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ABSOLUTER RAUM und ABSOLUTE ZEIT  
Der Schiefe Turm von Pisa (Link , Link , Link , und Link ), der dank Galilei auch Im Spiegel der Möglichkeiten vorkommt, ist 55 Meter hoch. Ist das seine absolute Höhe? – Die ganz Schlauen werden daran denken, dass er ja namengebenderweise schief ist, dadurch vielleicht relativ etwas kleiner. Verändert er sich nicht auch mit der anhaltenden Neigungsbewegung? Und wie ist das, seit man ihn wieder ein Stück aufrichtete? (Link )

Vergessen Sie diese netten Spitzfindigkeiten und konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche! Absolut heißt: ohne Abhängigkeit von etwas anderem. Die Angabe in Metern aber ist schon per Definition auf anderes bezogen, nämlich auf ein Vierzigmillionstel des Erdumfangs. Zur Eichung diente seit 1791 ein Platin-Iridium-Stab in Paris als »Urmeter«. Heute ist ein Meter definiert mit der Strecke, die das Licht im 299.792.458sten Teil einer Sekunde zurücklegt. Das mag für uns Laien unanschaulich sein, beleuchtet aber im wahrsten Sinn des Wortes die Situation: Heute gilt die Lichtgeschwindigkeit (Bestimmung Link , Facharbeit zur Messung Link , »Reise« nahe Lichtgeschwindigkeit Link ) als "Naturkonstante" (Link , Gesamt-Übersicht bei Link ), die, unabhängig von anderen Einwirkungen, im Vakuum immer den konstanten Wert von rund dreihunderttausend Kilometern pro Sekunde beibehält.

Raum und Zeit sind seit Einstein längst relative, also auch (von Massen und Geschwindigkeiten) abhängige Größen geworden und nicht einmal mehr voneinander zu trennen (eine relativ lockere Erklärung der Relativitätstheorie unter Link ). – Wie ordentlich war doch die Welt noch, als Newton die ersten großen Naturgesetze als ewige und göttliche Wahrheiten entdeckte und postulierte: »Der absolute Raum bleibt vermöge seiner Natur und ohne Beziehung auf einen äußeren Gegenstand stets gleich und unbeweglich«, und Analoges für die Zeit niederschrieb! (Zu Newtons Physik: Link ). Wie soll man mit einem Weltbild umgehen, in dem sich alles relativiert – sogar das Gesetz Gottes oder der Natur?

Ist nicht das einzig Absolute der permanente Erkenntnismangel des Menschen? – Ich sage ja und sehe darin eine wichtige, durchaus nicht niederschmetternde Erkenntnis (wobei man mir die platte Wiederholung des Sokrates-Paradoxons »Ich weiß, dass ich nichts weiß« vergeben sollte). So wie mit der Wende vom mythischen zum rationalen Denken oder mit der kopernikanischen Wende jeweils neue Denkformen, Menschenbilder, Weltsichten geschaffen wurden, so müssen auch wir die neue Zeitenwende meistern, müssen nicht nur Raum und Zeit, sondern vor allem uns selbst relativieren.


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