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ACHILL  
kennen die Sportler vor allem von ihrer Sehne (sehr informativ dazu: Link ), und die Sportreporter lieben die Formulierung von der »Achillesferse«, etwa der Mannschaft, die mal die Abwehr, mal der Sturm und mal einer im Tor ist. Sie beweisen damit jedoch nicht ihre medizinischen Kenntnisse (die sich allerdings auch auf besagte Achillessehne und zusätzlich die Meniskus beziehen), sondern ihre allegorischen.

Denn Achilleus, der Kampfheld der »Ilias« schlechthin, konnte sich locker in jedes Schlachtengetümmel stürzen, weil seine Mutter Thetis ihn als Kleinkind kopfüber in das Wasser des Styx getaucht hatte, was ihn dauerhaft gegen alle Verwundungen imprägnierte (nicht mit Siegfried zu verwechseln, der später und germanischer auftritt). Mutter Thetis hatte dabei die Wahl, den Jungen in der Strömung ertrinken zu lassen, sich selbst nass zu machen oder ihn irgendwie und irgendwo im Trocknen zu halten. Sie tat dies, weil sie, die Tochter eines Meeresgottes, vielleicht süßwasserscheu war (Quellen, im historischen Sinn, liegen mir diesbezüglich nicht vor), an der Ferse eines so berühmten Fußes, dass ihn nicht nur Mythologen, sondern auch Fußballer und deren Kommentatoren zumindest dem Begriff nach kennen. So wurde Achill gewissermaßen unsterblich, obwohl ihm letztlich besagte Ferse vor Troja im Kampf mit Paris das Heldenleben kostete. Wer ihn lyrisch weiter leben lassen will, kann in Conrad Ferdinand Meyers (Link oder Link ) vierter Reise »Der tote Achill« lesen Link .

Wen die eigentliche Story interessiert, möge etwa auf eine Seite von Peter Tondl zugreifen Link oder auf die Mythologica (Link ) oder sogar auf Homers »Ilias« selbst, die man auch im Netz findet Link . Empfehlenswert zu Homer ist die Seite von Jan Thor: Link .

Die extreme Helden- und auch Rächerrolle machte Achill zum Rambo der Antike und auch zum psychologischen und literarischen »Fall« (Link ). Eine empfehlenswerte psychologische Auseinandersetzung ist Jonathan Shays Buch »Achill in Vietnam – Kampftrauma und Persönlichkeitsverlust« (Link , Kritik: Link ; dazu auch: Link ).

Im Spiegel der Möglichkeiten tritt Achill im fiktiven Lauf mit der Schildkröte (siehe Achilles und die Schildkröte) auf, eines der berühmten Paradoxa des Zenon. Auch in der »Ilias« läuft er mehrmals, darunter einmal in einem Traum, den wir ähnlich wohl alle kennen: Er will Hektor verfolgen, kommt aber praktisch nicht von der Stelle. Dieser traumhafte Lauf wird als solcher erkannt bzw. vom Autor als »der Angst entspringend« interpretiert. Daher sieht Christoph Zürcher in seiner empfehlenswerten Abhandlung »Erwachen des Bewusstseins« unter Link diesen Erkenntnisschritt als einen aus der mythischen Traumwelt zur rationalen Erklärung. Tatsächlich setzen inzwischen die meisten Historiker die Schriften Homers als wesentliche Initiative, zumindest aber Dokument zur Paradigmenwende vom mythischen zum rationalen Denken an, das über wesentliche Beiträge der Vorsokratiker im »Logos« des Sokrates und seiner Schüler zum Abschluss kam.


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