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| SOLIPSIST | ||
| Ein Solipsist kann sich nicht im Spiegel sehen. Nicht, weil er keine Augen hätte, sondern weil es keinen Spiegel gibt. Den unabhängigen Spiegel gibt es nicht, weil es gar nichts gibt außer einem einzigen, jedoch bewussten Sein, eben dem »Allein-Selbst«, wie man übersetzen könnte. Doch, der Spiegel existiert, bemerkt Peter Möller zurecht (dazu: Link ). So wie alle Welt im Denken dieses denkenden Dings. Bewusst oder unbewusst. Er könnte Traumgebilde sein, Teil der Simulation auf einem erdachten Computer oder Teil des "Nicht-Ichs", das sich nach Fichte dem Ich in einem vorbewussten Stadium entgegen stellteDieser erkenntnistheoretische Standpunkt, den René Descartes schon versuchsweise einnahm und dann später George Berkeley ausarbeitete, wird im Spiegel der Möglichkeiten als absurd dargestellt. Das ist konsequent, weil in diesem Buch die These vertreten wird, dass das Bewusstsein erst durch äussere Spiegelung, dem Austausch mit einem echten Gegenüber entsteht. Deshalb sei auch hier der freche Ton erlaubt: Denn entweder stimmt die Grundannahme des »harten« Solipsismus', dass es nur die eigene Wirklichkeit ( So viel zur Provokation, die zudem noch Logiker auf die Palme bringen könnte, wenn es sie denn gäbe. Das aber ist – wie eigentlich alles – nicht mit absoluter Gewissheit zu sagen!: Eine Aussage, der sich Wendur im Buch und ich mich in Ureda durchaus immer wieder anschließe. Damit aber wird der Solipsismus in seiner »weichen« Form plötzlich hochinteressant: Wenn man nämlich nicht an die platonische Welt reiner Ideen glaubt, nicht an Newton'sche absolute Naturgesetze, das Kant'sche Apriori und einen Schöpfergott, der »echtes Sein« schuf und an dessen Weltvernunft wir alle teilhaben, dann bleibt tatsächlich zunächst einmal nur die Erkenntnis der eigenen Existenz als Haltegriff: Dass ich bin, kann ich nicht leugnen, wenn ich das bin, das so denkt (und selbst, wenn nur in mir gedacht würde, existierte diese Hülle, die Ich genannt wird). Alles, was ich nicht bin, ist mir – als nicht dem Idealismus anhängenden und dennoch denkendem Ding – nicht in Form gesicherten Wissens zugänglich, nur in Form von Interpretationen: Ich nehme etwas wahr, doch das muss nicht Wahrheit sein. Das sagten schon die Eleaten, und viele Beispiele gerade auch in meinem Buch versuchen, die Relativität von Wissen und erst recht von »Wahrheit« zu verdeutlichen, sogar die Subjektivität aufzuwerten. Berkeley sagte, dass die »Dinge« nicht unabhängig von Wahrnehmung ( Ich prüfe mich und kann nicht die übrigen Ichs oder alle Existenz bezweifeln bzw. ablehnen: Wenn alle Ichs Glieder einer gemeinsamen Evolution sind, gibt es auch den gemeinsamen Erkenntnisbaum, der isolierte Ich-Erkenntnis ausschließt: individuell verzweigt aus einem Stamm. Dann mag alles aus der Sicht eines völlig anderen, uns nie zugänglichen Bewusstseins virtuell sein, doch aus unserem gemeinsamen und kommunizierten Selbstbewusstsein entspringt notwendigerweise die für uns einzig mögliche Realität. Sie ist Resultat, nicht Vorgabe! Schnell kommt man so auch zu einem holistischen Bild, sogar zu dem des sich selbst erkennenden göttlichen Wesens. Das kann eines sein und spiegelt doch in differenzierter Vielfalt alle Spiegel. Allzu viele Beiträge – allerdings mehr als einen einzigen, was doch irgendwie auch seinen paradoxen Sinn gehabt hätte – finden sich nicht im Netz. Gefallen hat mir, dass sich unter |
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