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EKEL  
Viele Menschen ekeln sich vor Maden oder Raupen, doch in weiten Regionen Afrikas gehören sie zu den Lieblingsspeisen. Zudem sind es die besten Lieferanten von Eiweiß, die es überhaupt gibt. Nun ja, Afrika scheint weit.

Doch wie steht es mit Kutteln, Bries und Brägen? In Baden-Württemberg sind das geradezu Nationalspeisen, die Mehrzahl der Deutschen aber ekelt sich vor Mägen (Kutteln), Lymphdrüsen (Bries) und Gehirn (Brägen) als Nahrung.

Kleine Kinder ekeln sich – um ein weiteres Beispiel zu nennen – keineswegs vor (ihrem) Kot und spielen damit. Nahezu alle Erwachsenen könnten das nicht, empfinden Widerwillen, Übelkeit und Brechreiz. Ist also Ekel anerzogen?

Es scheint so, denn Tiere meiden zwar Verdorbenes, doch Ekel kennen sie wohl nicht. Versuche zeigen, dass wir uns vor bekömmlichen Speisen, wie Schokoladenpudding ekeln, wenn sie unappetitlich (etwa wie eine Häufchen) hergerichtet werden, während Verdorbenes nicht abschreckt, wenn es schön hergerichtet wird. Sagt man jemandem, man hätte ihm in die Suppe gespuckt, dann ekelt er sich davor, auch wenn das nicht stimmt.

Dennoch erkennt man, dass ein solches Verhalten im Grunde nützlich ist. Weltweit ekeln sich nämlich die Menschen vor Eiter, offenen Wunden, Erbrochenem, Kot, Verwesendem oder Verschimmelten. Das sind starke Warnsignale, denn leicht kann man sich anstecken oder vergiften.

Weltweit gibt es einen typischen Gesichtsausdruck des Ekels, der sogar ausgelöst wird, wenn einen andere Menschen echt anekeln: Die Nase wird gerümpft und die Oberlippe hochgezogen, während die Mundwinkel nach unten gehen. Bei starkem Ekel wird zusätzlich leicht die Zunge herausgestreckt.

Wie lässt es sich erklären, dass es weltweit den Ekel bei den Menschen gibt, es jedoch sehr unterschiedlich ist, wovor man sich z.B. bei Speisen ekelt? Wie kann man erklären, dass kleine Kinder sich nicht ekeln und z.B. Krankenschwestern den Ekel vor Eiter, Ausscheidungen u.a. überwinden?

Weil die Fähigkeit, Ekel zu empfinden, angeboren ist. Das aber, wovor man sich ekelt, ist erlernt.

Wie mit allem in der Welt, haben die Geschäftemacher längst auch den Ekel als Geldquelle entdeckt (denn Geld stinkt bekanntlich nicht – so sagte es der römische Kaiser Vespasian, als er die Klosteuer einführte). Neben Horrorfilmen gibt es so genannte Unterhaltungssendungen, wie das „Jungle Camp“. Da lassen sich angeblich Prominente – die man bestenfalls deswegen kennt, weil sie für Geld und Selbstdarstellung alles tun – mit Tausenden von Kackerlacken überschütten. Oder sie waten durch Würmer- und Blutegelpools um den Zuschauern die Lust am Ekel zu befriedigen. Ekelhaft!


Anmerkung: Dies ist ein „Klickwort“ zum Hör-, Seh- und Klickbuch „Uri durch den Spiegel“ von Karl-Josef Durwen. Hörproben und Downloads unter Link (Klickbuch) bzw. Link (Hörbuch)


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