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GALILEI, Galileo  
blickt recht intensiv aus dem Spiegel der Möglichkeiten: zum einen, weil er mit seinen Experimenten und dem Vorhaben, die Natur messbar zu machen (ihr die Qualitäten zu nehmen, um sie in Quantitäten zu handhaben), ein wichtiger Wegbereiter der modernen Naturwissenschaft und Weltanschauung ist; zum andern, weil er für diese Zeitenwende, die man die kopernikanische Wende nennt, geradezu symbolisch steht:

Der sich vom naiven Glauben und kirchlichen Dogmatismus befreiende Mensch der Renaissance wird von der systemerhaltenden Inquisition in die Schranken verwiesen, kapituliert und schwört ab. Bertolt Brecht (zu diesem ganz kurz unter Link und mehr beim Stichwort Sokrates) legt ihm zwar das trotzige »Und sie bewegt sich doch!« in den Mund (dazu tolle Unterrichtsmaterialien von Klaus Dautel unter Link und Link , eine Rezension aus der empfehlenswerten Literaturseite von Dieter Wunderlich Link sowie für CD-Liebhaber Link ), weil er aus dem Rückblick der Geschichte weiß, dass letztlich Galilei und die empirische Naturwissenschaft als Sieger hervorgingen. Inzwischen ist Galileo Galilei sogar von der Kirche rehabilitiert (diesbezügliche Ansprache des Papstes unter Link und zur »Vorgeschichte« unter Link ), im Gegensatz zu Giordano Bruno, der nicht abschwor und für seine weitergehende Lehre auf dem Scheiterhaufen starb.

Galilei und Bruno, die zeitgleich die schon rund zweihundert Jahre v.Chr. von Aristarch in Alexandria aufgestellte heliozentrische Theorie vertraten, die Kopernikus 1543 neu formulierte und von Keplers Berechnungen der Planetenbahnen bestätigt wurde, stehen – auch mit ihren Schicksalen – für diese Zeitenwende, doch als Wegweiser in verschiedene Richtungen: Galilei führte Experimente ein, rechnete, abstrahierte, legte die Basis für Newton und seine Naturgesetze, widerlegte mit seinen »Fallgesetzen« Link die Mechanik des Aristoteles und stieß diesen damit vom Thron (ergänzend: »Von Aristoteles zu Galilei« von Ulrich Leininger unter Link ). Erst seit Galilei ist von Naturwissenschaft zu sprechen, zuvor von Naturphilosophie, von Physik statt Metaphysik. Versuche, statistische Berechnungen, mathematische Regeln, Reduktion und Eliminierung der Qualität müssen aber Eigenart und Individualität vernachlässigen, ja abwerten und schlecht machen. Galilei stellte der Natur Rechenaufgaben und erhielt Lösungen, die für Vorhersagen und technische Nutzung brauchbar wurden. Freiheit und Zufall wurden aus der Natur verbannt. Die »Sprache der Natur« wurde entschlüsselt mit dem Ziel, ihr Befehle zu geben.

Bruno ging gedanklich weiter, doch eben nicht als Mechaniker, sondern weiterhin als Denker, wiederum als Metaphysiker: nicht Trennung, sondern Ganzheit, nicht mathematische Formel, sondern dichteriches Bild, nicht nur Quantität, sondern auch und gerade Qualität, nicht Frage nach dem Zweck, sondern nach dem Sinn. Naturwissenschaft war für ihn, wie etwa auch für Goethe, der diesen »weichen« Ansatz steigerte Link , ein Weg der Erkenntnis, zu der man nicht kommt, wenn man »die Natur auf die Folter spannt«. Bezeichnenderweise war Bruno der Konsequentere, schwor nicht um des persönlichen Vorteils willen ab wie der berechnende Naturwissenschaftler und gilt noch immer als Feind der Kirche. Die Lehren von Galilei, Newton & Co. wurden aber im Nachhinein als Stützen eines logisch denkenden, naturwissenschaftlich rechnenden Schöpfergottes eingezogen, die nunmehr, da der Schlussstein aus der Kuppel zu fallen droht, das Gebäude nicht mehr lange tragen können. (Wenn in den Abenteuern mit dem Rubicon-Effekt Galilei durch Bruno und Newton durch Goethe ersetzt werden sollen, so deswegen, um eine neue, weniger harte, damit aber erdbebensicherere Konstruktion einzuziehen).

Zu Galilei (1564 - 1642), der sich selbst in der Tradition des Euklid sah und auch in der von Anaxagoras und Demokrit gesehen werden kann, ist – wie gesagt – Im Spiegel der Möglichkeiten vieles gesagt, zudem manches unter anderen Stichwörtern hier im Spiegel-ABC und noch vieles mehr in der Literatur Link und im Netz. Ich verweise stellvertretend auf das Schulnetz Link , die informative Schulpage des Galilei-Gymnasiums Hamm Link und die von C. Wolfseher zusammengestellte Galerie berühmter Physiker auf der Page des Katharinen-Gymnasiums Ingolstadt Link .

Ingolstadt Link und Link ist insofern interessant, weil dort Galileis Widersacher wirkte, der Jesuit Christoph Scheiner (Link , Link und Link ), was man u. a. auf der Galilei-Seite der ETH Zürich mit virtueller Ausstellung, Links und vielem mehr erfährt: Link . Interessant sind auch die Galilei-Legenden bzw. deren Entmystifizierung unter Link von Thomas Schirrmacher und die vom Brecht-Stück »Das Leben des Galilei« ausgehende hervorragende Seite, u.a. mit historischem Hintergrund, von der Zentrale für Unterrichtsmedien unter Link . Als Ergänzung zum Thema Kirche und Naturwissenschaft zur Zeit der koperikanischen Wende verweise ich auf Link und zum Schluss noch auf Link , die Galilei-Seite von »Martins Starworld«, die in beispielhafter Weise astronomische Sachinformation mit Sciencefiction, u.a. Star Trek, verbindet: Diesbezüglich hätten bestimmt weder Bruno noch Galilei Probleme gehabt, dafür waren sie viel zu neugierig und aufgeschlossen.



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