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URKNALL  
Der so genannte Urknall – treffenderweise Im Spiegel der Möglichkeiten als ungehörter Knall beschrieben – gilt als Beginn der kosmischen Evolution. Falls man nicht selbst darauf kommt, verweise ich auf diesen Roman zur Erklärung der Paradoxie eines Knalls, der keiner sein konnte. -- Tatsächlich war der Big Bang im Kern ein höhnischer Wissenschaftlerwitz von Fred Hoyle, der mit der Steady-State-Theorie (Link ) eine Gegenposition vertritt (Link und Link ). Die Presse aber verstand wieder einmal nicht den Witz, sondern griff den Begriff sensationslüstern auf, weil er so anschaulich ist. (Ist das jetzt richtig formuliert? Bei Knall wäre »anhörlich« ja richtiger. Wenn es ihn aber nicht gab? Egal, verstehen wir es so oder so journalistisch.)

Im Grunde ist nicht der Knall wichtig, sondern das, was geworden ist, und das, was wird, verbunden mit der Frage nach dem Ziel. Das meinte schon Aristoteles, der viel weniger dramatisierend vom Beginn aller Bewegung sprach und aus rein logischen Gründen das Unbewegt Bewegende einführte, um sich nicht in rückblickender Unendlichkeit zu verlieren. Nachdem er das so abgehakt hatte, kümmerte er sich um die Bewegung und ihren Sinn. Uns Sensationsmenschen aber fasziniert die Vorstellung von einer supergewaltigen Explosion, die zum (Selbst-) Schöpfungsmythos des ausgehenden 20. Jahrhunderts wurde.

Zweifellos ist die Frage nach dem Anfang wichtig. Das belegen all die Schöpfungsmythen als Antwortversuche auf Sinnfragen. Gerade auch das Christentum baut wesentlich auf dem Fundament des einen Schöpfergottes auf und ging immer schärfstens gegen die Vorstellung an, Gott sei in der Natur (vgl. etwa Spinoza oder Bruno). Was in dieser Simplifizierung nicht sein darf, wenn sie sein Werk ist. Auch die Naturwissenschaft machte sich ohne ihr Kausalitätsprinzip, das konsequent immer weiter zurückweist in der Ursachenkette, geradezu lächerlich ohne so etwas wie den Big Bang. Andernfalls liefe der Verweis noch immer nach der alten aristotelischen Logik ins Endlose zurück, gäbe es keinen Ursprung, keine Ursache, keine Kausalität in ihrem Sinn. Mit dem indischen Kreis, dem Yin und Yang oder einem Möbiusband kann unsere Naturwissenschaft nichts anfangen. – Nein, das geht nicht mehr, seit die Vorsokratiker nach den Ursachen suchten und viele Antworten fanden, die alle beinahe so treffend sind wie die Antwort 42 (siehe dort, unter Ursachen bzw. Kausalität und auch bei den Vorsokratikern).

Also, was sagt die derzeit gängigste Theorie, das so genannte Standardmodell, das in seinen Anfängen der Basketballtrainer, Boxer, Landvermesser, Sprachlehrer und dann berühmte Astrophysiker Edwin Powell Hubble als Modell in die Kosmologie einführte (zur Person Link und Link , zur Hubble-Konstante Link und für Rechenkünstler Link ):
a) Am Anfang war das Nichts im Sinn dessen, was wir als Raum-Zeit-Kausal-Welt kennen. Physikalisch und auch erkenntnistheoretisch kann nichts über diesen Punkt Null hinausgehen, außer der Fantasie. Die »Größe« – ein noch irrelevanter Begriff – liegt noch unterhalb der Planck-Länge, und wegen der Heisenbergschen Unschärferelation wird man nie hinter diese »Grenze« (ein unglücklicher Begriff für eine dynamische Bewegung) blicken und »Strukturen« erkennen können.
b) Nach dieser Plank-Ära – also nach den berühmten 10 hoch -43 Sekunden – gibt es Raum und Zeit und Materie in einem Etwas, das man aber noch immer nur in modernen mystischen Bildern beschreiben kann. Sagen wir, es war der Beginn der Ausfaltung von Raum und Zeit und Energie aus dem Ureinen.
c) Nach 10 hoch -35 Sekunden ist dieses Sein so weit ausgefaltet, dass es Raum und darin Bewegung und somit Zeit gibt und Gravitation und erstmals Sonderung und Trennung. Es blitzen die Photonen auf, die wir als Welle und somit Energie oder materielles Ding zugleich betrachten können (Welle-Teilchen-Phänomen). Dieses Miniuniversum ist jetzt »nur noch« hundert Billionen Billionen Grad heiß, und in ihm gerinnt Energie zu den Grundbausteinen der Materie, den Quarks und Leptonen.
d) Auf diese »Quark-Ära« folgte die »Hadronen-Ära« (Protonen, Neutronen, Antiteilchen) bis etwa 10 hoch –4 Sekunden, und an ihrem Ende stand nicht das, was vielleicht schon unzählige Male das Resultat war, nämlich wieder das Nichts, sondern alle Materie unseres Kosmos: Aufgrund einer kleinen Asymmetrie hatten sich nicht Teilchen und Antiteilchen wieder vollständig vernichtet.
e) 3 Minuten nach dem ungehörten Knall und der »Leptonen-Ära« waren in der »Strahlungsära« noch immer Materie und Strahlung untrennbar. Nach 3 Stunden mögen wir uns eine »Supersonne« vorstellen (die ihr eigener Raum ist, nicht im Weltraum), und nach 300.000 Jahren ist ein differenziertes Universum mit Materieballungen »im« durchsichtig gewordenen Raum erreicht. Etwa 1% dieser Materie ist sichtbar, das Universum als Ganzes extrem abgekühlt (Hintergrundstrahlung wenige Grad über dem absoluten Nullpunkt). Die Galaxien vereinen sich, Sonnen und Planensysteme entstehen, und insgesamt bläht sich das All weiter auf.

Dies ist eine grobe und unwissenschaftliche Schilderung, und sie soll auch nur zur – ohnehin bekannten – Einstimmung dienen, um zu vertiefen. Dazu gibt es Dutzende Seiten im Netz, die durchaus nicht leicht zu ordnen sind. An den Anfang stellen möchte ich mit einem sehr schönen und auch digital verfügbaren Heft des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unter Link . Einen guten Überblick gibt zudem Link . Zu den Theorien sei auch auf Link verwiesen, so wie speziell zum Inflationsmodell auf eine Sendung im SWR von Ingolf Baur: Link und für alle, die Alternativen suchen z.B. auf Link .

Zu physikalischen Modellen der Entstehung des Kosmos kann auch die Hausarbeit von Jens Lampe herangezogen werden (Link ). Und zum ganzen Themenkomplex bietet die Amateurastronomische Vereinigung Göttingen eine gute textliche Darstellung mit vielen eingebetteten Links unter Link . Bei Bertram Köhler kann man genauere Angaben zu Zeiten, Massen, Energien usw. erhalten: Link . Karl-Heinz Kampert stellt 51 Vortragsfolien zum Thema »Urknall und Kosmologie« unter Link zur Verfügung. Im umfangreichen Schul-Portal von Paul Niester unter Link findet man einiges unter der Rubrik »Astronomie«, und der Überblick über kosmologische Themen von Peter Schneider Link ist zum Beispiel mit Blick auf die Entstehung der Galaxien ergiebig, wozu ich ferner auf Link hinweise und ergänzend auf den Artikel Link zum Ereignishorizont.

Auch experimentell versucht man, sich dem Urknall zu nähern (Link ), während das Thema übergreifend und philosophisch nicht sehr oft behandelt wird. Eine Ausnahme bietet Thomas Eilers mit der tollen page »Vom Mittelpunkt der Welt zum Rand des Universums« (Link ) mit viel – sehr verständlicher – Astronomie und Naturwissenschaft, eingebettet in philosophische Fragestellungen.

Nicht wenige stoßen sich daran, dass die Urknalltheorie eine These der »Schöpfung aus dem Nichts« ist, was Helmut Hille thematisiert: Link . Seine Frage, ob es »Gottes Urknall« ist, soll überleiten zu einigen Beiträgen aus biblisch-christlicher Sicht, die Johannes Blum zusammenstellte (Link ) und eine Linksammlung zu Naturwiisenschaft und Theologie: Link . Die religiöse Perspektive nimmt auch Hans Kuessner ein (Link ), der aber dennoch die kleine Story von Isaac Asimov tolerieren wird, die man unter Link findet.

Damit will ich, obwohl es viele weitere gibt, was z.B. Link zeigt, die Verweisliste schließen, doch noch einen Literaturtipp aus der Fülle des Angebotes (Link ) ziehen: Russell Stannards »Onkel Albert und der Urknall – Eine neue Geschichte um Einstein und seine Theorie« ist nicht nur für Kinder nett und lehrreich (Link Der »Urknall« spielt darin nicht ganz die im Titel versprochene Rolle, mehr die Gravitation und Relativität im Allgemeinen. Aber relativ ist ohnehin alles, auch der »Ort« des Geschehens: Wir tun selbstverständlich so, als gäbe es ein Zentrum der »Explosion«, eine bestimmte Stelle im Raum, an der das Ereignis stattfand. Raum aber wurde erst geschaffen und wird seither immer mehr. Das Bild vom Urknall ist eine Metapher, wie überhaupt immer häufiger in moderner Naturwissenschaft Bilder verwandt werden (Schwarzes Loch, Wurmloch ...), um über das eigentlich nicht mehr Vorstellbare und nur noch in mathematischen Gleichungen Kommunizierbare dennoch reden zu können. Es sind unsere neuen Mythen, weil wir es lächerlich finden, wie die Alten zu sagen, die Welt entstand, als das Weltenei aufbrach.


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