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SCHWEJK, Josef  
Der brave und stets hilfsbereite böhmische Soldat nimmt alles so vollständig ernst, dass er sich unweigerlich der Lächerlichkeit preisgibt. Das aber ist nicht nur paradox, es ist auch absurd. Die absurde Figur des Schwejk, Josef – nicht Josef Schwejk, denn er meldet sich immer dienstlich korrekt – aber steht einer viel größeren Absurdität gegenüber: der des Kriegs und des Militär- und letztlich Gesellschaftssystems, das alle Menschlichkeit vergisst, ja verkehrt. Einem System, das die Individualität auszulöschen sucht, kann nur ein Individuum wie Schwejk den Spiegel vorhalten. Und zwar gerade durch die Schwejk‘sche Vaterlandsliebe, Ergebenheit, Überzeugtheit und Ernsthaftigkeit, die keine einfache Opposition ist und damit auch nicht die Möglichkeit bietet, den Spiegel einfach als Feindbild zu zerschlagen (dazu vielleicht eine Leseprobe: »Schwejk als Simulant«: Link und zum Buch Link ).

Ich mag den Schwejk des Jaroslav Hašek (Link und Link sowie mit etlichen Porträts unter Link ) und sehe ihn immer verkörpert durch Fritz Muliar (Link , Link ). So auch in der Szene, in der Europa nach dem Attentat auf Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich sich zum Krieg rüstet und der brave Schwejk im Wirtshaus »Zum Kelch« erkennt: »Sakra, wird man sich dreschen!« (historischer Hintergrund unter Link ) Bald soll er mitdreschen und verabredet sich vor dem Abmarsch mit Woditschka zum Treffen »gleich nach dem Krieg um elf« in der Stammkneipe: Die Dimension völliger Ungewissheit im Allgemeinen (Kriegsende) wie auch im Besonderen (persönliche Schicksale) wird in kurioser Selbstverständlichkeit lediglich zur Störung des Alltags. Doch nicht nur weltgeschichtliche wie persönliche Dimensionen werden unterschiedslos, auch Allgemeinheit und Konkretheit nivelliert: Irgendwann um elf ...

Um elf und nicht um fünf, wie's Im Spiegel der Möglichkeiten fälschlich heißt, als Wendur mit diesem grotesken Beispiel zeigen will, dass man für ein Rendezvous exakte Raum- und Zeitangaben braucht. – Peinlich, peinlich, dass er dabei eine falsche Zeitangabe macht, denn nach'm Krieg um fünf wären beide doch gewiss zu spät gekommen.

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