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STÄDTE der ZUFLUCHT  
Rom, Noli bei Genua, Venedig, Genf, Toulouse, Paris, London, Wittenberg, Prag, Helmstedt, Frankfurt a.M., Zürich, Venedig sind die wichtigsten Stationen der (Zu-) Flucht und des Wirkens des Nolaners Giordano Bruno. Soweit die genannten Städte nicht auf Grund weiterer Erwähnungen ohnehin im Spiegel-ABC behandelt werden, sollen sie hier mit einigen touristischen, typischen und vielleicht auch untypischen Hinweisen und Links berücksichtigt werden.

Die Reihenfolge der Nennung ist chronologisch, jedoch vereinfacht, weil Bruno einige Stationen zweimal für jeweils längere Zeit aufsuchte (vgl auch Link ). Eine noch stärker vereinfachte, doch schön illustrierte Reihenfolge gibt Wolfgang Wildgen mit seinen Ausstellungstafeln unter Link .

Ausgangspunkt der Flucht war 1576 im weiteren Sinn Neapel, denn hier war der damals Achtundzwanzigjährige der Ketzerei beschuldigt worden, im engeren Sinn aber Rom, wohin er ging, weil er eigentlich auf päpstliches Verständnis oder zumindest Gnade hoffte. In Rom kam die Verfolgung durch die Inquisition 1600 auch zum tödlichen Ende. Diese Flucht-Schleife soll hier nur der Orientierung dienen, denn es geht nicht um Brunos Geschichte, die etwa bei Ulbrich & Wolfram im Zentrum steht, sondern um diese Städte. Und zum Reiseführer will ich den verfolgten Exmönch und Philosophen nicht machen, denn er soll weiterhin Im Spiegel der Möglichkeiten durch die unendlichen Weiten seines Kosmos und der Fantasie reisen.

Noli an der Ligurischen Küste war die ehemals kleinste Seerepublik in relativ hoffnungsloser Konkurrenz zum benachbarten Genua. Hier überwinterte Bruno, weil ihm der Schnee im November die Weiterreise verwehrte, arbeitete als Hauslehrer und schrieb. Das Städtchen Noli hat viel von seiner Geschichte und Eigenart bewahrt. Sucht man nach guten Seiten im Netz, drängt sich aber »Noli me tangere« auf: Man will wohl die relative Ruhe, die Bruno schützte, nicht den deutschen Touristen opfern, denn eine deutsche Page fand ich überhaupt nicht und auch mit Englisch war es nicht weit her. Eigentlich sympathisch! Daher in Italiano: Link mit einem Bilderalbum, das alle Augensprachen der Welt spricht.

Genua ist nur ins Spiegel-ABC gerutscht, damit man Noli leichter findet und es so protzig im Zentrum der Ligurischen Küste und zwischen Bergen und Meer liegt, dass man an dieser alten und auch heute sehr aktiven Hafenstadt nicht vorbeikommt. Es wäre aber ungerecht, jetzt auf diese Stadt das Augenmerk zu richten. Darum soll sie nur Ausgangspunkt für eine schöne und zunächst virtuelle Wanderung sein: Und zwar weg von Noli, damit die ihre Ruhe haben, und die Cinque Terre entlang nach La Spezia: Link . Andreas Pawelz hat diese tolle Page mit Infos, Links, sehr schönen Bildern, gutem Text und viel Liebe ins Netz gebracht. Bruno wanderte etwas anders: im Frühjahr über Turin in die freie Stadt Venedig, und verließ dann doch im Herbst Italien über die Alpen.

Genf, die Stadt der Calvinisten, schien Sicherheit vor der Verfolgung durch die Inquisition zu bieten, erwies sich aber trotz (oder wegen) des Übertritts zu diesem Glauben – der, nebenbei bemerkt, um ein paar Ecken herum zur Basis des amerikanischen Kapitalismus wurde (siehe: Kapitalismus) – als nicht gerade offen für einen weitsichtigen Denker, dessen philosophische Abenteuer daher bald in der bekanntlich engen Sicht einer Zelle endeten, was ihn dennoch nicht zur diktierten Einsicht brachte. Heutzutage herrscht große Freiheit in Genf, speziell in der Europäischen Kernforschungsanlage CERN (Link , Link , Link ), denn im Reich der Quanten wohnt die Freiheit einer somit nicht determinierten Natur, die in meinen Abenteuern eines der Themen ist. Ein anderes ist das Internet, in dem wir gerade so schön sind und das auch nur Dank CERN funktioniert: Um 1990 entwickelte man – speziell Tim Barners-Lee – das Konzept der Verweise (Hyperlinks) und das Internet-Protokoll: HTTP (HyperText Transfer Protocol). Ein Werkstudent namens Marc Andreessen stellte ein Programm »Mosaic« zur Verfügung, das er Blätterer (Browser) nannte. Andere motivierten ihn, das zuerst kostenlos erhältliche Programm zu vermarkten. Netscape entstand, und der Student war bald Multidollarmillionär: Man sieht, ohne den amerikanischen Kapitalismus wäre nie so rasch das Weltnetz entstanden. – So schließt sich ein Kreis von Genf nach Genf. Eingeschlossen soll aber auch ein Touristenlink sein: Link .

Toulouse, das Bruno über Zwischenstopps in Lyon (Link ), Avignon (Link ) und Verhaftung in Montpellier (Link ) 1580 erreicht und wo er den Grad eines Magister Artium erwirbt, dann sogar Professor wird, aber nicht lange bleiben kann, weil seine Exkommunikation nicht rückgängig gemacht wird, ist mir nur aus dem Englischunterricht bekannt: Two to Toulouse. Ich weiß so ungefähr, dass die Stadt recht groß ist und in Südfrankreich nahe bei Spanien liegt. Dann denke ich noch an Raumfahrt und auch die Concorde, die wieder einmal bewies, dass Technik nie vollkommen ist. Das ist nicht viel, so dass ich lieber schweige, nur mit Link diene und meine letzte Gedankenverbindung mitteile: Toulouse-Lautrec war Nachkomme des Grafen von Toulouse. Zu ihm gibt es Infos unter Link , zu »seinem« Museum unter Link und eine Biographie, Links und viele Bilder unter Link .

Paris (siehe eigenes Stichwort) wird für Jahre seine Heimat und die Stadt, in der er anerkannt, ja königlich geehrt wird. Er lehrt an der Universität, an der Schon Albertus Magnus Triumphe feierte, über dessen Schüler Thomas von Aquin, über (und gegen) Aristoteles, schreibt viel, reist offiziell nach

London (siehe eigenes Stichwort), will an die Universität Oxford (Link ) und wird nach seinem Vortrag über das kopernikanische Weltbild mit Schimpf und Schande verjagt. In London schreibt er fleißig, geht nach Paris zurück und wird dann auch dort wegen seiner Gegenthesen zu Aristoteles verjagt. So ist er 1586 wieder auf der Flucht, die ihn über Metz (Link ) nach Trier (der heutigen Partnerstadt: Link ) und die Mosel entlang führt, durch den Heimatort des Nikolaus von Kues (Link ), mit dessen Werk er sich eingehend befasst hatte, nach Mainz (Link ). Nach zwölf Tagen geht es weiter, ohne in Wiesbaden (Link ) oder Marburg (Link ) Fuß fassen zu können, nach

Wittenberg, die Luther-Stadt. Dort erhält er eine außerordentliche Professur. Doch auch dieser Aufenthalt währt nur anderthalb Jahre, denn nach dem Tod des Kurfürsten Albrecht von Sachsen übernimmt der Sohn Christian die Macht, der Anhänger des Calvinismus ist: Brunos Schriften kommen auf den Index. Nicht auf dem Index steht zum Glück die sehr gute Stadtpage Link , die sogar auf Bruno eingeht. Da der Reformator Luther nur kurz im Spiegel der Möglichkeiten auftritt, gibt es etwas mehr zur Stadt unter dessen Namen und Infos zur Region Wittenberg unter Link .

Prag passte zu Bruno, der das geozentrische Weltbild verwarf, denn es ist auch die Stadt von Tycho Brahe, dem großen und fleißigen Astronomen und Lehrer Keplers, der in Wittenberg studiert hatte (siehe Link bzw. Link , die Kurzbiografie unter Link und mehr auf der informativen Website des St.-Michaels-Gymnasium Metten unter Link sowie über die Linkksammlung: Link ). Brahe beobachtete u.a. eine Supernova im Sternbild der Kassiopeia, was eine Quervernetzung zu diesem doppelsinnigen Stichwort ermöglicht. Doch wir sind in Prag, und Sie wollen sich vielleicht die Tourismusinfos unter Link erschließen, virtuell die Sehenswürdigkeiten in Text und Bild erleben (Link ) oder auch etwas individueller einige Kleinode erkunden: Link . Die Kunde von Brunos Aufenthalt in Prag, einer katholischen Stadt, erreicht natürlich die Inquisition, und so findet man Brunos Name nur zehn Monate später im Matrikel der Universität

Helmstedt, einer Stadt, die uns wohl weit stärker als Zonenkontrollpunkt bei Braunschweig (Link ) in Erinnerung ist denn als alte Universitätsstadt. Deswegen sollte man die bessere Erinnerung auffrischen durch einen realen oder virtuellen Besuch der Stadt (Link u.a. mit Videos) und des Landkreises: Link . Und als bemerkenswerte Besonderheit verweise ich auf eine Seite der Klasse 10b der Beireis-Realschule, die sich mit den neuen und alten Literaten der Stadt beschäftigt: Link . Natürlich fehlt auch Goethe nicht, der Meister der erotischen, wissenschaftlichen und philosophischen Abenteuer. Nach vier Monaten stirbt sein Gönner, Herzog Julius. Bruno hält die Trauerrede, doch bald danach der Superintendant Heinrich Boethius eine Geiselrede auf den inzwischen längst evangelischen Bruno, den er exkommuniziert.

Frankfurt, die freie Reichs- und – bis heute – Buchstadt (damals v.a. durch das Verlagshaus Johann Wechsel und Peter Fischer) ist der nächste Aufenthaltsort, um seine Schriften zu publizieren. Heute kommt man über den Link zur Frankfurter Buchmesse (Link ) manchmal auch zu einem Titel von und über Bruno und auch zu Infos über die Finanzmetropole. Und auf der Messe selbst kann man Kontakte knüpfen, etwa mit der edition tertium (Link ) oder, wie es Bruno auf der Septembermesse tat, mit dem Venezianer Ciotto und dem venezianischen Buchhändler Giacomo Bertano (der eigentlich Jacobus Britanus hieß und aus Antwerpen stammte), der ihn geradezu umwarb: Venedig, die freie und romunabhängige Metropole, war eine noch berühmtere Verlagsstadt. Bruno ist hin- und hergerissen, weiß nicht, ob er es wagen soll, wieder nach Italien zu gehen. Plötzlich wird ihm in Frankfurt die Aufenthaltserlaubnis entzogen, er taucht unversehens in

Zürich auf, ebenfalls einer Stadt des Buches und des Geldes, wohnt auf Schloß Egg (heutige Gemeinde: Link ), dem Herrensitz der Hainzells, hält offensichtlich in der Stadt (zu dieser: Link ) Vorträge, ist dann aber wieder wegen des Drucks der Bücher in Frankfurt, folgt schließlich offenbar dem Werben der Venezianer, die ihm beim adligen Giovanni Mocenigo Unterkunft und Arbeit bieten.

Venedig (siehe eigenes Stichwort): Die südliche Sonne lockt! Im September 1591 bewirbt er sich an der berühmten und freien venezianischen Universität zu Padua (Link ), ohne Erfolg. Zurück in den Palast Mocengio, der ihm zur Falle wird: Verraten an die Inquisition, beginnt am 25. Mai 1592 der erste Prozess in der Stadt, bei dem es um die Frage der Auslieferung geht. Bruno setzt auf philosophische Argumente, wohl wissend, dass Venedig nicht unter der Kirchenmacht steht. Tatsächlich endet am 19. Februar 1593 der Gang über die Seufzerbrücke (Link , dann links oben) zwischen Verhör und Gefängnis, durch dessen Fenster ihm für beinahe ein Jahr das einzige Licht der südlichen Sonne aufblitzt. Doch nur, um ihn auszuliefern nach

Rom (siehe eigenes Stichwort). Am 27. Februar 1593 wird er erneut in die Finsternis einer feuchten Kellerzelle unter der Engelsburg (Link ) gestoßen, in der er sieben Jahre vegetiert, bis er am 17. Februar 1600 im Licht des Scheiterhaufens auf dem Campo dei Fiori (siehe dort) verbrennt und zuvor noch ausstößt: »Mit größerer Furcht verkündet ihr vielleicht das Urteil, als ich es entgegennehme!« Zwei Tage danach stand in der »Avisi di Roma« zu lesen: »Der abscheuliche Dominikanerbruder von Nola ... wurde am Donnerstag Morgen auf dem Campo dei Fiori bei lebendigem Leibe verbrannt. Er war ein ungemein halsstarriger Ketzer, der aus seiner eigenen Eingebung verschiedene Dogmen gegen unseren Glauben fabrizierte, besonders aber gegen die heilige Jungfrau und andere Heilige. ... Er sagte sogar, dass er gerne und als Märtyrer sterben werde und dass seine Seele in den Flammen zum Paradies aufsteigen werde. Jetzt wird er wohl wissen, ob er die Wahrheit gesagt hat.« (zitiert aus Link )

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