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ABSOLUT  
scheint manchmal nur das Chaos (siehe dort) zu sein, obwohl das schon die Vorsokratiker überwinden wollten, weshalb sie sich die Ordnung ausdachten. Inzwischen wissen wir, auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen (zumindest nicht als Idealisten, und die bestimmen noch immer in der Philosophie, weil sich über alles Unbeweisbare trefflich argumentieren und diskutieren lässt): Nichts, was unser Gehirn denken kann, hat absolute Geltung.

Das gefiel weder Platon noch Descartes oder Kant. Darum machten sie aus diesem wunderbaren Denkding im Kopf eine Art Radioempfänger für Außerirdisches, richtiger: Außerweltliches. Denn dort kann man bequem ansiedeln, was es in der Natur, im Leben, in der Kultur und in uns nicht gibt: etwas, das völlig losgelöst ist (das besagt konkret das Wort »absolut«), das keinerlei Bindungen oder gar Abhängigkeiten und Beschränkungen besitzt. Das Absolute ist unbedingt, uneingeschränkt, vollkommen. Der Gegensatz dazu ist »relativ«, letztlich etwas, das nur damit erklärt werden kann, dass man es zu anderem in Beziehung setzt. Relativ, ja trügerisch, so lehrten diese drei Herren und Tausende mit ihnen, sind unsere Sinne, ist letztlich die gesamte materielle Natur. Und zu der – so folgerten sie, um Recht zu behalten – gehört der Mensch, die Krone der (eigenen Denk-) Schöpfung, eigentlich nicht, denn er besitzt Vernunft und apriorisches »Wissen« als Anteil an dieser idealen, vollkommenen Gotteswelt.

Im Spiegel der Möglichkeiten wird das Absolute der Idealisten ganz schön relativiert. Dennoch kommen wir metaphysisch, also bei der Frage, was »hinter« allem Physischen ist, irgendwie um diesen letzten Grund, den Ursprung, das Unverursachte, das – wie Aristoteles es nannte – Unbewegt Bewegende nicht herum. Denn egal, wie weit sich natürliches Erkenntnisvermögen entwickelt, das bisher in der uns bekannten Welt im Menschen seine höchste Stufe fand, es wird maximal ein natürliches kosmisches Gesamtbewusstsein erreichen, nie die »wahre« letzte Erklärung für das Dasein selbst finden können: immer nur erfinden. Das gilt für Philosophen und noch mehr für Naturwissenschaftler, bei denen Transzendenz als Methode unzulässig ist.

In den Abenteuern gibt es viele Paradoxien. Die vermeintlich größte ist in starker Anlehnung an Hegel, dass das Werden als Spiegelprozess zum Absoluten gemacht wird: Das sich selbst entwickelnde, erst »Selbst« Werdende, das diese idealistische, tote Vollkommenheit aufgab, um über das, was wir polar oder gar gegensätzlich denken (wie Geist und Materie, Ursache und Wirkung, Subjekt und Objekt), diese Gegensätze wieder aufzuheben. Aufheben im Sinn von Bergen, im Sinn von Auflösen und im Sinn von höher heben.

Was? – Das bleibt Ihnen schleierhaft? Unter "Absolut-Schleierhaft" Link finden Sie Schleier und anderes Bauchtanzzubehör und unter "Absolut.com" Link eine immerhin sehr originell gemachte Wodka-Werbung. Ansonsten, wenn Sie nach dem Wort suchen, werden Ihnen sehr viele absolut diskrete Angebote offeriert, dabei auch einige absolut tabulos, und zudem vieles absolut günstig. Es sind praktisch nur derartige Wortverbindungen, die zu finden sind, und selbst auf den Philosophieseiten macht der Begriff des Absoluten relativ viele Probleme: Definiert wird er kaum, dafür aber massenhaft verwendet. Besinnen wir uns also, wenn Sie bei der Philosophie bleiben wollen, Ihnen Hegel jedoch schleierhaft bleibt, auf den philosophischen Vater der Neuzeit, René Descartes, für den nur eines absolut gewiss war: die Tatsache, dass er zweifle und damit denke. Nehmen wir an, es stimmt. Dann besagt dies jedoch nicht, dass das Gedachte auch stimmt, geschweige denn absolut, womit wir wieder zum Beginn dieses Gedankengangs zum Stichwort zurückkehren und ich bestimmt kein Beispiel für völlige Losgelöstheit gegeben habe.


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