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COMPUTER  
als »genial« zu bezeichnen, gleicht dem Lob eines Sandsturms für die gekonnte Reinigung einer Gebäudefassade, die womöglich ein menschlicher Künstler zuvor in mühevoller Wochenarbeit bemalt hat. Denn die Fähigkeiten dieser Maschinen basiert auf geradezu brutaler Stärke bzw. Geschwindigkeit, bestehen im stupiden Abarbeiten von Regeln, im Massendurchsatz. Dennoch billigen wir den leistungsfähigsten dieser Maschinen (künstliche) Intelligenz, die bekannte KI zu, die man vornehmlich in Turing-Tests ermittelt und in Roboter, Androiden oder gar sich selbst als Cyborg einbauen will. Das mag, evolutionär betrachtet, konsequent sein, denn die Steigerung der Informationsverarbeitung, die Beschleunigung der Reaktionszeit, die Prüfung zusätzlicher Verhaltensvarianten ist lebens- oder sagen wir: systemerhaltend, wie dies auch Im Spiegel der Möglichkeiten zum Ausdruck kommt.

Doch das ist nur die eine Seite der Münze, die im Spiel von Zufall und Notwendigkeit geworfen wird, die verkürzte Sicht des überlebenden Stärkeren. Die andere ist die Entfaltung neuer Möglichkeiten, das Transzendieren, ist Fantasie, Kreativität, Inspiration und auch Gefühl. Davon ist jeder Computer noch sehr weit entfernt, selbst der futuristische Androide Data, der in den Abenteuern zu diesem Thema einiges beizutragen hat. Er will nicht von Ungefähr Mensch werden, während uns die Extropier zu Cyborgs degradieren möchten, indem sie mit Nietzsche eine falsche Überwindung des Menschen propagieren, den sie mit Descartes nur für ein rational denkend Ding halten. Sie sehen im Geist nur Software und im natürlichen Körper nur Hardware, loben die Vorzüge des Programms und bedauern die Beschränktheit des Apparats, sehen in Technikermanier die Problemlösung einzig darin, die Software von der Hardware zu trennen, die »Plattform« auszutauschen. Warum und wozu fragen sich nicht, weil schneller und mehr für sie Selbstzweck ist.

Ich bin für Technik und Computer, weil sie uns Enormes bieten, gleichsam den Möglichkeitsraum weiter öffnen (dazu ein Entwicklungsabriss unter Link und ein lesenswerter Beitrag von Matthias Wörther unter Link ). Doch genau darum ist die Verwischung der Grenzen zwischen Natur und Technik, die simple Gleichmacherei falsch: Wir brauchen die dialektische Spiegelung, um in ihr zu erkennen, was Wendur Im Spiegel der Möglichkeiten einmal den gemeinsamen Code dessen nennt, was wir als Stoff und Geist getrennt denken (siehe Turing-Test).

Nun, sind Sie jetzt enttäuscht, dass Sie nichts Handfestes zu Computern, keine Systemhinweise, Leistungsmerkmale und Dumpingpreise vermittelt und – wie ganz, ganz selten nur in diesem Spiegel-ABC – noch nicht einmal entsprechende Links offeriert bekommen? Dann biete ich wenigstens eine Literaturliste und bitte um Entschuldigung, dass ich Sie mit Gedanken belästige, die (noch) nicht die eines Computers sind.

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