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NUTZEN und SCHADEN  
Was nutzt die Unterrichtspause, wenn man schulfrei hat? Was nutzt ein Erfrischungsgetränk, wenn man nicht durstig ist? Was nutzt einem der Sechste Sinn, wenn man die ersten fünf nicht beisammen hat?

Nichts ist von sich aus nützlich, sondern immer in Bezug auf uns selbst und die Umstände. Das ist beim Schaden – dem Gegenteil des Nutzens – nicht anders. Der Blechschaden am Auto wird nicht dem Auto zugefügt, denn dem toten Ding ist das völlig „schnurze“, sondern dem Nutzer bzw. Besitzer des Fahrzeugs. Die Menschen in der Werkstatt, in dem der Wagen repariert wird, ziehen aber Nutzen daraus, denn ohne Blech-, Motor- und Getriebeschäden hätten sie kein Einkommen.

Oft ist der Nutzen des einen der Schaden des anderen. Das ist offensichtlich bei Dieben und Betrügern. Doch es beginnt schon bei den ersten Lebensformen, weil das, was sich ein Wesen einverleibt, anderen nicht mehr zur Verfügung steht. Alle Pflanzen, Tiere und Menschen stehen in Konkurrenz, wie man das in der Ökologie und auch in der Wirtschaft nennt.

Konkurrenz ist keineswegs schlecht. Das Streben nach Nutzen ist ein gewaltiger Antrieb und Konkurrenz belebt das Geschäft. Ohne diesen Antrieb und die Auseinandersetzung mit anderen, die ebenso nach ihrem Nutzen streben, gäbe es keine Evolution.

Doch gäbe es auch kein höheres Leben und schon gar nicht den Menschen, wenn man nicht zusammenarbeitete. Dass z.B. Bienen die Königin ernähren und pflegen, Ameisen für andere Futter in den Bau schleppen oder Eltern ihre Kinder großziehen, nutzt – wenn man nur an sich selbst denkt – gar nichts. Im Gegenteil; man muss auf vieles verzichten und mehr arbeiten.

Es nutzt jedoch der Gemeinschaft, der Art und letztlich dem ganzen Ökosystem. Die Natur hat den gemeinsamen Nutzen über den der einzelnen Lebewesen gestellt, weil es andernfalls überhaupt keine Lebewesen gäbe. Der Satz vom Überleben des Stärkeren ist falsch, denn die Intelligentesten setzen sich durch. Zur Intelligenz der Evolution gehört wesentlich die Vielfalt der Aufgabenteilung, der gegenseitige Nutzen. Der beginnt schon damit, dass alle Stoffe in der Nahrungskette recycelt (wie man heute sagt) werden, also andere wieder das nutzen können, was nur scheinbar verbraucht, tatsächlich aber gebraucht wurde.

Das Erfolgsrezept der Menschen ist die Gemeinschaft, in der man die Arbeit teilt und sich gegenseitig unterstützt. Davon profitiert jeder. Doch so wie es auch im Pflanzen- und Tierreich Parasiten und Schmarotzer gibt, so gibt es auch viele unter den Menschen. Nicht nur die Diebe und Betrüger schaden bewusst zum eigenen Nutzen anderen, auch die rücksichtslosen Geschäftemacher. Da sie Geld und Macht haben, die „Macher“ und Geschäftstüchtigen sind, werden sie auch noch bewundert, während die Mütter, die Pfleger und alle die, die sich redlich nicht nur zum eigenenm auch zum Wohle anderer abrackern, übersehen, ja ausgerechnet noch von den „Absahnern“ herablassend behandelt und verlacht werden.

Die einen nützen, die andern nützen aus. Die Ausnützer mögen als die Stärkeren erscheinen, doch erinnern wir uns: die Intelligentesten setzen sich durch und nicht die, die nicht einmal erkennen, dass sie Trittbrettfahrer sind.


Anmerkung: Dies ist ein „Klickwort“ zum Hör-, Seh- und Klickbuch „Uri durch den Spiegel“ für Kinder von Karl-Josef Durwen. Hörproben und Downloads unter Link (Klickbuch) bzw. Link (Hörbuch)


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