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ABFALL  
Beim Zufall fällt einem etwas zu, plötzlich und unerwartet. Dann hat man die Chance, etwas daraus zu machen. Beim Abfall, so könnte man meinen, ist es umgekehrt. Doch weit gefehlt: Einem selbst fällt zum Glück gar nichts ab. Man kann höchstens als Ganzes abfallen, etwa vom Glauben.

Was abfällt, sind vermeintlich nutzlose Nebenprodukte, von Essensresten bis zu atomaren Brennstäben. Und es geschieht keineswegs plötzlich und unerwartet. Beim Abfall oder Müll geht es um Stoffe, aus denen wir meinen, nichts mehr machen zu können, darum auch keine Gedanken mehr, geschweige denn Sorgen: Wir »entsorgen« einfach. Die klassische Form ist das Wegwerfen, Wegkippen, Einleiten. Da unterscheidet sich der moderne Picknicker kaum vom alten Nomaden.

Solange es um ein paar Bierdosen und Plastiktüten geht, mag man das nicht dramatisieren, geht es aber um etliche Hundertmillionen Tonnen pro Jahr und nur im kleinen Deutschland, die wir etwas gesitteter auf Deponien werfen, so darf man doch fragen, auf welchen Planeten eigentlich die Menschheit ziehen will? – Zumal der feste Abfall nur ein Teilaspekt im Zusammenhang mit der »Entsorgung« über Luft und Wasser ist, wohl wissend, dass etliche Verbindungen über jeden Atemzug oder das Wasser unseres Tees zurückkommen, andere das Klima verändern oder den natürlichen Schutzschild der Atmosphäre gegen lebenszerstörende Strahlung abbauen. Noch immer machen wir es nicht anders als Herkules, der den Stall des Augias ausmistete, indem er einen Fluss hindurchleitete. Früher feierte man das als Heldentat, heute sollten wir klüger sein.

Doch wir sind es nicht, was ich mit einem kleinen und lokalen Beispiel aus der heutigen Tageszeitung (12.05.01) belegen will, indem ich einfach meinen soeben verfassten Leserbrief wiederverwende, denn so vermeide ich Abfall und steige in die Mehrfachnutzung ein, die Ressourcen spart:

Leserbrief zu »Gewerbemüllmenge im Kreis auf 9.380 Tonnen abgerutscht«; Nürtinger Zeitung, 14. Mai 2001
Wo ist der Müll?

Endlich ist die Welt! Und endlich erkannte man vor einigen Jahren, dass es zum Erhalt dieser beschränkten Lebensgrundlagen unabdingbar ist, die Mentalität der Wegwerfgesellschaft zu ändern. Im Bereich Abfall begann man zu tun, was eigentlich selbstverständlich sein sollte: Vermeiden, weil es Stoffe und Energien spart, weil für die »Entsorgung« weniger Deponieflächen oder Verbrennungsanlagen nötig werden, weil weniger Gefahrstoffe in Wasser, Luft und Nahrungskette kommen. Und was (noch) nicht vermeidbar ist, sollte möglichst wieder verwertet werden: Kreislaufwirtschaftsgesetze wurden verabschiedet, Müllberater eingestellt, gelbe Säcke, blaue Tonnen und Grüne Punkte eingeführt, sogar neue Studiengänge eingerichtet, damit auch in diesem Bereich gewirtschaftet wird und nicht mehr das Steinzeitprinzip herrscht.
Nun greifen seit einigen Jahren diese Maßnahmen, doch Kreisverantwortliche klagen. Nicht, was man erwarten sollte, dass der angestrebte Rückgang des Abfallaufkommens zu gering ausgefallen sei, nein im Gegenteil: Der Rückgang um 24 Prozent führt – so ist zu lesen, und es scheint keine Satire, sondern Portmoneedenken zu sein – zu einer »beklagenswerten Tiefstmenge, die starken Einfluss auf die Gebühreneinnahme hat. Man wird darum kämpfen, mehr Gewerbemüll im Kreis Esslingen entsorgen zu können.«
Zum Glück gab es ein Rekordergebnis beim Altpapier. Wenn man beim Kreis konsequent ist, wird man uns jetzt jede Menge Postwurfsendungen zustellen mit der Aufforderung »Macht mehr Müll!« Selbst wenn wir trotzdem vernünftig blieben und die Dinger einfach in die blaue Tonne werfen, steigern wir doch zwangsläufig wenigstens dieses Teilergebnis. Noch besser wäre es, man könnte auch Denkmüll deponieren.

Die Leser des Spiegels der Möglichkeiten fragen sich vielleicht, was dieses Stichwort im Spiegel-ABC zu suchen hat. Antwort: Der Abfall kommt als Begriff dort vor. Zudem in einer Formulierung, die durchaus auch zum genannten Denkmüll passt, denn das Geschenk, Geist zu besitzen, sollten wir auch würdigen.

Es heißt nämlich in der Diskussion um den Dualismus: »Bewiesen aber ist, dass die materielle Existenz dem Leben vorauslief und dieses wiederum den geistigen Leistungen. Auch sehen wir bei jedem Tod, dass einzig die Stoffe erhalten bleiben. Daraus schließen die Materialisten, dass die Natur den Geist zwar nicht benötigt, aber hervorgebracht hat.«
»Als Abfall-, Neben- oder Wunschprodukt?«
»Wenn schon, dann sollten wir Geist oder Seele und damit uns Menschen als Wunschkinder sehen dürfen, gezeugt aus Liebe.«

Für alle, die nicht nur ihren Geldbeutel, sondern vielleicht gar den blauen Planeten lieben, einige Links: Das Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz (Link , Link . Zum Dualen System / Grüner Punkt Link . Die Onlinezeitschrift »Müll und Abfall« Link sowie »abfall-intern« Link . Die Initiative des BMBF für nachhaltiges und regionales Wirtschaften Link und ein Beispiel für Kreislaufwirtschaftsansätze in der Region Rhein-Neckar Link . Einen speziellen Studiengang »Energie-und Recycling-Management« bietet die FH Nürtingen: Link .


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