu zerschmettern. Nur: In jedem Splitter spiegelt sich dann noch immer das Ganze, das nie in Stücke geht.

Das Spiegelmotiv ist das der (Selbst-) Erkenntnis und taucht in so vielen literarischen Werken und auch wissenschaftlichen Schriften auf, dass ich gar nicht erst versuchen will, einen Überblick zu geben. Die Abenteuer der Mädchen Iris und Elena sind ein ständiger realer und virtueller Spiegelungsprozess - was ja auch im Titel des Buches zu Ausdruck kommt -, so dass ich sie hier nacherzählen müsste, was ich mit dem Hinweis auf einen gern gesehenen Besuch im Turmzimmer (im Navigationsteil links auf dieser Seite) unterlasse.

Ich beschränke mich vielmehr auf einen Aspekt mit zwei Seiten (wie sonst könnte eine Spiegelung entstehen?): Es ist selbstverständlich, dass sich jeder Mensch in anderen Menschen spiegelt, nicht zuletzt in deren Annahme oder Ablehnung. Doch er spiegelt sich ebenso in der Natur oder – rückkoppelnd – in dem Bild, das er sich von der Natur macht. Die Natur tritt uns aber nicht im verbalen, im logischen, im argumentativen Diskurs gegenüber und auch nicht als formalisiertes Ergebnis physikalischer und chemischer Analysen. Sie ist vielmehr unmittelbar erlebbare Ganzheit, die wir deshalb so unmittelbar erleben können, weil wir Teil (»von ihr« wäre eine trennende Formulierung) sind. Und eine im Kern innere Spiegelung durch bewusstes Schaffen eines Glieds als »Gegenüber« mag auch die ganze Evolution als Prozess eines göttlichen Werdens sein, ausgelöst durch Aufgabe der Allmacht und Vollkommenheit und vollendet, wenn das Göttliche geworden ist, wie es im Buch romanhaft skizziert wird.

Um die Spiegelung der Spiegelung nicht zu verzerren, wird hier (als einzigem Stichwort dieses Spiegel-ABCs) auf Linkangaben verzichtet. Ausser auf den zum Magazin »Der Spiegel« – denn dieser Spiegel brachte ja eine sehr lobende Rezension zu meinem philosophischen Spiegel Link .


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