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HÖHLENGLEICHNIS (kurz)  
Das Höhlengleichnis ist ein berühmtes Gedankenbild des Philosophen Platon, der damit veranschaulichen will, dass unsere natürliche Welt nur wie der Schatten einer übernatürlichen Welt ist. Das wird in „Uri durch den Spiegel“ erklärt. Denn in dieser Geschichte hat unser Schillerfalter einen diesem Höhlengleichnis ganz ähnlichen Traum:

„Ich war wieder im Turm. Oder war es eine Höhle? Zumindest war es dunkel und eng. Ich hatte Angst. Angekettete Menschen saßen dort und starrten auf eine Wand. Die war vom Licht erhellt, das durch den Eingang herein fiel. Über die Wand aber flatterte ich. – Nicht wirklich, nur mein Schatten, denn ich bewegte mich bei meiner Flucht vor der hellen Öffnung.

»Oh, welch herrlich Ding!« schallte es da wir im Chor durch den Raum. Neugier und Eitelkeit bremsten mich.

Die Gefesselten starrten auf meinen doch so plumpen Schatten, denn umdrehen konnten sie sich nicht. »Schön«, erschallte es wieder, »wunderbar, dass wir das sehen und erkennen können!«

Noch immer aber meinten sie meinen flachen, grauen und verzerrten Schatten, der über die Wand kroch, nicht mich, die doch viel reichere, schönere Wirklichkeit. Gerne hätte ich ihnen das gesagt, mich ihnen körperlich, schillernd und im freien Flug gezeigt, doch meine Angst war zu groß; ich entfloh zurück ins Sonnenlicht, in dem ich wohlig erwachte.“

Die weise Schildkröte Kassiopeia erklärt ihm später: „Platon wollte sagen, dass alles in der Natur wie gefesselt in Finsternis und Dummheit ist. Naturwesen erkennen nicht die Wahrheit, halten Schatten für Wirklichkeit. Als Teil der Natur haben wir nur Schein-Erkenntnisse der Welt jenseits der Höhle. Denn dort ist das Licht der Erkenntnis, ist Wahrheit und Vollkommenheit. Er nannte diese Welt außerhalb oder jenseits der Natur das Reich der Ideen. Es sei das Reich des Geistes, aus dem die menschliche Seele mit der Vernunft stamme.“

Uri fragt nach: „Dann gehören also die Menschen nicht zur Natur und können alles erkennen und alles wissen und vollkommen sein?“

„Das meinen die Idealisten. Sie meinen, der Geist sei übernatürlich, frei und gut. Doch er sei gefangen in Körpern, würde betrogen durch die Sinne, irritiert durch Gefühle. Sie meinen, die Natur lenke mit Hunger und Schmerz, Krankheit und Tod, Liebe und Leidenschaft immer nur von der Wahrheit ab. Sie gaukle plumpe Schatten als zum Beispiel Schmetterlinge vor. Nur mit der Befreiung von der Natur – also vom Materiellen – erreiche man das eigentlich wahre und gute Sein. Diese ideale Welt im Jenseits anzustreben, in die die Seele zurück kann, das soll der Sinn des irdischen Lebens sein.“

Weiter erklärt sie, dass nach dieser Lehre die übernatürliche Seele die Denkfähigkeit und die Fähigkeit zur Erkenntnis aus jener Welt der Ideale mit sich bringe. Die Anhänger dieser Lehre vom übernatürlichen Geist nenne man Idealisten.

Dagegen gingen die Realisten davon aus, dass die Natur nicht nur das Körperliche – die Materie oder das Reale – sondern auch die Denkfähigkeit hervor gebracht hat. Der Geist sei nichts Unnatürliches.

Aristoteles, der größte Schüler Platons, sage schon, es könne zwar eine Welt außerhalb der Natur geben, doch dazu könnten wir in dieser Welt rein gar nichts sagen. Daher dürfe man auch nicht behaupten, eine uns unbekannte Welt wäre vollkommen gut, die uns bekannte aber nur schlecht.

Jedes Ding habe seinen eigenen Sinn und Wert in der Natur selbst, nicht als Schatten einer anderen Welt. Auch brauche man keine Welt der Ideale, um das Wesen der Dinge zu erkennen: Wenn wir unseren natürlichen Verstand – das ist die Fähigkeit, die Sinneseindrücke zu verarbeiten und zu ordnen – benutzen, dann können wir das auch.

(siehe auch unter Link )

Dies ist ein Klickwort zum Hör-, Seh- und Klickbuch „Uri durch den Spiegel“ von Karl-Josef Durwen. Hörproben und Downloads unter Link (Klickbuch) bzw. Link (Hörbuch)



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