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SUCHMASCHINE  
Eine Suchmaschine, um meinen zurzeit vermissten Büroschlüssel zu finden, wäre super! Leider gibt es so ein wirklich funktionierendes Ding in der physischen Welt zur Suche physischer Dinge nicht. In der virtuellen Welt des Internets – einem Möglichkeitsraum, reflektiert auch Im Spiegel der Möglichkeiten – aber ist sie das Schwungrad einer Riesenmaschinerie, das mich in Sekundenschnelle weltweit auf mir völlig unbekannte Server und dort auf Texte, Bilder, Filme, Musiktitel, Programme, Daten und all das zugreifen lässt, dem eine Eigenschaft gemeinsam ist: Es ist unphysisch, es »existiert« im eigentlichen Sinn nicht, kann nicht vermessen, gewogen, chemisch oder physikalisch bestimmt werden. Das ist paradox, denn seit Menschengedenken ergreifen wir Materielles mit der Hand, während Nichtmaterielles immer unbegreiflich blieb, auch wenn wir Begriffe dafür gefunden haben: Geist, Seele, Idee, Vorstellung, Fantasie, Information oder auch Gott.

Doch allerspätestens seit Descartes den Menschen als das »denkende Ding« definierte, das gar nicht zur Natur gehört, nur in einem Kerker namens Körper gefangen ist, nehmen wir derartige Kuriosa kaum mehr war (auch nicht, dass wir umso mehr dem Körperkult verfallen sind), überwinden per Mausklick Raum und Zeit und Materie, dringen in die niedergelegten Gedanken uns fremder Menschen ein, nutzen sie völlig selbstverständlich, machen sie zu Teilen unserer geistigen Innenwelt und geben sie vielleicht ebenso selbstverständlich zurück: eigentlich das ökologische Grundprinzip des Austauschs offener Systeme, die sich ja nur so erhalten können. – Und tatsächlich könnte sich kein denkendes Ding ohne diese mit dem Internet gigantisch gesteigerte Reflexionsmöglichkeit als denkend erhalten, geschweige denn erkennen.

Aber jetzt bin ich wirklich weit von den Suchmaschinen abgekommen, die unsere Begrenzungen zumindest auf der Suche nach Internetinhalten geradezu gesprengt haben. Um sie zu verstehen, hilft eine Page mit dem Namen >Suchmaschinen-verstehen< Link , die von der Historie bis zu Spezialitäten der Abfragesyntax wirklich vieles bietet. Das gilt noch ausgeprägter für den Beitrag von Peter Götz unter Link . Hier erfährt man, wie auch in der guten »Suchfibel« Link , dass es sich natürlich im Kern um riesige Datenbanken handelt, in denen zu den Suchbegriffen die Links auf die Fundstellen eingetragen sind. Zu unterscheiden sind drei Kategorien:

– Bei den »Katalogsystemen« arbeiten Redaktionsteams, die angemeldete und teils von den Bearbeitern recherchierte Homepages »per Hand« verschlagworten und katalogisieren, so wie es im Prinzip die Bibliothekare tun. So arbeiten etwa Yahoo Link und Web.de Link .

– Bei den »echten« Suchmaschinen durchwandern Programme (Agenten oder Suchroboter) Tag und Nacht das Netz und suchen Begriffe und die zugehörigen URLs (siehe unter Server), so etwa bei Alta Vista Link , HotBot Link oder Google Link .

– Neben Hybridsystemen, also Mischungen beider Formen (Alta Vista und Yahoo kooperieren z.B.), gibt es als dritte Form die Meta-Suchmaschinen, die ganz clever sind oder Fleischfressern gleichen. Sie produzieren die Grundnahrung nicht selbst, sondern durchsuchen die Datenbestände der anderen Suchmaschinen, wie etwa MetaGer Link .

Nun könnte man meinen, mit so einer Metamaschine wären alle Suchprobleme gelöst, und wundert sich ohnehin, dass es Tausende von Suchmaschinen gibt. Doch einerseits schafft es kaum eine Maschine, auch nur 20% der möglichen Funde aufzuspüren – es sind eben Such- und nicht Findemaschinen –, zum andern suchen sie unterschiedlich tief (ganze Texte oder z.B. nur Überschriften), unterschiedlich oft (Aktualität), sind spezialisiert (regional oder thematisch) oder bieten unterschiedliche Abfragestandards.

Daher sind Tutorials, wie das von Bernard Bekavac unter Link , sehr zu empfehlen. Einen Überblick über die deutschsprachigen Suchmaschinen mit kurzem tabellarischen Vergleich gibt Link , mit kurzen Kommentaren Link . Portale im Bereich Suchmaschinen sind zu finden etwa unter Link oder Link . Hier erfährt man auch, wie Rankings zustande kommen, wie man sich selbst anmeldet u.ä. In diesem Zusammenhang sind auch folgende Seiten nützlich, bis hin zur Abfrage, von welchen Maschinen die eigene Page gefunden wurde: Link Link und Link .

Auf einige speziellere Themenbereiche und Dienste verweist die Suchmaschinensammlung Link . Nützlich und von allgemeinem Interesse scheinen mir die Suchmaschine für Kinder Link , für E-Mail-Adressen Link , die jedoch prinzipiell sehr lückenhaft sind, weil üblicherweise Anmeldungen vorausgesetzt werden, für Telefonnummern Link , Postleitzahlen Link und die Liste der Bilder-Suchmaschinen unter Link zu sein.

Bei den thematisch spezialisierten Maschinen ist das Spektrum sehr vielfältig und soll hier – zumal die Themen des Buches in Ureda gesondert behandelt werden – nicht ausgebreitet werden. Denn vergessen darf man bei all den schönen Suchereien nicht, dass man zumeist Unmengen an Hinweisen bekommt, von denen nur ein Bruchteil dem eigenen Zweck dient. Suchmaschinen karren gewaltige Quantitäten heran, verdecken oft sogar die Qualität, weil man nach dem 80. Klick auf Uninteressantes die sprichwörtliche Nase voll hat. Daher sind gute Linksammlungen, wie beispielsweise für viele Wissenschaften unter Link , oft der bessere Weg.

Die Schwestern Iris und Elena finden übrigens Im Spiegel der Möglichkeiten ihren einzigen Treffer mit einer meiner Lieblingsmaschine -- neben den damals noch gar nicht existenten Google Link , geschweige denn Teoma Link --, nämlich der guten alten MetaGer der Uni Hannover Link . Nicht, weil die so wenig bringt, sondern weil die Mädchen ganz richtig eine String-Suche machen und zu dieser Eingabe tatsächlich nicht viel zu holen war und wohl auch noch nicht ist. Über den angezeigten Link finden sie letztlich nach Ureda und verlieren sich zunehmend in der Virtualität, obwohl der Kontakt doch zu einem offensichtlich real existierenden Menschen führt. Aus der Virtualität geht sogar eine neue Realität, zumindest eine Parallelwelt, hervor. Führt das Überschreiten der Grenze zwischen virtueller und realer Welt sogar zum teilweisen Austausch? Ja, denn natürlich (und dieses Wort steht hier bewusst) muss der Austausch sein, wenn wir die Offenheit der Systeme als Grundprinzip nehmen und sie nicht dort enden lassen, wo unsere derzeitige Erkenntnisfähigkeit endet: Der Horizont unseres »Begreifens«, um auf die Eingangsformulierung zurückzukommen, muss nicht die Grenze des Seins markieren.


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