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BEWEGUNG  
Warum ruht nicht alles? Warum ist die Natur in ständiger Bewegung? Warum kreisen Elektronen in Atomen, Planeten in Sonnensystemen, Galaxien im Kosmos? Warum dehnt sich das Weltall aus, entwickelt sich das Leben immer weiter? Warum bewegt es sich im ständigen Werden und Vergehen der Einzelnen und der Arten? Warum laufen, fliegen, schwimmen die Tiere? Warum bewege ich meine Finger, um dies zu schreiben, meinen Geist, um zu denken?

Solche Fragen scheinen lächerlich in einer Welt, in der Bewegung so selbstverständlich ist. Ja, unsere Welt existiert nur, weil sie in Bewegung ist. Ohne Bewegung gäbe es keinen Raum und keine Zeit – nicht umgekehrt! Denn Raum und Zeit sind nicht da wie Kisten oder Flüsse, sie ergeben sich aus der Bewegung seit dem Urknall.

Schon die alten griechischen Philosophen stellten sich diese grundlegende Frage und beantworteten sie unterschiedlich. Parmenides und sein Schüler Zenon sahen die Bewegung nur als Schein oder gar Betrug an. Denn ein echtes und vollkommenes Sein wird ja nicht mehr, es muss und darf sich nicht mehr verändern. Platon trennte diese Welt des wahren Seins – er nannte sie die Welt der Ideen – ab von unserer natürlichen Welt. Diese sein nur die der Erscheinungen oder Schattenwürfe des vollkommenen Seins.

Aristoteles schätzte die Eigenbewegung der Natur, ihren inneren Antrieb, ihr Streben und Entfalten. Da aber jede Bewegung eine Anfang haben muss, schuf er das Bild einer Kraft, die diese Bewegung angestoßen hat, selbst aber vollkommen in sich ruht: den Unbewegten Beweger. Dieses Bild ging auch als Schöpfergott in die Religionen ein. Doch viele verstanden Aristoteles so wie Cusanus, Spinoza oder Bruno: die Natur ist nicht abgetrennte Schöpfung, sondern Entfaltung des göttlichen Wesens.

Heute denken wir naturwissenschaftlich nüchtern und sagen in der Sprache der Physik, dass Bewegung die Änderung des Ortes mit der Zeit ist. Oder wir denken ganz alltäglich an die körperliche Bewegung, nicht zuletzt als Sport.

Wie auch immer: Bewegung hat Anfang und Ende wie das Leben. Die Ewigkeit ist tot, weil unbewegt.


Anmerkung: Dies ist ein „Klickwort“ zum Hör-, Seh- und Klickbuch „Uri durch den Spiegel“ für Kinder von Karl-Josef Durwen. Hörproben und Downloads unter Link (Klickbuch) bzw. Link (Hörbuch)


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