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ZEITMASCHINE  
Eine Zeitmaschine, wie sie die Älteren aus dem Roman-Klassiker von H.G. Wells (Link und Link ; zu Wells Link , Link und Link ) oder dessen Verfilmung (Link und Link ) kennen oder die Jüngeren etwa aus der dreiteiligen SF-Komödie »Zurück in die Zukunft« (Link und Link ), wird es nie geben.

Denn mit dieser konnte man in die Zeiträume vor ihrer Erfindung zurückreisen. Wäre das irgendwann in der Zukunft möglich, dann könnten wir uns nicht mehr vor Touristen aus der Zukunft retten. Auch würde man uns diese Technik so aufdringlich nahe legen wie die Amerikaner den verstecktesten Eingeborenen das Coca Cola. Bedenken Sie: Auch wenn so ein Ding zuerst aufwändig und exklusiv produziert werden würde, irgendwann erreichte es einen Zustand, vergleichbar demjenigen heutiger Autos. Und könnten von diesem Tag an bis in irgendeine ferne Zukunft hinein alle beliebig zurückreisen, hätten wir aus allen Zukünften dauernd Forscher und Touristen zu Besuch.

Also wird es die Zeitmaschine nie geben. Zumindest keine, mit der man über das Datum ihrer Erfindung zurückreisen kann. Es sei denn – könnte das nicht sein? –, der Besuch aus der Zukunft ist für die »Damaligen« unerkennbar. Erklärt das nicht die vermeintlich Außerirdischen? Liegt Erich von Däniken wirklich so daneben? Nun, ich persönlich glaube nicht, dass es in der Zukunft ein Volkssport sein wird, Kreise in archaische Kornfelder zu drücken oder – just immer in der Saure-Gurken-Zeit der Presse – anderen Schabernack zu treiben, den wir bisher nur noch nicht als Folgen von Zeitreisen erkannt haben. Schon eher glaube ich, dass es keine Zukunft mehr geben wird, in der für unsere Nachkommen noch die Entwicklungsvoraussetzungen für Zeitmaschinen bestehen ...

Wenn aber doch, dann würden damit theoretisch die berühmten Paradoxa möglich, wonach z.B. das Kind seine Eltern vor der eigenen Geburt erschießt, oder – weniger brutal – das Im Spiegel der Möglichkeiten herangezogene Shakespeare-Paradox von demjenigen, der seine eigenen Werke aus der Zukunft abschreibt. Könnte das sein? Nach den Gesetzen der Logik nicht, wie der russische Mathematiker Igor Novikov 1996 mit seiner Beweisführung klarstellte: Gäbe es Rückwärtszeitreisen, so müsste der Zeitreisende in dieser seiner Vergangenheit physisch völlig machtlos sein. Allerdings bezog sich Novikovs Berechnung auf eine Kugel, die so in ein so genanntes »Wurmloch« (siehe unter Zeitreisen) gestoßen wird, dass sie mit sich selbst in ihrer Vergangenheit kollidiert und damit aus der Bahn geworfen wird und das Wurmloch verfehlt (Link ).

Aber was heißt denn physisch machtlos? Es besagt nicht, dass die Reise unmöglich ist, nur, dass der Reisende uns nicht die Hand schütteln, seinen Vater vor der eigenen Zeugung umbringen kann oder uns das Geheimnis der Zeitreisen verrät. Aber als stiller Beobachter? Erklärte das nicht Geister und Engel? – Warum sollten Sie sich ihrer Fantasie berauben lassen, nur weil dieser Umkehrschluss unzulässig ist? Ohnehin sollten Sie sich nicht von mir ins Boxhorn jagen lassen, denn es gibt die Zeitmaschine längst: als Chronometer! Unter Link kann man bei Martin Stöcker etliches zur Geschichte der Uhr erfahren und auf der sehr schönen page Link darüber hinaus vieles zum »Zeiten«, wie es Im Spiegel der Möglichkeiten genannt und erklärt wird. Gute Verweise bietet zudem Link .

In dieser Geschichte des Umgangs mit der Zeit kann man so recht von Maschinen erst ab dem 12. Jahrhundert sprechen. Und Papst Johannes XXII. erkannte einige Zeit später die fatalen Folgen und sprach den Bann über alle aus, die sich »mit der Ermittlung von Zeiteinheiten« beschäftigen. Es half so wenig wie die Zerstörung der Uhren in der Französischen Revolution oder die Einführung des Gregorianischen Kalenders im Jahr 1917 in der Oktoberrevolution. Menschen und Systeme wollten zwar immer ihre Macht über die Zeit demonstrieren, doch stets gewann die Zeit mehr Macht über uns: Ohne die Uhr am Fabriktor hätte es keine Industrialisierung gegeben, und unsere heutige Gesellschaft wäre ohne das fein abgestimmte Diktat der Zeit, dem wir uns alle unterworfen haben, unmöglich. Ja, so schreibt Stefan Klein sehr zu Recht in »Die Tagebücher der Schöpfung« (Link ): »Die Zeit entmachtet den Raum.« Früher musste man Distanzen, Räume überwinden und benötigte dafür Zeit. Was weit weg war, war nicht relevant. Heute überwinden die Medien jede Entfernung nahezu zeitgleich. Es ist nicht mehr entscheidend, wo etwas geschieht, sondern nur noch, wann etwas geschieht.

In unserer Sprache und in unseren Köpfen besteht der anschauliche »Zeitraum« noch als Denken in Distanzen, in unserer Medienwelt aber die raumlos gewordene Zeit. Sehen Sie doch nur in die Acht-Uhr-Nachrichten: live aus Tokio, Toronto und Egalwo. Doch um Punkt Acht, nicht etwa eine Minute früher!

Die »Raumzeit« (Link und Link ) ist weit weniger anschaulich und fließt, wie wir seit Einstein wissen, nicht wie ein großer Strom, vielmehr ungleichmäßig wie ein Bach, mal mit Schnellen, mal in ruhigen Strecken und mal vor Staustellen kaum. Und nie fließt sie unabhängig von uns Beobachtern. Warum sollte es nicht doch möglich sein, das zu nutzen? Mit Energieeinsatz kann doch ein Boot auf dem Fluss sogar gegen die Strömung fahren.

Wieder einmal möchte ich Ihre Fantasie nicht beschränken, sondern sie sogar unter beamen und Zeitreisen noch beflügeln. Und wenn Sie nicht darauf bestehen, dass eine Maschine von uns gebaut und materiell sein muss , dann gebe ich Ihnen jetzt den heißen Tipp, mit dem Sie schon in wenigen Augenblicken eine Fern- und Rückwärtsreise antreten können, dabei mit ganz wenig Energie und quasi kostenlos: Nutzen sie einfach Ihre Fantasie, mit der Sie beispielsweise über ein Buch in die Gedanken längst verstorbener Autoren eintauchen können.

Und wenn Sie ein gedankliches Möbiusband dabei schlingen wollen, dann lesen Sie etwa »Die Zeitmaschine Karls des Großen« von Oliver Henkel und Literatur zum Thema »Alternative Geschichte« bzw. »Parallelwelten« und zur Geschichte und Hintergrundinfos unter Link , weil sie dann eine Zeitreise zu einer Zeitreise unternehmen. Oder, noch besser, lesen Sie Im Spiegel der Möglichkeiten, dann reisen Sie vielleicht sogar zu sich selbst zurück.


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