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LEBEN  
»Jedes Lebewesen ist ein offenes und dynamisches System in ständigen Wechselwirkungen mit der Umwelt: Energie pumpend, im steten Fluss, zeitgerichtet, geht aus anderen Lebewesen hervor, passt sich an, verändert aktiv seine Umwelt, pflanzt sich fort ...«, versucht Wendur Im Spiegel der Möglichkeiten Elenas Frage anzugehen, die nach ihrem Todeserlebnis wissen will, was Leben ist.

Doch sie fällt ihm ins Wort: »Stopp! Ich habe nicht nach Lebewesen, sondern Leben gefragt. Schummel dich nicht wieder durch!« Er versucht es neu mit: »Das Leben auf dieser Erde hat eine universelle Sprache. Sie ist eingeschrieben in die Nukleinsäuren, ins Erbgut aller Lebewesen. Diese Sprache, die Information, ist wesentlich. Sie ist geschrieben wie eine Perlenkette, denn alle Moleküle sind wie auf einen Faden aufgereiht, sind ...«, wird aber erneut unterbrochen: »Bekannt! Wieder Beschreibung statt Erklärung. Das ist nicht, was ich hören will!«

Was sie hören will sind – wie gesagt – Deutungen, Erklärungen, sinngebende Antworten. Die aber kann nicht die Biologie geben, nicht Systemtheorie, Kybernetik, überhaupt nicht die Wissenschaft, so interessant Abhandlungen wie die von Bernhard Harrer unter Link sind. In der Philosophie, Metaphysik und Religion sucht man die Erklärung »hinter« dem Leben, spricht gern von Lebenskraft oder Seele und kommt auch nicht unbedingt zu Antworten, vielleicht aber zu einer Sinngebung.

Wendur verärgert die Mädchen, weil er es mit Lexikondefinitionen versucht. Diese Passage will ich wiederholen. Nicht um Sie zu ärgern, sondern weil wir hier in einer Art Lexikon sind. Denn letztlich kann man keine Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest geben (außer vielleicht die Antwort 42, siehe dort), so dass man sich in mehrere flüchten muss. Zumindest belegt das, dass Leben etwas sehr, sehr Komplexes und Großartiges ist. Nur uns scheint es im Alltag so selbstverständlich, dass wir ihm auf dem blauen Planeten zunehmend die Basis entziehen, unbelebte Technik vorziehen, die höchste uns bekannte Lebensform Mensch überwinden wollen (vgl. u.a. Extropier) und diese eventuelle Einmaligkeit im ganzen Universum zur Nullmaligkeit machen. Also:

»1.: Für die materialistischen Monisten gibt es zwischen Leben und Tod keinen prinzipiellen Unterschied. Leben besteht nur aus einer komplexen, geordneten Verbindung gleichartiger Komponenten. Wird diese Verbindung unterbrochen, tritt der Tod ein, und die Komponenten setzen sich neu zusammen. Die Vorstellung einer persönlichen Unsterblichkeit des Menschen, das heißt einer Fortsetzung individueller Existenz nach dem Augenblick des Todes, ist nach dieser Auffassung sinnlos.
2.: Die übrigen philosophischen Auffassungen setzen zumeist zwischen Leben und Tod eine prinzipielle Differenz. So stellt Aristoteles das Leben der leblosen Materie gegenüber und bestimmt es als Entelechie, als etwas, das seinen Zweck in sich selbst trägt ( Link und Link ). Alles Lebendige – Pflanzen, Tiere und Menschen – ist beseelt, besitzt eine Seele. Sie macht die Form des Körpers aus, sodass der Körper stirbt, wenn die Seele ihn verlässt. Umgekehrt besteht die Seele nur darin, Form des Körpers zu sein. Somit kann es nach Aristoteles keine individuelle, aber den Körper überdauernde Seele geben.
3.: Andere Philosophen stimmen Aristoteles zu, dass Leben eine Vereinigung von Leib und Seele voraussetzt, nehmen aber gleichwohl die Möglichkeit individueller Unsterblichkeit an. Sie lässt sich entweder als Seelenwanderung (Link , Link und Literatur unter Link ; siehe auch Reinkarnation) deuten, bei der sich die Seele mit Eintritt des Todes mit einem anderen Körper verbindet, oder als Neuschöpfung der ursprünglichen Leib-Seele-Einheit – zum Beispiel in der christlichen Formel von der Auferstehung des Leibes. Doch wird in beiden Fällen der Begriff der Seele anders verstanden als bei Aristoteles.
4.: Streng dualistische Philosophien behaupten, Seele – womit in erster Linie Bewusstsein oder das Bewusstseinsprinzip gemeint ist – und Leib, das heißt hier meistens ausgedehnte Natur, könnten unabhängig voneinander existieren. Diese Meinung ist unter anderem in der christlichen Philosophie zu finden; aus ihr stammt die im Christentum gängige, aber kaum biblische Rede vom Weiterleben der Seele nach dem Tod.
5.: Der cartesische Dualismus von Subjekt und Objekt wird im deutschen Idealismus wiederum kritisiert, und zwar auf Grund des Lebens-Begriffs. Nach Hegel gibt es Bewusstsein nur in einem Kommunikationsverhältnis mit anderem Bewusstsein, mit dem es zusammenlebt. Leben umfasst also Bewusstsein. Das Gemeinsame allen Lebens besteht darin, dass die Teile nur existieren, wenn das Ganze existiert – und umgekehrt. So muss der lebendige Organismus vom bloßen Aggregat unterschieden werden, als das die einzelnen Teile unabhängig vom Ganzen existieren können. Das Selbstbewusstsein entsteht also für Hegel aus dem Leben, während Kant im Gegenteil behauptet hat, Selbstbewusstsein sei für das Leben konstitutiv. Nur das überindividuelle Leben erreicht nach Hegel die Unsterblichkeit; das einzelne Individuum aber hört im Augenblick des Todes endgültig zu leben auf.«

Die kritischen Schwestern in den Abenteuern bleiben unzufrieden, so dass der Lehrer es noch einmal anders versucht: »Dann ist die wohl wichtigste Eigenschaft, dass die Erscheinungsformen und Veränderungen aller unbelebten Dinge durch äußere Kräfte bedingt sind, die der lebenden Formen jedoch aus inneren Kräften stammen. Diese Selbstbestimmung, Selbstentwicklung und Selbsterhaltung setzt sich sogar gegen die Einwirkungen durch. Das ist das sicherste Unterscheidungskriterium zu jeder noch so raffinierten Maschine, die von äußeren Kräften geschaffen wurde und von ihnen erhalten werden muss.«
»Also ist Leben wesentlich durch sich selbst?«
»Ja, und jedes lebendige Ding kann das Programm weitervererben, mit dem es sich selbst baut und erhält. Deswegen wollte ich von der Information sprechen.«
»Doch will ich nicht wieder den zweiten Schritt vor dem ersten machen müssen. Fang doch mal sauber da an, wo auch das Leben anfängt.«

Das versucht Wendur. Doch ich will ja nicht das ganze Buch zitieren, vielleicht nur noch, dass »Leben eine allgemeine Möglichkeit aus Natur ist und Sterben ein ganz persönliches Privileg jedes Lebens«.

Wem das nicht gefällt, der kann sich noch mit dem ewigen Leben – einer Paradoxie, denn Leben kann nur endlich sein – beschäftigen, etwa unter Verwendung von Link . Damit sollte ich Sie, wenn schon nicht zum ewigen Leben, so doch zu den gewohnten Links führen. – Jedoch, dieses Vorhaben ist mir beim Thema Leben zu groß: Wo fängt man an, wo hört man auf? Ich habe Dutzende Seiten besucht, und sicher wären einige empfehlenswert, fokussierten aber doch wieder auf Teilaspekte, benötigten daher wieder die komplementären, verlöre sich das Ganze in der Fülle (des Lebens).

Ich tröste mich und Sie (die Sie mir ruhig Toplinks zumailen sollten unter Wendur@ureda.de) mit dem Ausspruch des Aristoteles, dass das Leben (als solches) den Sinn in sich selbst hat, und dem Satz von Marie von Ebner-Eschenbach (deren eigenes Leben tabellarisch unter Link nachvollzogen und von der viele Schriften online, doch individuell unter Link gelesen werden können) zum individuellen Leben: »Nur der Denkende erlebt sein Leben, an Gedankenlosen zieht es vorbei.«

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