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KAUSALITÄT  
Wenn zwei Ereignisse aufeinander folgen, mag das Zufall sein. Wenn jedoch Energie übertragen, wenn »angestoßen« wird, dann sprechen wir von Kausalität, von Ursache und Wirkung.

Kausalität (und Link ) ist eine vor Jahrtausenden unbekannte, uns heute jedoch selbstverständliche Denkkategorie. Kant meint sogar, sie sei eine apriorische Denknotwendigkeit. Heute erachten sie viele als nachträgliche Abstraktion vorausgegangener Erfahrungen aus evolutionärer, kultureller oder individueller Geschichte, was u.a. unter Ursachen angesprochen wird. Demnach ist Kausalität nur mehr eine sehr, sehr hohe Wahrscheinlichkeit (Link , Link ). Doch auch, wenn Kausalität keine Notwendigkeit ist, so sind wir doch vom kausalen Denken so geprägt, dass eine zusätzliche Behandlung zu dem, was unter Ursachen gesagt ist, gerechtfertigt erscheint:

Das Wort Kausalität stammt bekanntlich vom lateinischen causa (Grund, Ursache), geht aber auf die Griechen zurück, im »wissenschaftlichen« Sinn konkret auf die Atomisten Leukipp und Demokrit, die sagten, nichts geschehe zufällig, sondern alles aus Notwendigkeit. Die arche ist also nicht zeitlich, vielmehr logisch das Erste, der Grund. Als Materialisten verzichteten die Atomisten auf übernatürliche Begründungen, letztlich die »Hypothese Gott«. Und als Dynamiker dachten sie an Prozesse und nicht an Dinge.

Der Idealist Platon sah jedoch auf die Dinge und postulierte, ihr Wesen oder ihre Eigentlichkeit liege nicht in ihnen selbst, sondern in übernatürlichen Ideen. Sie seien gleichsam nur Erscheinungen oder Schatten des wahren Seins. Dem widersprach Aristoteles, der weder Idealist noch Materialist war und erst recht kein Pauschalist. Er differenzierte und ordnete und erschlug nicht alles mit einer fixen Idee. Vielmehr differenzierte er in Ursachen für Dinge und Ursachen für Bewegungen (Prozesse). Er ging vom jeweils unterschiedlichen Zusammenspiel mehrerer innerer und äußerer Gründe aus, nahm also Ursachenbündel an (die letztlich ganz im Sinn der Chaostheorie nie voll berechenbar sind: Link ). Das wird Im Spiegel der Möglichkeiten erklärt, kurz unter Ursachen und ebenfalls kurz und systematisch von Werner Stangl unter Link .

Im Lauf der Zeit, speziell mit dem Aufkommen der Mechanik (Galilei, Newton), wurde dieses Ursachenbündel auf die Funktionalität oder die causa efficiens reduziert, die wirkende Ursache. Sie ist eine äußere Ursache, »die Quelle, worin die Veränderung oder die Ruhe ihren Ursprung hat«, so formuliert es Aristoteles. Selbst für Newton war diese äußere Ursache ganz einfach Gott, der das globale Uhrwerk in Gang hält. Der moderne Materialismus lehnt natürlich wie schon die alten Atomisten diese These ab. Doch blickt sie zwischen zwei Scheuklappen hervor: Die eine lenkt den Blick zwangsläufig zurück, weswegen der Urknall wahnsinnig fasziniert, verstärkt vielleicht noch dadurch, dass wir lieber nicht an die Probleme denken, die wir uns und unseren Kindern im Umgang mit der Endlichkeit eines Planeten für die Zukunft bereiten. Die andere Scheuklappe beschränkt den Blick ganz im Sinn dieser deterministischen Kausalitätsdefinition (Link und Link ) auf das Äußere.

Damit sind wir weit weg von dem, was dem alten Aristo – wie er von den Mädchen im Roman genannt wird – wichtig war: Die Zielursache und ein Selbst, das sich seinem eigenen Wesen gemäß entfaltet. Es ist Zeit, die Scheuklappen abzureißen!


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