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MÖBIUSSCHLEIFE  
Gerade Kinder sollten einmal eine Möbiusschleife basteln: Link . Nur ein nettes Spiel? Gar ein Zaubertrick? – Ja, das Spiel und der Zauber der Natur und der Trick, es zu erkennen.

Unterstellen wir doch, dass man immer Grenzen überschreiten muss, um etwa von der Unterseite auf die Oberseite zu kommen, von einem Land ins andere, vom Diesseits zum Jenseits.

Doch wir sind es, die künstliche Grenzen des Denkens schaffen, weil wir in Begriffe denken, die Unterscheidung als Orientierung brauchen. Begrifflich sind Tag und Nacht oder Land und Meer klar getrennt. Wo aber ist in der Natur die Grenze innerhalb der Dämmerung, wo die am Strand? Grenzen sind Abstraktion, nicht Linien in der Wirklichkeit. Dort finden wir immerzu nur Übergang (zumindest bis zur Grenze der Quanten).

Kann einer bei zwei benachbarten Kieseln oder Sandkörnern sagen, dieses gehört zum Land, jenes zum Meeresboden? Was ist mit dem Felsen in der Gischt? Oder – bleiben wir beim Sand – aus wie vielen Körnern besteht ein Sandhaufen? Man kann ein Korn nach dem anderen wegnehmen und immer und immer wieder verbleibt ein Haufen Sand. Doch irgendwann sagen wir, das ist kein Haufen mehr, das sind nur Körner. Wo aber ist die Grenze: 50, 100, 500 Körner? Noch nie hat einer sie exakt angeben können, bestenfalls kann man sie willkürlich definieren.

Bewegt man sich eine halbe Runde auf dem Möbiusband, so wird der "gegenüberliegende" Punkt zugleich zu einem "zurückliegenden". Der aber wird, geht man weiter, zu einem "zukünftigen". Das ist nicht paradox, entlarvt nur all unsere Setzungen, wie etwa Pole oder Äquator auf der Kugel. Das Eine oder die Ganzheit der Natur ist ungetrennt – man denke auch an das Symbol von Yin und Yang –, nur unser Denken behilft sich mit Gegensätzen und Grenzen, um in der Welt zurecht zu kommen.

Somit ist dieses Erfolgsrezept der Orientierung auch nichts, dass man als grundsätzlich schlecht darstellen sollte. Nur: es reicht nicht mehr aus, um in der heutigen und noch weniger, um in der künftigen Welt zurecht zu kommen. Es ist wie das Orientierungsvermögen des Steinzeitmenschen, das uns kaum mehr in der Steinwüste einer Großstatt nutzt. Mensch hier, Natur da, Geist hier, Körper dort, Ich innen, Umwelt außen, das sind alles statische Denkmuster aus einer evolutionären Zeit der Langsamkeit und der geringen Veränderungen. Diese haben wir aber durch unsere Technik abgelöst, die Raum und Zeit überwindet und unseren Lebensraum radikal und schnell verändert und immer abhängiger macht. Um in unserem eigenen Werk zurecht zu kommen, müssen wir und vor allem unsere Kinder dynamisch und ganzheitlich und in künstlicher Trennung denken. Wie Im Spiegel der Möglichkeiten gezeigt wird, muss die Verbindung, nicht die Unterscheidung das Denkmodell werden.

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