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ENDE, Michael  
ist ein sehr gern, ja geradezu notwendig eingebauter Bezugspunkt Im Spiegel der Möglichkeiten, denn nicht nur sein Plädoyer zur Rettung der Fantasie, auch seine bemerkenswerten Wortspiele – von der »Unendlichen Geschichte«, die den Autorennamen spiegelt, bis zu solchen wie Bastian Balthasar Bux, also der phonetischen Anspielung auf books – sind anregend.

Es ist schön, dass dies auch Pädagogen erkannt haben und einige Schulen nach ihm benannt wurden, so die Michael-Ende Schule in Hamm mit fantasievoller Aufmachung, aber nur sehr knapper Information zum Namensgeber (Link ), das diesbezüglich großzügigere Michael-Ende-Gymnasium Tönsisvorst (Link – klicken sie auf E wie Ende, was dort ebenso wenig zum Ausstieg führt wie in den Abenteuern) mit schönen Illustrationen und die Michael-Ende-Schule für Sprachbehinderte im Kreis Neuss Link , deren namengebender Bezug zu Ende mich besonders freut, denn dieser Autor zauberte mit Sprache Fantasiebilder und schlug Brücken auch über die Sprache hinaus.

Wer unsere Seite nicht verlassen will und auch nicht den tabellarischen Lebenslauf unter Link anklicken möchte, dem sei eine keineswegs unendliche Geschichte zu Michael Andreas Helmuth Ende, der am 12.11.1929 in Garmisch-Partenkirchen geboren wurde, und seinem Werk erzählt:

Er war der Sohn eines bekannten surrealistischen Malers, der im Dritten Reich Berufsverbot erhielt, sodass Michael eine schwierige Jugend in München verbrachte, wohin die Familie gezogen war. Im letzten Kriegsjahr erhielt der Sechzehnjährige einen Einberufungsbefehl, dem er nicht folgen wollte, was dank des Kriegsendes auch nicht mehr nötig war. Er besuchte die Schauspielschule in München, liebte aber mehr die Literatur als die Darstellung. Er schrieb Texte für ein Kabarett und für den Rundfunk und sein erstes Buch »Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer«, das 1960 veröffentlicht, in über zwanzig Sprachen übersetzt wurde und Millionen Kinder (mich eingeschlossen) in den Aufführungen der Augsburger Puppenkiste begeisterte (Link ). Noch erfolgreicher wurden seine beiden Hauptwerke um die Bedeutung der Fantasie für eine lebenswerte Welt, die weit philosophischer sind, als der oberflächliche Eindruck und erst recht die Verfilmungen erkennen lassen.

1973 erschien die gesellschaftskritische Geschichte um Zeitdiebe, Momo Dazu eine schöne Seite unter Link mit Biografie und die noch informativere unter Link ; zum Buch Link und zum Film: Link und Link . Darin spielt auch Kassiopaia Link , die Schildkröte, eine Rolle , die durch Endes Garten in seinem Wohnsitz in Genzano südlich von Rom kroch und gelegentlich weiter durch die Abenteuer und den Garten von Ureda kriecht. Diese Geschichte wurde in sehr sehenswerter Form unter Mitarbeit von Ende und mit meinem Lieblingsschauspieler Mario Adorf verfilmt (Link , Link , Link , Link und Link ). Weit weniger sehenswert ist der teilweise plump-reißerische, wenn auch aufwändige Streifen um das Hauptwerk des Autors, die »Unendliche Geschichte« (zum Film die ultimative Seite von Paulchen: Link ). In diesem 1979 erschienen Buch (Link und eigenes Stichwort), das sich auch in sich selbst spiegelt, rettet Bastian Baltasar Bux für uns Menschen das bedrohte Land Phantasien. Es machte Michael Ende zum Kultautor und Wegbereiter der Fantasy-Literatur in Deutschland und mich zu einem in seiner Seelenkette. Das nachfolgend erschienene Stück »Das Gauklermächen« (1982, Link ) und »Der Spiegel im Spiegel« (1984, dazu ein Brief des Autors unter Link ) mit surrealistischen Erzählungen sowie das satirische Bekenntnis zum Umweltschutz »Der satanarchäolugenialkohöllische Wunschpunsch« (1989, Link ) sind etwas weniger gut gelungen, erst recht sein Kobold-Drama »Der Goggolori« (1984,), das frühe Stück von 1967 um das Gut der Gemeinschaft »Der Spielverderber« Link oder gar »Das Ende der Narren«, »Die Jagd nach dem Schlarg«, die Lieder und Balladen »Trödelmarkt der Träume« (eine vollständige Liste ist unter der schon bei Momo genannten sehr informativen Page im Pfad Link zu finden, dann Literatur klicken). Das mag auch daran liegen, dass ihm in diesen Stücken und Geschichten die Aussage wichtiger wurde als die sehr bildhafte, einfühlsame und kindgemäße Sprache, mit der er auch alle Erwachsenen ansprach, die noch das Kind in sich finden.

Wenn ich sagte, sein Werk habe philosophischen Charakter, so deswegen, weil zumeist die Suche nach dem eigenen Lebenssinn im Zentrum steht, Möglichkeiten angeboten und die Grenzen der Verantwortbarkeit bei ihrer Nutzung thematisiert werden. Er zeigt den Weg in die Selbstzerstörung, wenn Liebe, Fantasie, Zusammenwirken und Freude fehlen, damit aber auch den zu Besserem.

Michael Ende war seit 1964 mit der Schauspielerin Ingeborg Hoffmann verheiratet, die ihn sehr unterstütze. Als sie 1985 starb, kehrte er nach München zurück und heiratete 1989 die Japanerin Mariko Sato. Am 28. August 1995 starb Ende in Stuttgart an Magenkrebs. – Informationen, die Sie hier vermissen, können Sie bei Hocke & Kraft »Michael Ende und seine phantastische Welt« nachlesen.


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