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URI SCHMETTERLING  
fliegt durch den Spiegel der Möglichkeiten. Nicht nur, weil er (namenlos) in diesem Roman mehrfach auftritt, sondern auch, weil er der Held meines neuen philosophischen Kinderromans mit dem Titel »Uri durch den Spiegel« ist (Leseproben trägt er mit sich, wenn er durch das Sofie-Zimmer fliegt, zudem im Skript auf Wendurs Schrebtisch). Dazu soll später der »Ureda-Garten« als interaktive Datenbank für die Kids erstellt werden.

Er fliegt, wie das bei Schmetterlingen üblich ist, immer so, als hätten Sie an Alkohol genippt. Das ist zwar in Einzelfällen auch nicht auszuschließen, denn einige stecken Ihre Saugrüssel auch gerne in faules Obst, das vergären und Alkohol bilden kann, hat aber einen anderen Grund: Feinde, etwa Vögel oder Fledermäuse, können so nur schwer die Flugbahn der Flatterer berechnen und schnappen manches Ma(h)l daneben.

Schmetterlinge (dazu Link , Link , sowie mehr unter dem Stichwort Schmetterling hier in Ureda), vor allem die Tagfalter, sind sicher die einzig bei uns Menschen wirklich beliebten Insekten. Das liegt daran, dass sie - in unseren Augen, denn selbst nehmen sie die Farben nicht so wie wir wahr, so schön sind. Ansonsten bezeichnen wir die Insekten zumeist als hässlich (sogar schon die Schmetterlingen, die wir zum Beispiel Motten nennen), lästig (wie Mücken) oder gar gefährlich, da einige auch Krankheiten übertragen, etwa die Zecken.

Schönheit ist aber keine gute oder schlechte Eigenschaft von etwas, sondern unsere Empfindung. Und auch Nützlichkeit, wie die der Biene, deren Honig wir haben wollen, ist ein Urteil einzig aus unserer Sicht und sagt nur bedingt etwas über den Wert in der Natur, im Ökosystem, aus. Das sollten wir nicht vergessen, tun es aber oft.

Kurzsichtig, wie wir zumeist beim Blick in die Natur sind, vergessen viele von uns sogar, dass diese eklige, haarige oder schneckenartige Raupe, die da unseren Salat wegknabbert, der geliebte Falter von morgen ist. - Interessant zu wissen wäre, was die Raupe über Schmetterlinge und umgekehrt weiß: Zwei oder ein Wesen und dazwischen die Puppe als drittes? (Tipp: Schaut mal unter Möbius-Band nach. Bei dem sind auch zwei Seiten klar getrennt und doch eine).

Weltweit gibt es über hunderttausend Schmetterlingsarten. Sie sehen, wenn man sich etwa welche unter anschaut (etwa: Link , Link , Link oder gar mit der webcam: Link ) sehr, sehr vielfältig aus. Aber alle haben den dreigliedrigen Insekten-Körper: Kopf, Brust und Hinterleib. Alle tragen am Kopf einen Saugrüssel und die Sinnesorgane Fühler (mit Geruchs-, Geschmack-, Tastsinn) und Facettenaugen. An jedem der wieder dreigliedrigen Brustsegmente ist ein Paar Beine und am 2. und 3. Segment ein Flügelpaar angebracht. Der Hinterleib hat 10 Segmente und nicht zuletzt die Geschlechtsorgane (siehe auch: Link ).

Je nach Lebensraum und abhängig davon, ob die Schmetterling am Tag oder in der Nacht aktiv sind, gibt es natürlich besondere Anpassungen. So können viele Nachtfalter den Ultraschall der Fledertiere hören, Tagfalter besser sehen usw. Besonders spannend finde ich, dass unsere Gaukler durch die Füße schmecken können (was sehr praktisch ist, weil man dann nicht unnötige und gefährliche Versuchsbohrungen machen muss) und dass ihre Flügelzeichnungen aus farbigen Schuppen bestehen. Diese Muster sollen auch gar nicht uns erfreuen, vielmehr der Tarnung dienen oder Feinde abschrecken. Stürzt sich etwa ein Vogel auf einen Falter und blickt plötzlich in ein Paar Katzenaugen, die der auf die Flügel gezeichnet hat, ist der Schreck groß und der Hunger schlagartig vergessen.

Nun fragt man sich, wie die Schuppenfarbe aufgetragen und das »passende« Bild gemalt wird. Die Schuppen sind umgebildete Haare und tragen einerseits Stoffe, die Pigmente, in sich, die mehr oder weniger Lichtanteile aufnehmen, brechen oder zurückwerfen (wie etwa auch in unseren Haaren) und andererseits sind die Schuppen sehr unterschiedlich geformt. Es gibt Plättchen, geriffelte, gestapelte und viele andere Formen und Anordnungen und dadurch schöne Lichteffekte.

Ausgewählt wurde das beste Muster über viele Jahre durch das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage, das wir Evolution nennen: Es gibt viele zufällige Muster. Doch wenn die Falter, deren Zeichnung z.B. etwas an Augen erinnert, weniger oft gefressen werden, können sich diese Tiere natürlich besser vermehren. Darunter sind wieder welche, deren Zeichnung noch besser einem Fuchsauge gleicht, die somit wieder bessere Chancen haben usw. -- Evolution ist Spiel der Anpassung, der Ideen, des zufällig zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein, kein Ringkampf, um den Stärksten zu ermitteln.

Unser Uri hat seinen Namen \"Schillerfalter\", weil das Blau seiner Flügelumrandung immer auftaucht und verschwindet, je nach Blickwinkel und Lichteinfall Link . Dadurch hat er etwas geheimnisvolles zwischen Realität und dem, was man virtuell nennt. Auch erinnert mich das Blau an einen Bildschirm und den Einband meines Romans Im Spiegel der Möglichkeiten Link , der zudem im Zeitraum des 15. Juni und danach spielt: Nur in diesen Wochen leben die blauen Schillerfalter. - Zumindest als Falter, denn sie sind ja auch als Raupen und Puppen und daher sagt Wendula, die weise Eule, immer Rauppuppling zu unserem Uri. Und dass auch die Raupen und Puppen in ihrer Art sehr schön sind, das zeigen uns die Bilder von Walter Schön auf seiner schönen Seite Link

Dass Schillerfalter in diesem kurzen Leben gerne an Pferdemist, Hundekot oder toten Schnecken saugen, mag uns stören. Aber wir sind es, die uns ekeln, weil wir uns anders ernähren müssen und Ekel ein Schutz vor falscher Ernährung ist. Bei unserem Gaukler der Lüfte ist es halt anders und mit einem Stück richtig gammligem, stinkigen Käse würden wir Uri (der übrigens seinen Namen von Ureda hat, nicht von einem Schweizer Kanton, auch wenn\'s dort Käse gibt) ungeheuer erfreuen.


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