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EVOLUTION  
ist die Bewegung des Seins im Dialog der Systeme.

Wenn Sie das für eine ungewöhnliche Definition halten, sollten Sie in den Spiegel der Möglichkeiten sehen, hier weiterlesen und etwas durch Ureda stöbern. Unstrittig ist – außer man hält aus religiöser Abwehrhaltung am Glauben an die Einmal- und Komplettschöpfung zwanghaft fest, dann muss man streiten –, dass es eine historische Entwicklung dessen gibt, was wir als »Sein« oder »Kosmos« bezeichnen. Erst recht gilt dies für die Erde und das Leben darauf. Evolution, dies sagt der Name, ist Entwicklung durch Veränderung. Die Evolutionstheorie Link kann diese Entwicklung beschreiben und ihre Mechanismen ergründen, doch nicht über den Beginn dieser Geschichte – und Geschichte ist immer endlich – hinaus, die als Singularität durch eine kleine Asymmetrie entstand. Insofern lässt sie Raum für den Glauben und Theorien über den ersten oder letzten Grund.

Sie unterstellt aber, wie jede Geschichte, den ununterbrochenen Zusammenhang. Sie kann einzelne Entwicklungsstränge aufgeben, einiges verdichten, anderes strecken, sogar Schleifen drehen. Doch wenn sie die Verbindung aufgibt, zerbricht sie, ist sie eben nicht mehr eine Geschichte. Somit entstammt in der Werdegeschichte alles – eben das »reale Sein«, das eigentlich ein Werden ist – dem Vorausgehenden, gibt es einen ununterbrochenen abstammungsmäßigen Zusammenhang, speziell auch der Lebewesen. Sie wurden eben nicht einmal parallel in einem Schöpfungsakt und ein für alle Mal geschaffen oder entstehen willkürlich oder in Intervallen aus dem Nichts, wie das der alte Glaube für möglich hielt, ja mit göttlichen Eingriffen unterstellte. Und das gilt eben auch für den Menschen als Teil dieses natürlichen Werdens und damit für seine Kultur, die ebenfalls evolutionär ist, und sein Denken bis hin zu seinem freien Willen, seiner Moral und auch seiner Möglichkeit, sich dem Glauben hinzugeben. Es gilt für einen Menschen, der erst wenige Minuten vor Mitternacht die Evolutionsbühne betritt, wenn man die 15 Milliarden Jahre auf ein einziges Jahr verdichtet, und erst in den letzten Sekunden die Technik entwickelte. Um sich die Zeitdimensionen der Evolution klar zu machen, kann man meine diesbezügliche Tabelle anklicken Link .

Diese Aspekte sind solche der Evolutionären Erkenntnistheorie und werden dort behandelt. Primär sind es Aspekte der Bewegung, des Prozesses – was schon Aristoteles erkannte. Das aber, was sich bewegt, was sich entwickelt, sind Systeme (Link , formal Link , Ökosystem Link , gesellschaftlich Link , mathematisch siehe unter Gödels Theorem, technisch wird geradezu alles als System bezeichnet, aber vielleicht hilft Link ), und diese bringen neue hervor: physikalische, chemische, biologische, soziale Systeme und Metasysteme. Dies geschieht zumeist, indem bisher unabhängige Systeme sich zu höheren vereinen, sich dabei zum einen spezialisieren, zum andern voneinander abhängig machen. Sie vernetzen sich und schaffen dabei völlig Neues.

Das bemerkte schon Goethe, der lange vor Darwin und sehr positiv (und eben nicht mit der darwinistischen »Kampftheorie«) das Evolutionsprinzip beschrieb, wie man im Kapitel »Das Geheimnis des Samenkorns« im abenteuerlichen Zusammenhang nachlesen kann: »Das Wechselhafte der Pflanzengestalten, dem ich längst auf seinem eigentümlichen Gange gefolgt, erweckte nun bei mir immer mehr die Vorstellung: die uns umgebenden Pflanzenformen seien nicht ursprünglich determiniert und festgestellt, ihnen sei vielmehr, bei einer eigensinnigen, genetischen und spezifischen Hartnäckigkeit, eine glückliche Mobilität und Biegsamkeit verliehen, um in so viele Bedingungen, die über dem Erdkreis auf sie einwirken, sich zu fügen und danach bilden und umbilden zu können.« (»Schriften zur Naturwissenschaft«) Er schrieb, natürlich ohne den modernen Systembegriff zu verwenden, nämlich auch von »Differenzierung und Subordination« (vgl. Link in Annettes Philosophenstübchen).

Diese Vernetzung aber ist dynamisches Geschehen, ist Austausch. Ohnehin können nur offene Systeme diese Evolution tragen, denn Geben und Nehmen von Stoffen und Energie und Gewinnen von Information ist unabdingbar. Austausch ist Dialog. Und m.E. erfolgt er dialektisch im Sinn Hegels: Gegensätze werden zum Komplementär, aus dem das Neue wird. Also: Evolution ist die Bewegung des Seins im Dialog der Systeme.

Das aber ist nur eine Aussage zum Thema Im Spiegel der Möglichkeiten, in dem Wendur etwa noch die Sprüche findet: »Evolution ist in Materie geronnene Zeit« und »Die Geschichte der Evolution ist die Geschichte der Information«. Dann gibt es noch den eingeschmuggelten Text »Evolution ist unumkehrbar, ist Zeit, ist der Strom, den das Jetzt fließt. Auch der, vor dem ich euch warne, kann nur Steinchen in den Strom werfen, nicht aber den Rubicon-Effekt ausschalten oder gar benutzen. Immerhin: diese Steinchen könntet ihr sein! – Und Steinchen sind stärker als chaotische Schmetterlingsflügel.« Es gibt die Aussage: »Evolution ist der Wettstreit der Ideen« und das Bild vom Evolutionsbaum im virtuellen Möglichkeitsraum, in dem diese einen konkreten Weg geht, wenn sie den Zufall einfängt und daraus die eigene Regel macht: »Es ist die Bewegung, die das Reale aus dem Möglichen selektiert.«

Einmal versucht die Mutter, Halt zu geben mit »Evolution ist stete Grenzüberwindung, doch unvereinbar mit Abspaltung«, womit sie auf den falschen Dualismus Bezug nimmt, wie auch Wendur, der die Aussage wagt: »Die ganze evolutionäre Entwicklung ist die Vervollkommnung einer bereits im Kern angelegten Eigenschaft, die nicht nach materiell oder geistig zu trennen ist. Die stete Selbstüberschreitung ist Selbstausfaltung, damit aus dem Geist-Materie-Korn ein gigantischer Baum werden kann« und behauptet: »Das Unternehmen Evolution ist ein dialektisches.« Ja und dann heißt es auch noch lyrisch: »Evolution will Vollkommenheit, freut sich am Sein, wechselt das Kleid, spielt mit der Zeit. Evolution wird Seele und Geist, wird Wesen, wird Form, wird endlich Substanz und entledigt sich ihrer im Tod zu neuem Sein.«

Wie, liebe Leserin, lieber Leser, liebes Glied der Evolution, soll ich das, was dort über Hunderte von Seiten literarisch, wissenschaftlich und philosophisch verwoben ist, hier in einen Begriff komprimieren? Nein, das versuche ich nicht, bleibe beim Eingangsbild dieser Begriffsbehandlung und sage, sie ist eine Bewegung, in der wir Menschen ein bedeutender Teil sind und der wir auch verpflichtet sind: Wir stehen nicht außerhalb der Evolution und dürfen uns nicht anmaßen, sie grundsätzlich zu manipulieren. Evolution heißt, es gab nicht immer den Wurm und den Schmetterling und nicht immer den Menschen. Evolution heißt weiter: Es wird nicht immer den Wurm geben und nicht immer den Schmetterling und nicht immer den Menschen. Damit umzugehen, ist ein Thema des Buches, das ohnehin stark im Zeichen der Evolution steht, und wird unter dem entsprechenden Stichwort Evolutionäre Ethik behandelt, wozu ein weiteres Zitat vermitteln soll: »Evolution ist die kultivierende Nutzung von Möglichkeit, nicht der Mechanismus einer zwanghaften Maschinerie. Der Mensch darf stolz darauf sein, das erste Glied in dieser Reihe zu sein, das sich dieser steigernden und Möglichkeit nutzenden Eigenschaften bewusst wurde.«

Zu den Prinzipien und Mechanismen gefällt mir die Darstellung eines Informatikers, nämlich von Anton Reutlinger »Logik der Evolution« Link , während ich ansonsten zu den Theorien, Ursprüngen, Erkenntnissen, Problemen usw. auf die konkretisierenden Stichwörter Evolutions-Theorie, Darwin, Kosmische Evolution, Biologische Evolution, Kulturelle Evolution usw. verweise. Worauf man wohl nicht von allein kommt, weil es so der typische Jargon von Iris ist, das ist das Stichwort Evolu-Schose, unter dem das Evolutionsspiel und die Rolle des Menschen einmal anders beleuchtet wird.

Wenn es ebenfalls im Buch heißt: »Evolution [ist] weder zufälliges Nach- oder Nebeneinander noch rationaler Plan. Sie ist wie eine sich selbst knüpfende Kette, ein sich selbst knüpfendes Netz«, so ist dies auch auf das Internet zu übertragen, das schneller evolviert als je etwas in der Geschichte. Daher ist es unmöglich, die dort vorhandenen Beiträge zum Thema Evolution auch nur annähernd auszuleuchten, zumal ja immer Neues dazu kommt (wäre es sonst Evolution?). Ich vermag nur eine Auswahl nach dem evolutionären Grundprinzip von Selektion zwischen Zufall und Notwendigkeit zu treffen, ohne die Fülle der Möglichkeiten zu begrenzen, vielmehr die Wege zu öffnen. Doch da unter den konkreten Stichwörtern noch so mancher Link gegeben wird, sollen hier die Bedenkenträger, Ablehner und Gegner zu Klick kommen, auch wenn deren Ansichten und Argumente nicht so vielfältig wie das Leben sind, vielmehr meist so einseitig wie der Tod. Doch auch der gehört dazu, wie einer der von Wendur in Ureda ergrabenen Sprüche besagt: »Der Tod treibt die Evolution, die Seele schenkt den Weg.«

Unter Link »belegt« Herr Joss ganz ernsthaft mit neu konstruierten Weltraumbildern und Sprüchen von Mose beispielsweise, dass es keinen Urknall gibt, dass das Universum und die Erde sehr jung sind (alle Datierungsmethoden werden schlagartig unzuverlässig, wenn sie über biblische Altersangaben hinausgehen), dafür aber die Erde im Zentrum des Universums steht, Mutationen zu nichts führen und die Frau ihrem Mann zu gehorchen hat. Auch Till Biskup lehnt unter Link die – speziell biologische, noch spezieller menschliche – Evolution radikal ab und begründet dies: »Der Grund für meine radikale Ablehnung jeglichen evolutionären Gedankens ist, daß ich überzeugter Christ bin. Jedes Postulat einer langsamen Evolution ... widerspricht den klaren Aussagen Gottes. ... Daher gibt es für einen überzeugten Christen keine andere Wahl, als sich, mit diesem Thema konfrontiert, klar und deutlich gegen die vorherrschende Meinung der Wissenschaft zu stellen.« Das ist eine persönliche Begründung, die zwar Christentum mit individuellem Glauben verwechselt, doch als Überzeugung zu akzeptieren ist. Warum dann aber der waghalsige Versuch, über seine Homepage andere Begründungen anzuführen bzw. die radikale Ablehnung immer neu herauszustellen?

Auch Harun Yahya hat unter Link eine Anti-Evolutionsseite (wieder speziell mit Bezug auf den Menschen und religiös begründet) eröffnet, um »sich gegen das Diktat einer Lobby [zu wehren], welche sich menschenfreundlich gibt, aber in Wirklichkeit mit der Unterstützung und Verbreitung dieser Lehren, ihre eigens geschaffene Gesellschaftsordnung, in der sie einen angesehen Platz und eine gute Stellung inne haben, zu erhalten versucht. Leider sind diese Menschen und die von ihnen geführten Organisationen mächtig genug, breiten Massen etwas unglaubliches vorzugaukeln.« Dem setzt er »logische Denkanstösse« entgegen, denn »die Behauptungen der Evolutionisten sind dermaßen unglaublich, dass es ein Leichtes ist, diese Thesen zum Einfallen zu bringen«. Das versucht er mit Artikeln und Literaturhinweisen. Lesen Sie, speziell, wenn sie einen Platz in der Gesellschaft evolutionär zu behaupten haben!

Eine weitere Ablehnungspage von Harald Riegsinger ist etwas differenzierter Link , und Torsten Poitzsch bringt einige Fakten und Zusammenhänge und findet bei seiner Sinnsuche diesen nicht vor dem evolutionären Hintergrund Link und versucht daher, ihn zu entkräften. Diese Entkräftung – aus welchen Gründen auch immer – ist auch eines der vielen und vor allem wohl politischen Ziele des Internationalen Arbeitskreises für Verantwortung in der Gesellschaft e.V. (IAVG) unter Link . Man hat vieles gegen die Evolutionstheorie zusammengetragen und »dokumentiert«, was mitunter durchaus Hand und Fuß hat, jedoch in der Interpretation stets zur gleichen Ablehnung führt, weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

Warum aber darf nicht sein? Ich denke, die Antwort ist leicht und wurde eigentlich schon oben gegeben: Der Mensch als Teil der Evolution kann sich schwerlich als Ziel, als göttliche Besonderheit sehen, muss gar mit seiner eigenen Überschreitung rechnen. Monod schrieb: »Nicht nur sein [des Menschen] Los, auch seine Pflicht steht nirgendwo geschrieben. Es ist an ihm, zwischen dem Reich und der Finsternis zu wählen.« Der Mensch müsse die alten Träume von einem »menschenfreundlichen Kosmos« hinter sich lassen. Hinter sich lassen heißt aber nicht, dass voraus nichts zu finden ist, und Wahlmöglichkeit ist Ausdruck der Freiheit! In diesem Sinn hilft weder alter Wortglaube noch falscher Fortschrittsglaube (dazu »Evolution und Fortschritt« von Franz Wuketits unter Link ; auf »Artikel« klicken und dann zu Heft 4 gehen), vielleicht aber eine Evolution des Christentums, was Helmut Walther unter Link behandelt.


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