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PTOLEMÄUS, Claudius  
selbst kommt im Spiegel der Möglichkeiten nicht vor, lediglich das nach ihm benannte Weltbild (Definition allgemein: Link , biblisches: Link , geozentrisches: Link , der Wandel zum heliozentrischen: Link , deterministisches bzw. mechanisches Link , eine schöne und umfassende Quelle von Gerald Plewa: Link und Link , sowie zur Vertiefung naturwissenschaftlich: Link , philosophisch mit einem Text Heideggers Link und mit Blick auf ein neues: Link sowie insbesondere der in meinen Spiegel).

Es ist bei Ptolemäus das geozentrische, das mit der ruhenden Erde im Mittelpunkt des Kosmos, um die sich alle anderen Himmelskörper (Mond, Sonne, Planeten, Sternen) auf vollkommen Kreisbahnen bewegen. Dieses Bild entsprach dem klassischen Harmoniebedürfnis (Ptolemäus verfasste z.B. auch drei Schriften zur mathematischen Harmonie in der Musik). Nur passte es schlecht mit den Beobachtungen zusammen, nach denen die Planeten scheinbar kleine Rückschleifen in den Umlaufbahnen haben. Um das hinzukriegen, mussten noch Kreisbahnen um die Kreisbahnen (Epizyklen) gelegt werden. Dies wird sehr anschaulicher erklärt auf der vorbildlichen Materialseite von Ernst Leitner und Uli Finckh am Rupprecht Gymnasium München Link .

Mindestens 55 solcher Bahnen waren nötig, doch damit ein Modell geschaffen, das uns allen sehr gefällt und auch dem religiösen Weltbild des Christentums: Der gottähnliche Menschen im Zentrum allen Seins, das dieser Schöpfergott einzig und allein für den Menschen erschaffen hat. Es stützte natürlich auch die im Mittelalter ausgeprägte Hierarchie in weltlichen und religiösen Dingen, die dem scheinbar gleichen und gottgewollten Ordnungskriterium entspricht.

Das passte besser als das heliozentrische Bild, also das mit der Sonne im Zentrum der Planetenbewegung, das etwa schon Aristarch von Samos lehrte und das von Kopernikus neu aufgegriffen und (schlechter als das ptolemäische) mathematisch untermauert wurde. Erst Keplers Abkehr von der Vollkommenheit der Kreisbahnen und seinen überzeugenden Berechnungen mit elliptischen Bahnen der Himmelkörper führte zu einem genaueren Modell und letztendlich zur Annahme des sogenannten kopernikanischen Weltbildes, mit dem die Zentralstellung des Menschen arg in Frage gestellt werden musste und damit zum Niedergang des christlich geprägten Mittelalters und dem Aufstieg der wissenschaftlich geprägten Neuzeit.

Ptolemäus, der in der Blüte der Römerzeit um 100 nach Christus als Grieche in Ägypten geboren und um 160 gestorben ist – was wir neben vielen anderen biographischen Angaben und Modellerklärungen der höchst beachtlichen Seite des Schülers Julian Schwenzer entnehmen können Link – konnte natürlich weder ahnen, dass er so prägend wurde, noch, dass er Unrecht hatte.

Sicherlich ist es ihm auch egal, dass im seit 1817 immer wieder vorgeworfen wurde, er habe seine angeblichen Beobachtungen von Hipparchos von Nikäa abgeschrieben, was zuletzt 1985 belegt wurde (vgl. Link ). Jedenfalls legte er, den wir hier als Person im Bild sehen Link , unabhängig von seinem astronomischen Weltbild auch einen der Grundstein der Kartographie, indem er u. a. das Gradnetz, die Projektionslehre, die Nordorientierung und die kartographische Zeichensprache einführt. Seine Karte der damals bekannten Erde ist von höchster geografischer Qualität, wie man hier sieht: Link , wobei man es nicht versäumen sollte, die Vergleiche mit den Karten des Mittelalters zu ziehen und überhaupt die Welterfahrung im Spiegel der Kartografie zu betrachten, was unter Link möglich wird.

Für Ptolemäus, dessen Erdbeschreibung für die damals bekannte Welt mit ihren Bewohnern ebenso bekannt ist, war es zwar – wie die Kartenprojektion belegt – selbstverständlich, dass die Erde eine Kugel ist, doch seine Geografie strotzt vor Legenden. Die hielten sich, wie sein Weltbild, über tausend Jahre in der Fantasie, während die von ihm vertretene Wissenschaft dem Glauben zu weichen hatte.


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