|
|
|
|
| EIGENSCHAFT | ||
| Jedes Ding hat Eigenschaften. Ohne diese wäre es nicht das, was es ist. So ist eine wesentliche Eigenschaft des Balles rund zu sein. Eckige Bälle gibt es so wenig wie runde Würfel. Die Haupteigenschaft der Pflanzen ist, selbst durch Photosynthese die Energie und die Stoffe zum Leben zu gewinnen. Eine Eigenschaft der Fische ist es, schwimmend im Wasser zu leben. Die spezielle Eigenschaft der Menschen ist die Fähigkeit denken zu können. Tausend weiterer Beispiele kann jeder leicht selbst nennen. Denn wie selbstverständlich kennen wir die Eigenschaften der Dinge und nutzen sie. Die Eigenschaften von Stein, fest und widerstandsfähig zu sein, nutzen wir für Mauern. Die von Glas, fest und durchsichtig zu sein, für Fenster. Wir kleiden uns in weiche Stoffe und ernähren uns von Brot und Fleisch und keineswegs von Kohle und Stahl. Wenn wir über die so unterschiedlichen Eigenschaften nachdenken, so fällt uns auf, dass es solche gibt, ohne die das Ding eben nicht genau dieses Ding wäre (eben die runde Form für Bälle) und solche, die nicht wesentlich sind (der rote Ball ist genau so ein Ball wie der blaue). Es gibt also Eigenschaften, die das Wesen der Dinge bestimmen – man nennt sie die primären – und solche, die zweitrangig sind (sie heißen daher sekundär). So sind der Besitz von zwei Greifwerkzeugen und der aufrechte Gang primäre Merkmale der Menschen. Körpergröße, Alter und Haarfarbe aber sind sekundäre Merkmale, so relativ wichtig sie für die einzelne Person auch sein mögen. Denkt man noch weiter nach, so stellt man sich irgendwann die Frage, ob Eigenschaften wirklich den Dingen „eigen“ sind, wie das Wort es behauptet. Denn Eigenschaft ist ein altes Wort für Besitz. Ist es nicht viel mehr so, dass wir den Dingen die Merkmale zuordnen? Vergleichbar mit dem, dass wir einem Neugeborenen den Namen Anna oder Eva geben und einem neu entdeckten Stern die Nummer A312-4. Philosophen wie Platon sagten, es gebe diese Eigenschaften „an sich“. Wir könnten durch unsere Denkfähigkeit die jeweils „richtigen“ erkennen. Heute geht man davon aus, dass die Eigenschaften nicht einfach da sind, sondern Ergebnisse unseres Denkens. Denn wir müssen Ordnung in das bringen, was wir von der Welt wahrnehmen. Eigenschaften sind dann die Beziehungen, die die Dinge zu uns haben. Das klingt komplizierter als es ist. Mit einem Beispiel wird es leicht: Nenne ich dich einen Tollpatsch, dann ist diese Eigenschaft mein Eindruck von dir, mit dem ich dich in eine meiner Gedankenschubladen lege. Du selbst siehst dich vielleicht als völlig normal an. Die Bewohner aus dem Sternensystem A312-4, die wie Schnecken kriechen und nur eine Hand mit zwei Krallen besitzen, feiern dich bei deinem Besuch wegen deiner geradezu wunderbaren Eigenschaft der Geschicklichkeit. Alles ist richtig - jeweils in seiner speziellen Beziehung, nichts ist dir "von sich aus" eigen. Anmerkung: Dies ist ein „Klickwort“ zum Hör-, Seh- und Klickbuch „Uri durch den Spiegel“ von Karl-Josef Durwen. Hörproben und Downloads unter Link (Klickbuch) bzw. Link (Hörbuch) |
Portal Ding Wesen Pflanzen Photosynthese Energie Stoff Leben Wasser Mensch Fähigkeit denken Beispiel Form Farbe Frage Wort Philosophen Platon Erkenntnis Ordnung Wahrnehmung Beziehung Welt Tollpatsch Eindruck Gedanken Stern Schnecke Kralle Wunder Ureda | |
| Impressum / Haftungshinweis Ureda © 2002 K.-J. Durwen |