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BUCH  
Wenn Sie schon etwas älter sind, dann geht es Ihnen sicher auch so: Sie hatten mal eine Lieblingsschallplatte, können sie aber schon lange nicht mehr anhören, weil der uralte Plattenspieler längst hinüber ist. Nicht viel besser steht es mit älteren Film- und Musikbändern, ganz zu schweigen von den Floppydisks des alten 286ers inklusive der Sicherungen auf Tape. Die Datenträger sind da, doch keine Abspielgeräte mehr. Selbst wenn man noch ein 8“ oder 5,25“ Diskettenlaufwerk auftreibt, versteht der neue Rechner – es mag, wie bei mir, vielleicht der zwölfte in rund 25 Jahren sein – mit seiner neuen Software ohnehin nur noch Bahnhof (so würde es Iris Im Spiegel der Möglichkeiten formulieren).

Dagegen hab' ich nicht die geringsten Probleme, in alten oder gar uralten Büchern zu blättern, die Bilder anzusehen und die Texte zu lesen. Klar, die Sprache ist oft etwas antiquiert, und bei wirklich Jahrhunderte alten Ausgaben sind es nicht leicht lesbare Schrifttypen oder gar Handschriften. Doch man kann sich auch in die einlesen oder Griechisch und Latein lernen. Als Spezialist mag man auch mit Phönizisch oder Keilschrift zurechtkommen und Jahrtausende alte Texte übersetzen. Doch alles, was wir elektromagnetisch oder elektronisch speichern, und erst recht alles, was wir nur flüchtig durch das Netz jagen, ist in wenigen Jahrzehnten, geschweige denn Jahrhunderten niemandem – auch keinem Spezialisten – mehr zugänglich, für immer verloren und vergessen!

Durch die Abhängigkeit von der Technik und eine Entwicklung, die im elektronischen Bereich alle paar Jahre neue Systembedingungen setzt, könnten selbst Datenträger, die überdauern (und schon das ist ein Problem, denn CDs z.B. gibt man bestenfalls 50 Jahre ohne Oxidationsschäden), nur noch von alten Geräten gelesen werden, die in einigen Museen erhalten sind und irgendwann bestimmt nicht mehr funktionieren und uralte Betriebssysteme und Programme benötigen, etwa Browser. Natürlich kann man umkopieren, doch was, von wem, wie oft? Wer wählt aus, wer macht das, wer pflegt das?

Sind in einem alten Buch ein paar Wörter unleserlich geworden, bleibt doch der Rest nutzbar. Nicht so, wenn auch nur ein Bit beim Umkopieren verloren geht und von da ab im schlimmsten Fall die ganze Sequenz unleserlich wird. Aber es liegt ja vielleicht im Trend der Zeit, dass alles Alte als Schrott angesehen und überwunden werden soll, wie nicht nur die Extropier meinen, die das einschließlich dem Homo sapiens anstreben.

David Gelernter von der Yale-Universität fragt in seinem Artikel »Warum Sie an Ihrem Computer verzweifeln« (Link ) ganz simpel: »Was haben Bücher Websites voraus?« Die Antwort ist ebenso simpel: »Ein Buch kann man als Ganzes von außen betrachten. Wir wissen im Voraus, wie Bücher aufgebaut sind, wo Inhaltsverzeichnis und Register sich befinden und wie wir damit umgehen müssen. Beim Lesen wissen wir jederzeit, wo wir sind und wie viel noch übrig ist. All diese Eigenschaften besitzen Datensysteme oder Websites nicht ... Wenn es um die Organisation von Informationen geht, ist das Buch ein zu fruchtbares Modell, als dass wir darauf verzichten könnten.«

So weit so gut. Das weitere auch? Gelernter prognostiziert nämlich, dass wir künftig mit »Cyberkörpern« verbunden sein werden und unser elektronisches Leben in künstlichen Gehirnen abspeichern: »Wir können an einem Lifestream (stöbernd oder suchend) vorbeigehen oder in ihn hineinspringen und in die Informationen eintauchen ... Software vermag Probleme auf zweierlei Art zu lösen: durch Algorithmen und durch die Herstellung von Verbindungen – indem es das Problem genau an den richtigen menschlichen Problemlösen weitergibt. Die zweite Technik ist ebenso leistungsfähig wie die erste, aber bisher haben wir sie nicht genutzt ... Lifestreams und Mikrokosmen sind die beiden wichtigsten Arten von Cyberkörpern. Der Stream ist ein Augenblick im Raum, der Mikrokosmos ein Augenblick in der Zeit.«

Wer in meinem Buch gelesen hat, dem werden Gerlernters Worte verdeutlichen, warum in diesem Philosophieroman auch die »alten« Fragen um Raum und Zeit und Realität und Virtualität eine so große Rolle spielen, warum dieses Thema im Kapitel »abgespaltener Geist« vorbereitet wird. Auch wird vielleicht das Kapitel »Neues aus dem Jenseits« verständlicher, das zu der Frage führt, ob nicht letztendlich auch der Makrokosmos nur eine Simulation ist.

Wer meinen philosophischen Roman nicht gelesen hat, kann es noch tun oder überhaupt Bücher lesen. Denn auch wenn ich hier an meinem PC schreibe und das Geschriebene ins Internet einstelle und der raschen Vergänglichkeit preisgebe, so bleibe ich doch bibliophil und glaube an die Zukunft das gedruckten Buches (Link ). Natürlich ist auch das Buch ein Träger der Virtualität, denn es verknüpft die Gedanken der Menschen unabhängig von Raum und Zeit und mitunter auch über Jahrhunderte hinweg. Aber es ist zugleich materiell, wirkt durch seine physische Anwesenheit im Regal, auf dem Tisch, sollte gut in der Hand liegen, insgesamt mit Körper und Geist ein Ganzes sein.

Wer so zum Buch steht, der ist vielleicht auf der Suche nach Informationen zu Büchern und sollte nicht enttäuscht werden, obwohl es schwer ist, hier eine Linkauswahl zu treffen:

– Zur Geschichte des Buches: Link , Link , Link , Link sowie Link

– Zur deutschen Literaturgeschichte: Link , Link , Link , Link und Linkliste unter Link />
– Zum Buchdruck: Link , Link , Link und dazu als Besuchstipp Link />
– Buch- und Bibliothekskunde: Link , zum Studium Link oder Link und Linkliste Link />
– Literaturportale u.ä.: Leselupe, »Deutschlands größte Literaturplattform« Link , Schöne Literatur im Internet Link , Ollis Links zur Literatur Link , Bibliografische Links Link , Links, Tipps, Suche und Service bei Link , Link und Link

– Internet Literatur-Webring Link /> – Büchermarkt des Deutschland-Radios Link /> – Literaturhaus Stuttgart als ein Beispiel für viele ähnliche Einrichtungen Link />
Der Börsenverein darf nicht fehlen Link , auch wenn sich meines Wissens die philosophischen Fachverlage Link dort nicht immer gut vertreten fühlen.

Richtig und wichtig ist die Stiftung Lesen Link , deren Seite ich gar nicht mehr verlassen konnte. Aber das hatte letztlich technische Gründe, weil ich keinen Rückbutton finde und offensichtlich die rechte Maustaste deaktiviert wird. – Wenn Sie Ureda nicht verlassen können, dann hoffentlich nur, weil’s hier so viel zu stöbern und zu finden gibt.


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