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SHAKESPEARE, William  
blinzelt etwas nebulös aus dem Spiegel der Möglichkeiten. Vielleicht, weil er durch Sciencefiction, konkret: Star Trek, hineinkam, vielleicht, weil er mit dem Shakespeare-Paradox nichts anfangen kann, oder gar, weil ihn diese Enthüllung irritiert. Verständlicherweise kann er auch nebulös sein, weil es den Dichter William Shakespeare aus Stratford-upon-Avon gar nicht gab.

Laut Eintrag im Kirchenregister wurde in diesem Kaff zwar als ca. tausendfünfhundertster Bürger am 26. April 1564 der Sohn eines einfachen Bauern und Geschäftsmanns auf diesen Namen getauft, ging dort in die Schule, heiratete mit 18 Jahren eine Anne Hathaway und hatte drei Kinder mit ihr. Soweit stimmen die meisten Biografien überein. Ebenso darin, dass er am 23. April 1616 in seinem Heimatort starb. Angeblich fand man in seinem Haus kein einziges Buch und konnten seine Kinder weder lesen noch schreiben. Im Testament ist nichts von literarischen Werken vermerkt, und sein ursprünglicher Grabstein soll ihn mit einem Kornsack dargestellt haben. Erst ein Jahrhundert später errichtete man das berühmte Monument mit Feder und Buch, um den Kulturreisenden etwas zu bieten.

Für die Zeit zwischen diesen Eintragungen in den Kirchenbüchern aber finden sich die unterschiedlichsten Darstellungen. Und in keiner gibt es Belege für den Zeitraum zwischen 1585 und 1592, in dem ein Shakespeare als Schauspieler und Dramatiker in London tätig wurde. Der habe mit dem bedeutendsten Theatermann der Zeit, R. Burbage, zusammengearbeitet, sei vom Hochadel protegiert und Teilhaber am Globe Theatre geworden. In dieser Zeit habe er 14 Komödien, 10 Historien und 12 Tragödien verfasst. So oder so ähnlich kann man es nachlesen in der kurzen Biografie und Werkübersicht unter Link , Link oder – sehr umfangreich, informativ und gut gestaltet – unter Link . Zu empfehlen ist auch das schöne Shakespeare-Brevier (Link ) und der virtuelle Besuch bei der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft: Link .

Schon immer wunderte man sich darüber, wie der wenig gebildete Shakespeare die klassischen Vorlagen kennen, lesen und verwenden konnte, woher er das Wissen um das italienische Theater und Schauplätze in Italien (siehe auch unter Venedig) hatte und woher die juristischen, medizinischen und historischen Kenntnisse und insbesondere Details um die höfische Politik stammen. Die einen finden »natürliche« Erklärungen (auch Karl May hat detaillierte Beschreibungen verfasst, obwohl er nie an den Schauplätzen seiner Romane – wohl aber im Gefängnis – war), andere haben Zweifel an der Urheberschaft der 36 (oder 37?) Werke. So heißt es unter Link (übrigens auch mit tollen Theorien über Goethes Abstammung): »Ohne Zweifel ist Shakespeares Pseudonymität neben der Homers die bemerkenswerteste der Weltliteratur. Jedenfalls ist reichlich Anlaß gegeben, sie in Erwägung zu ziehen, da über das literarische Schaffen dieses unvergleichlichen Dramatikers und Dichters so gut wie keine seine Urheberschaft beweisenden Zeugnisse auf die Gegenwart überkommen sind ... So erklärt der französische Shakespeare-Biograph Jean Paris: "Es gibt Dichter, die größer sind als Shakespeare; es gibt keinen, der größere Rätsel aufgibt."«

Zunächst glaubte man, Francis Bacon (Link und mit sehr vielen Links und Quellenhinweisen Link ) habe unter Pseudonym geschrieben. Denn auch um diesen Begründer der englischen Renaissance-Philosophie, des Empirismus und des Utilitarismus ranken sich Rätsel (war er der Sohn der damaligen Königin Elisabeth, wurde er ermordet?), die jedoch nicht in Frage stellen, dass er einer der bemerkenswertesten Köpfe jener Zeit war und alle Voraussetzungen als Verfasser erfüllen kann. Nicht nur die Bacon Society (Link ) hält an dieser These fest.
Wahrscheinlicher ist, dass Edward de Vere (Link , Link , engl. Dokumentation unter Link ), der 17. Earl of Oxford und Minister der Königin, der Geisterschreiber ist: Hamlet scheint auf sein eigenes Schicksal anzuspielen, er bereiste Italien und führte in seinem Familienwappen einen Ritter, der einen Speer schüttelt: Ein Mann, who shakes a spear!

Sei's drum, wie auch um die Kiffer-Theorie. Man kann viel für und viel wider nachlesen unter Link , Link , Link oder Link und mehr unter der Domain Link , ferner Link oder Link und nicht zuletzt Link . Auch kann man in den Film »Shakespeare in Love« (Link ) gehen, der ebenfalls diese Theorien aufgreift. Man kann auch das in meinem Buch aufgegriffene Shakespeare-Paradox (siehe unter paradox) heranziehen oder sich Mark Twain (Link , Link , Link und Link ) anschließen, der sagte: »Shakespeares Werk wurde nicht von Shakespeare geschrieben, sondern von einem anderen Dichter gleichen Namens.«

Wichtig ist, dass es diese Werke gibt. Sonst könnte einer wie Patrick Stewart (Link , Link , Link , siehe auch unter Picard) als Mitglied der Royal Shakespeare Company (Link ) diese Stücke nicht aufführen und nicht daraus in seiner Hauptrolle als Captain Picard der Enterprise zitieren. Und der Androide Data könnte es ihm nicht nachtun, und Gene Roddenberry hätte für so manche ST-Folge andere Vorlagen gebraucht (vgl. auch Link oder Link ). Dann wäre Shakespeare nicht in den Spiegel der Möglichkeiten gerutscht, um aus ihm, beinahe wie Sofie, nebulös herauszublinzeln. Und Sie könnten hier nichts über ihn erfahren. Das wäre doch wirklich schade!

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