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ÖKOLOGIE  
ist ohne Wert. – Denn der Begriff, den man mit Naturhaushaltslehre übersetzen darf, bezeichnet eine Wissenschaft (vgl. etwa Link und klicke auf das entsprechende Kapitel innerhalb der super Schul-Seiten von Ernst-Georg Beck unter Link – Button links im Biokurs). So wurde er 1866 von Ernst Haeckel eingeführt (tabellarischer Lebenslauf unter Link , Onlinetexte, zusammengestellt von Kurt Stüber, unter Link und vom gleichen Autor was fürs Auge unter Link sowie Haeckels berühmte Welträtsel unter Link ) . Wissenschaften aber arbeiten seit Galilei, Descartes und Newton ausschließlich sachlich und nicht wertbehaftet, wie es auch Im Spiegel der Möglichkeiten dargelegt wird.

Niemand spricht von »chemisch wertvoll«, wenn es im Reagenzglas oder Kochtopf zischt, oder von einer »intakter Physik«, wenn ein Stein zu Boden fällt. Doch locker geht die Formulierung vom ökologischen Wert über die Lippen oder die von der intakten Ökologie. - Bei keiner anderen Naturwissenschaft verwechseln wir die Disziplin mit dem, was sie untersucht, und ebenso wenig deren Ergebnisse mit unseren Wertungen. Nur eben bei der Ökologie ist es dermaßen üblich, dass wir es nicht einmal mehr bemerken. Und nach dem Motto: »Wenn schon daneben, dann auch richtig«, steigern wir diese Verwechslung noch durch die verbreitete Gleichsetzung von Ökologie mit Umwelt, mit Natur oder gar mit Naturschutz. Und immer schnallen wir dabei den Wertrucksack auf und packen oft noch Ideologie mit hinein.

Ökomüsli (Kennzeichnung sogar geregelt nach EG-Verordnung Nr. 2092/91) und Biosandalen, Ökotourismus, Waschmaschinen, die »Ökolavamat« heißen), oder Produktionsweisen von Lebensmitteln unter dem Etikett »Ökologischer Landbau« (siehe diesbezüglichen Überblick unter Link und Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau: Link ) belegen das Missverständnis. Das alles ist sehr empfehlenswert, und die standortgerechten und naturnahen Landbewirtschaftungsformen sind mit Blick sowohl auf die Qualität der Produkte als auch die Vorteile für den Naturhaushalt sehr zu begrüßen. Aber sprachlich sind die genannten und viele weitere Bezeichnungen Quatsch. Quatsch - gerade auch sprachlogischer - aber ist selten hilfreich! Tatsächlich wären nur synthetisch hergestellte Lebensmittel nicht »ökologisch«. Überlassen wir aber Sonne und Regen und Boden und Pflanzen und Tieren das Geschäft, dann produziert immer ein Ökosystem (dazu die Definition unter Link und Link , eine schöne Seite von Gerhard Arnold mit Graphiken zu Ökosystemen der Erde, Stoff- und Energieflüssen usw. unter Link , ebenfalls gut illustriert mit Schwerpunkt Wald Link sowie Link und dazu ein DVD-Tipp: Link , zum Ökosystem See Link bzw. Link oder alternativ zum Ökosystem Stadt Link , Link , Link und zur Integration ökologischer und wirtschaftlicher Systeme Link .

Ich kaufe selbst bei Bioland Link , bin für die Produkte und Produktionsweisen von demeter Link und Naturland Link . Bestimmt ist das alles positiv zu sehen, was man etwa über das Ökolandbau-Portal Link findet oder was von denen produziert wird, die sich in den Bundesverbänden Naturkost & Naturwaren Link zusammengeschlossen haben. Die Ziele der Stiftung Ökologie und Landbau Link mit Zeitschrift Link sind zu unterstützen. Ich empfehle Naturkost-Läden mit Versand Link und noch mehr, im »Öko-Zentrum Rommelmühle« (Link und Link ) einzukaufen. Doch auch dieses Ökozentrum ist kein Wissenschaftszentrum und belegt somit erneut die begriffliche Verwirrung, die derjenigen von Schweine- und Jägerschnitzel zu vergleichen ist: Das Jägerschnitzel ist ebenfalls ein Schweineschnitzel, lediglich zubereitet nach Jägerart. – Unsere Speisekartengewohnheit verdeckt die sprachliche Verkürzung und die ihr einhergehende Unlogik, die wohl nur einem Ausländer auffällt, der uns hoffentlich nicht für Kannibalen hält.

Wir alle gehen aber wie Kannibalen mit den Ökosystemen um und damit auch – unbewusst – mit uns selbst Link . Das hat seine Wurzeln nicht zuletzt in unseren Denk- und damit Sprachformen. Es beginnt damit, dass wir uns seit Platon und Descartes und auch im religiösen Bild nicht als Teil der Natur ansehen (Körper-Geist-Problem), was zentral Im Spiegel der Möglichkeiten behandelt, aber auch schon mit so alltäglichen Formulierungen wie »Mensch und Natur« deutlich wird. Es geht weiter mit der Vergegenständlichung von Beziehungen und Bewegungen, die uns hindert, in Prozessen, Vernetzungen, Rückkopplungen und Abhängigkeiten zu denken (etwa »der Wind« weht, obwohl es nur Luftbewegung ist und »er« nicht – wie in Kinderbüchern – auf einer Wolke schläft, wenn er nicht weht). Es endet bei Formulierungen wie der »Entsorgung« des (Atom-) Mülls. – Unsere Sprache bestimmt das Denken (und umgekehrt) und damit die Beziehung auch zur Natur. Mit falschem oder zumindest undifferenziertem Denken aber ist es schwer, zu richtigem Verhalten zu kommen.

Wesentlich ist – um beim Beispiel der Landwirtschaft zu bleiben – nicht ein plakatives Etikett, sondern die Frage, in welcher Art und Intensität wir als agrarwirtschaftende Menschen mit unserer Technik, mit fossilen Energien und Kunstdüngern und Spritzmitteln in das Ökosystem eingreifen und welche Folgen das hat. Das bedarf erst der sachlichen Untersuchung, dann des Sich-Bewusstmachens und letztlich einer Bewertung. Diese Wertung aber ist nicht »ökologisch«, sondern eine des Menschen bzw. gesellschaftlicher Art und immer an unseren Zwecken und unserer ethischen Position orientiert. Sich entschieden für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen einzusetzen, ist wichtig, richtig und sollte jedem erkennenden Wesen oberstes Gebot sein. Doch wer Sachebene und Wertebene verwechselt, behindert sich selbst.

Noch problematischer wird das Ganze, weil allzu oft auch die Ästhetik mit aufgesattelt wird. Das erkannte die Werbung längst, griff es auf und steigerte aus rein ökonomischen Gründen die Verwechslung. Seit beispielsweise Bauminseln und Eisvögel für Bier und Frische Werbung machen, weiß auch der Letzte, dass Ökologie schön ist. Den schönen und damit ökologisch einwandfreien Schmetterling zu schätzen ist leicht, die Vernichtung der ekelhaften Raupen aber auch. Wie aber kann die Ökologie als Systemlehre die Zusammenhänge vermitteln und über Gesamtkenntnis eine Gesamtbeurteilung vorbereiten, wenn sie schon zuvor mit falschen Wertrucksäcken überladen wird?

Machen wir uns das Dilemma an zwei Beispielen klar: Unsere biologisch aktivsten Systeme mit gigantischen Populationen sind die des Ökosystems Klärbecken. Müssten wir also nicht die Kläranlagen unter Naturschutz stellen? – Unsere »wertvollsten« Biotope sind die mit den vom Aussterben bedrohten Arten. Müssten wir dann nicht die noch verbreiteten Arten rasch dezimieren, um auch deren Lebensräume wertvoller zu machen? An solchen Pointierungen fällt vielleicht noch auf, dass Sach- und Wert- und sogar Handlungsebene (im Bürokratendeutsch »die Maßnahmen«) längst vermengt sind, weil das sprachlogische Fundament zerbröselt ist.

Dass die einfache Unterscheidung von Sach-, Wert- und Handlungsebene unter dem Schlagwort der Ökologie nahezu verloren scheint, trägt leider überhaupt nicht zur Problemlösung bei, behindert den sachlichen Ansatz, den nüchternen Dialog, das richtige Tun. Denken im Sinn von Zusammenhängen, Netzen, Stoff-, Energie- und Informationsflüssen, im Sinn von Systemorganisation, von Rückkopplungen, Selbsterhalt, Evolution ist für das Verständnis der Natur fundamental, damit ein Teil von ihr – die menschliche Population – überlebensfähig bleibt. Würden wir schon in der Raupe den Falter erkennen, so wäre viel gewonnen. Wie aber vermittelt man das sachlich und nüchtern unter einem Begriff »Ökologie«, der für viele ein Werbeslogan ist und für andere eine Ersatzreligion oder gar Ideologie?

Selbstverständlich sieht die Gesellschaft für Ökologie (GFÖ: Link ) das ähnlich wie ich als eines ihrer Mitglieder. Weniger wissenschaftlich und globaler – und dieses Wort benutze ich im doppelten Sinn – sieht das die Naturfreundejugend Link , deren Engagement wie dasjenige zahlloser Naturliebhaber und -schützer groß ist und mit deren Hilfe es leicht fällt, sich wieder mit der pragmatischen Realität zu versöhnen. Darum verweise ich ohne weitere Theorie und bewusstmachende Kritik auf ein paar weitere Websites, über die man durch das Internet surfen und tief in das Netz der – nunmehr weit gefassten – Ökologie eindringen kann:

Wegen der Fülle der Angebote, die sich auch in der Linkliste von Armin Konrad unter Link spiegelt, konzentriere ich mich auf weiterführende Suchmaschinen und Portale, wobei ich zuvorderst »Oekoserve« nenne Link . In Kombination mit dem Katalyse-Umweltlexikon werden viele Artikel und Definitionen und Links zu Dienstleistern und Produktangeboten offeriert. Auch mit der Suchmaschine »@agrar.de« Link kam ich zu einigen ökologischen Themen und eingeschränkt auch mit »ForestNet« Link . Die »eco-world« mit den news unter Link scheint mir okay, während mir »Oekotopp« Link thematisch zu weit und substanziell zu eng zu sein scheint. Auch »Greenseek« Link bietet von allem etwas, aber wohl etwas mehr. Die »Grüne Suchmaschine« Link hält meines Erachtens nicht, was sie verspricht, was bei »ECO-adress« Link anders ist. Man kommt zu brauchbaren Adressen von Verbänden, Personen, Firmen usw. Mit »Öko-Suche« Link fand ich mit meinen Testbegriffen nichts, was Ihnen ja nicht auch so gehen muss. »Ökoweb« Link ist ein österreichisches Portal mit Suchmaschine, das aber – wie die meisten oben genannten – primär Produkte vermittelt, so dass ich auch hier auf Müsli und Sandalen kam, aber auf nichts primär Ökologisches. Das »Gegenstück« für Österreich ist die Publikationsliste des Bundesumweltamtes unter Link mit umfassendem Schriftgut zu Ökologie und Naturschutz im eigentlichen Sinn.

Zu empfehlen ist das umfangreiche und gut gefütterte Portal »oekocity« Link und ebenso die Linkliste auf der Page des Landschaftsarchitekten-Kollegen Stefan Wirz Link , wenn man in diesem Bereich und weit darüber hinaus Verbände, Ausbildungsstätten, Büros usw. sucht, was als Fachinformationssystem noch gesteigert wird bei »Blattform« Link . Auf diesem Weg können wir dann etwa auch zu den Ämtern kommen, die den Begriff der Ökologie im Namen führen, wie das Niedersächsische Landesamt für Ökologie Link und die Landesanstalt für Ökologie Nordrhein-Westfalen Link . Die meisten anderen Behörden führen – sehr zu recht – den weitergehenden Begriff der Umwelt im Titel oder, konkretisiert, den des Naturschutzes. Analog gilt dies für viele Verbände, Institute, Zeitschriften (hier noch: Link ), Portale und Websites. Über dieses Minimum an begrifflicher und inhaltlicher Ordnung bin ich sehr froh und verweise daher auch hier auf diese Stichwörter im Spiegel-ABC.

Wenn Sie allerdings der Meinung sind, es bedürfe nicht dieser (immerhin ja trennenden) Ordnung in der schließlich ja doch ganzheitlichen Ökologie, dann können Sie versuchen, etwas dazu im Onlineteil der Ökologie-Zeitschrift »punkt-um« Link zu finden, sich zur Diskussion an die »Gesellschaft für ökologische Kommunikation« Link wenden oder vielleicht darüber im Forum »Kornblume: Netzwerk für Natur, Umwelt, Medien« Link diskutieren bzw. gleich hier in Ureda im Innenhof. – Vielleicht auch darüber, ob Ökologie doch Wert hat.


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