Suche in der Bibliothek
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Ü Y Z Ö

ELEMENT  
Dieser Begriff bezeichnete bei den alten Griechen zunächst die einzelnen Buchstaben oder Zahlen, die unteilbaren »Bausteine« der Schrift bzw. der Mathematik. Die Vorsokratiker übertrugen sie in ihren (meta-)physischen Modellen auch auf die Natur. Dies beschreibt Aristoteles in seiner »Metaphysik«, indem er ausführt, die ersten Philosophen hätten behauptet, »woraus alles Seiende ist, und woraus es als aus dem Ersten entsteht, und worein als in das Letzte es zugrunde geht, das als die Substanz immer dasselbe bleibt und nur in seinen Bestimmungen sich ändert, dies sei das Element und dies das Prinzip alles Seienden. Deshalb halten sie dafür, dass kein Ding werde noch vergehe, weil dieselbe Natur sich immer erhält« (aus Hegels Geschichte der Philosophie).

Während Leukipp und sein Schüler Demokrit als Elemente das Volle und das Leere setzten – also ganz grundsätzlich das Seiende und das Nichtseiende –, wurden ansonsten die Elemente zwar auch grundsätzlich, aber existierend, ja stofflich angenommen. Unteilbarkeit und Unvergänglichkeit waren zumeist beigegeben. Dass in diesem Sinn die Vorsokratiker alles Sein auf Urstoffe, Elemente oder – in etwas abgewandelter Form – auf die Atome zurückführten, ist bis heute im Begriff erhalten geblieben: Mathematisch ist ein Element das (nicht mehr teilbare) Einzelobjekt einer Menge, funktional der »Baustein« eines Systems.

Physikalisch hat man sich auf das längst geteilte und immer unstofflicher gewordene Atom bezogen und spricht seltener vom Element. In der Chemie aber ist es noch die tragende Basis, wie etwa Link , die Schulseite unter Link und die Betrachtung des Perioden-Systems (Link ) zeigen. Damit sind wir gar nicht so weit weg von den 4 Elementen des Empedokles (siehe dort) mit Wasser, Feuer, Luft und Erde (vgl. auch Seite der Grundschule Aichach-Nord, die sich als Schule der 4 Elemente präsentiert: Link ). An diese alten Elemente denken wir umgangssprachlich zumeist noch immer, etwa wenn der Schwimmer »in seinem Element« ist. Dabei schwingt noch etwas von der alten mystischen, magischen und okkulten Bedeutung mit, die gerade auch von der mittelalterlichen Chemie geprägt wurde. So werden etwa auch die 4 Elemete in Goethes »Faust« angesprochen (Zitat und mehr zur okkulten Bedeutung der Elemente unter Link ). Mitunter tritt in diesem Metier auch der Äther als fünftes Element auf (Link ), gleichsam als Überrest einer alten platonischen und aristotelischen Vorstellung, die bis in die Neuzeit reichte, weil man einen »Träger« brauchte und sich einen vollkommen leeren Raum nicht vorstellen konnte (Link ). Faszinierend ist ein solch fünftes, weil zusätzliches und damit geheimnisvolles Element – die Quintessenz – zweifellos. Schon das trägt zum Erfolg des SF-Films »Das fünfte Element« (Link ) bei. Dieser Erfolg schlägt die Brücke zu dem, was m. E. tatsächlich das fünfte Element ist: nicht Zeit, nicht göttlicher Wille, nicht Lebenskraft und was sonst so alles gehandelt wird, sondern Geld als elementares Fundament moderner Existenz.

Nichts hat all das mit der fernöstlichen Tradition der 5 Elemente Feuer, Wasser, Erde, Metall und Holz im Feng Shui zu tun (Link ). Und auch nicht mit den 5 klassischen Elementen, aus denen der Spiegel der Möglichkeiten besteht: nämlich den 5 Teilen des Dramas. Dabei ist es gar kein Drama, sondern eher das Leukipp'sche Spiel um das Leere (auch »Virtuelle« oder »Geist«) und das Volle (»Reale« oder »Natur«).


  Portal

Leukipp
Demokrit
Empedokles
Aristoteles
Hegel
Sein
Werden
Vorsokratiker
Atomisten
Goethe
Philosophie
Natur
Substanz
Prinzip
Stoff
Modell
Mathematik
virtuell
Realität
Geist
Materie

Ureda

Impressum / Haftungshinweis Ureda © 2002K.-J. Durwen