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PLANCK, Max  
Nichts geschieht auf einen Schlag; und es ist einer meiner größten und bewährtesten Grundsätze, daß die Natur niemals Sprünge macht. Das nannte ich das Gesetz der Kontinuität, ... schrieb Gottfried Wilhelm Leibniz 1705 in seiner »Neuen Abhandlung über den Menschlichen Verstand« und sagte dabei nichts anders als schon Aristoteles zwei Jahrtausende zuvor und viele, viele nach ihm. Im Spiegel der Möglichkeiten aber springt im Atomzirkus eine Elektronenschildkröte unberechenbar von einem Ort zum andern, ohne dazu Zeit zu benötigen. Daran in Max Planck schuld! Der brach nämlich im mit dem Grundsatz "Die Natur macht keine Sprünge“ (für die, die mit Bildung angeben wollen: "Natura non facit saltus“; Link , Link , Link ).

Seit Plancks Vortrag am 14. Dezember 1900 in Berlin vermag die Natur in unserem Denken zu springen. Doch tatsächlich machte sie ihren gewaltigsten Sprung schon im Entstehen: Beim sogenannten »Urknall« oder dem »ungehörten Knall«, wie er richtiger in meinem Roman heißt. Dies zeigt erkenntnismäßig einmal mehr, dass sich die Natur nicht an unsere Denkmuster hält, weder stetig noch harmonisch noch ausgeglichen ist. Physikalisch geht es allerdings um eine unscheinbare Größenordnung von 6,2*10-43 Sekunden. Hier liegt die Grenze der kontinuierlichen Zeit(auffassung): Auch Zeit wird gewissermaßen in kleiner Münze gezahlt oder ist »körnig«, wie es zumeist heißt. Dieser minimale »Zeitraum« ist die Planckzeit oder Elementarzeit.

Er ist auch die Grenze unserer Erkenntnisfähigkeit im Hinblick auf den Ursprung des Universums. In dieser Winzigkeit, diesem beinahe Nichts, entstand alles! In einem »Davor«, das die Kosmologen die Planckära nennen (Link , Link , Link , schön im Zusammenhang: Link ). Über diese Ära werden wir nie Gesichertes sagen und gleichsam nie über die Grenze der Planckzeit blicken können (auch nicht mit unserem »geistigen Auge«), denn es die Grenze der Natur selbst. Das erkannte schon Aristoteles, für den es der Bereich des Unbewegten war, der die Bewegung hervorbrachte. Erst nach der »ersten Bewegung« sind wir im Bereich der Nature und unserer Erkenntnisfähigkeit. Diese Weiterbewegung oder (kosmische) Evolution beschreibt momentan am besten die »Große vereinheitlichte Theorie« (siehe dort). »Davor« existieren keine physikalischen Gesetze: Es ist die virtuelle Welt schlechthin!

Die physikalische Welt definieren wir zwar in Raum und Zeit, in Masse und Energie, doch längst wissen wir, dass es Denkkategorien eines Ganzen sind. Und so etwas wie das kleinste Nichtding dieses Ganzen ist es eigentlich, was die Planckzeit definiert. Sie ist nämlich bestimmt durch eine Formel aus Lichtgeschwindigkeit (c), Gravitationskonstanter (G) und einem von Planck neu eingeführten Etwas, die Planck-Kostante oder das, was wir Wirkungsquantum (h) nennen Link , Link , Link .

Man kann also rechnen in Länge (10-35 Meter), Masse (10-5 Gramm oder 1019 mal die Masse eines Protons) oder eben Zeit (die genannten 10–43 Sekunden). »Unterhalb« der Plancklänge von 1,62*10-35 hört der Raum auf, es gibt nur noch den »Quantenschaum«. Und mit der Masse geht es ebenso und wo kein Raum und keine Zeit ist, da ist auch keine Kausalität. Aber sorgen wir uns nicht zu sehr, denn das uns bekannte Universum ist 1060 Plancklängen groß und 1060 Planckzeiten alt und bietet uns 1060 Möglichkeiten zu irren.

Wie auch immer, Max Planck hat sehr stark gewirkt mit seinem Wirkquantum. Er stieß zusammen mit Kollegen wie Niels Bohr und Werner Heisenberg zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Tor zur neuen Welt der Quantenmechanik auf, mit noch längst nicht aufgearbeiteten philosophischen Auseinandersetzungen um den Dualismus, die Kausalität, modernen Holismus und neue Metaphysik (die Kernthemen meines Buches). Ja mehr noch, er brach sogar in den Wortschatz der Politiker und Wirtschaftsbosse ein. Denn allzu gerne tönen die vom Quantensprung in einer Entwicklung, ohne vermutlich zu wissen, um was es geht.

Daher – weil wir doch hier auf einer Bildungsseite sind – erst mal die knappe Erklärung für diese. Und zwar im »mechanischen Bild«, damit es nicht zu schwierig wird: Wenn ein Elektron ankommendes Licht einfängt, dann verleiht ihm dies die Energie, um auf eine weiter außen liegende Bahn zu springen. Fällt das Teilchen wieder auf eine innere Bahn zurück, so sendet es ein »Lichtpaket« aus. Dieses nennt man Quant und es ist die kleinste energetische Einheit, so wie der Cent zum Euro. Drunter geht’s nicht! Genauer stellt Plancks Konstante den Zusammenhang zwischen der Sprungweite und der Energie des ausgesandten oder eingefangenen Lichts her.

Noch immer nicht klar? Also dann empfehle ich den sonntagsredenden PISAnern zum Beispiel die Schulseite des Isolde-Kurz-Gymnasiums Reutlingen Link , auf der es mit Michael Komma anschaulich aber auch sehr vertiefend zur Sache geht. Empfehlenswert auch der Blick in die »Planckwelt« von F. Moeller Link – Weil es aber etliche Max-Planck-Gymnasien in Deutschland gibt, sollen die nicht zurückgestellt werden. Und bei einigen ist es auch nicht nötig, denn etwa das MPG in Karlsruhe bringt Infos und auch links zur Physik des Max Planck Link . Dazu aber auch Äußerungen, biografische Angaben und die zitierten »Römerbriefe« des Autors Rudolf Oeller Link Diese sollen zudem überleiten, um was es hier eigentlich geht: Den Menschen und die Persönlichkeit mit Namen Max Planck.

Eine kleine Biografie bringt das MPG meiner Heimatstadt Nürtingen: Link , mehr - speziell durch den Vortrag von Walther Gerlach das Gymnasium Schorndorf Link . Vielfältige Infos in Text und Bild erhält man unter Link auf der website des MPG München. Besonders umfangreich sind die Darstellungen des Max-Planck-Gymnasiums Düsseldorf Link . Dort wird auch vertiefend seine Situation im 3. Reich angesprochen, in der er sich für den Juden Einstein einsetzte, ausgebombt wurde und in dem er – sein schwerster Schicksalsschlag nach vielen anderen – seinen geliebten Sohn und besten Freund Erwin verlor: Der wurde als Mitwisser der Verschwörung gegen Hitler hingerichtet.

Ich will hier gar nicht Leben und Werk schildern, denn noch mehr zu Planck erfährt man unter Link und natürlich auf der Homepage der Max-Planck-Gesellschaft, der bedeutendsten deutschen Forschungsgesellschaft mit 80 Instituten und Forschungseinrichtungen Link .

Mit einem Quäntchen Glück oder mutiger Fantasie, die aber bei der vorherrschenden Bürokratisierung und Schubladisierung der Wissenschaft so unwahrscheinlich ist, dass das W in der Formel S= k*ln(W) getrost auf Null zu setzen ist (Lösungen bitte an wendur@ureda.de), findet man sogar in einem dieser Institute wieder so bahnbrechende Erkenntnisse, wie die ihres Namensgebers. – Was wäre das für ein Quantensprung!


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