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DEMOKRIT  
wird auch der lächelnde Philosoph genannt, was ihn sympathisch macht. Entnommen habe ich das der sehr kurzen, aber auch nicht unsympathischen Biografie auf der Seite des Leibniz-Gymnasiums in Hannover (Link ). Etwas mehr über diesen bedeutenden Vorsokratiker, der die Theorie seines Lehrers Leukipp ausbaute, dass die Materie aus unteilbaren Grundbausteinen aufgebaut sei (was auch schon Anaxagoras behauptete), erfahren wir unter Link auf der Page der Schülerinnen Katrin Rost und Ellen Bierwisch über die Geschichte der Philosophie, die allen zu empfehlen ist, die sich kurz und oft tabellarisch einen Überblick verschaffen wollen. Mehr bietet zur Vertiefung das Philosophenlexikon (Link ) und ein schönes Schüler-Referat von Dominik Schmitt über Demokrit und Leukipp (Link ), das die ganze Lehre bis hin zur Ethik umreißt.

Dieses Lehrgebäude ist – wie unter dem Stichwort Vorsokratiker zu lesen – ausgesprochen reich: Demokrit schuf schon ein beinahe modern anmutendes atomistisches Denkgebäude, führte so etwas wie mechanische Naturkräfte oder gar -gesetze ein (Atomzusammenballungen durch »Wirbelbewegungen« und Zusammenprallen im leeren Raum nach kausaler Notwendigkeit), unterschied gleichsam erkenntnistheoretisch in die Erscheinungen unserer mittleren Welt der Wahrnehmung und die (objektive) des Mikrokosmos und damit in subjektiv (vermeintliches Vergehen und Entstehen) oder objektiv (wahr: da nur Umgruppierung der selbst unveränderlichen Grundelemente). Diese Gedanken haben uns und die Wissenschaft zutiefst geprägt, auch wenn sie mit der kopernikanischen Wende und der Neuzeit im neuen Gewand daherkamen und von Galilei, Descartes, Newton, den modernen Atomisten und Erkenntnistheoretikern neu gedacht wurden. Sie alle sind wesentlich Im Spiegel der Möglichkeiten, wie auch die Selbstorganisations-Vorstellung des Demokrit, dass sich die Materie-Welt in sich selbst und von selbst bewege.

Natürlich sind seine Modelle wesentlich einfacher als die modernen, wenn er etwa meint, dass glatte Gegenstände nur aus runden, rauhe mehr aus eckigen Atomen aufgebaut, mit Haken und Ösen zusammengefügt seien und sich rein mechanisch bewegten. Aber das Grundprinzip, dass die gesamte Vielfalt unserer Welt aus unterschiedlichen Kombinationen weniger fundamentaler (strukturloser und unteilbarer) Bausteine gebildet sei, ist genial und geht weit über die früheren Stofftheorien hinaus. Diese Reduktion auf einzelne stabile Grundbausteine, um Sein und Werden zugleich zu erklären, das prozesshafte Zusammenspiel von Substanzen und Kräften, der Verzicht auf außernatürliche Größen, die Ablösung der unberechenbaren Willkür durch gesetzliche Notwendigkeit und die Reflexion auf die Wahrnehmungs- und Erkenntnismöglichkeit des Menschen machen ihn wohl zum ausgereiftesten antiken Metaphysiker und zugleich zum eigentlichen Stammvater neuzeitlicher Naturwissenschaft.

Wer wieder ein paar griechische Texte lesen will, kann auch hier auf die Materialien von Gottwein (Link ) zugreifen. Vielleicht noch spannender, zumindest für die, die sich vom Spiegel der Möglichkeiten gefangen nehmen lassen, ist der unter Link zu findende Hinweis, dass Demokrit sogar eine Theorie der Abbildung entwickelte: Sehen bedeute, Bilder der gesehenen Gegenstände zu empfangen, die diese aussenden. Sie spiegeln sich in der Pupille, und die durchsichtigen Substanzen können als Bild bewahrt und zur Erkenntnis werden. Dies ist bezeichnenderweise eine stoffliche oder materialistische Theorie, die aber bis zu Karl Marx und Friedrich Engels immer wieder Vorbildcharakter hatte. In ähnlicher Art entwickelte Demokrit, der ja jegliche Eigenschaft auf die Atommischungen zurückführte, auch eine Farbtheorie, wie Rudi Viertel unter Link mitteilt. Wer aber in literarischer Form Demokrit und dessen Heimatstadt Abdera (in der Leukipp lehrte und aus der auch der Sophist Protagoras stammt: »Der Mensch ist das Maß aller Dinge«, Link ) erschließen möchte, für den gibt es auch einen Roman im Internet, nämlich Christoph Martin Wielands (Link , Link und dazu Link ) »Geschichte der Abderiten«: Link .

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