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| EMPEDOKLES von Agrigent | ||
| ist einer der wenigen Vorsokratiker, der nicht direkt aus dem Spiegel der Möglichkeiten schaut. Dass er nicht namentlich erwähnt wird, wundert mich im Nachhinein selbst (und ich sollte diesbezüglich einmal mit Heureka und Wendur reden, die in ihrem Unterricht wohl etwas nachlässig waren), denn er ist mir in seiner Grundhaltung besonders sympathisch: Dachte er doch ganzheitlich und dynamisch und damit ganz in der Zielrichtung des Buches. Allerdings war er auch, wie B. Russell in seinem großen Werk der »Philosophie des Abendlandes« gleich im ersten Satz schreibt, ein Scharlatan. Das aber gilt für andere und größere Philosophen auch und kann eigentlich nicht der Grund dafür sein, dass man auch im Internet (in dem es doch reichlich Scharlatane gibt) recht wenig über diesen Metaphysiker und eigentlich auch Erkenntnistheoretiker erfährt. Also sollen Sie hier etwas zu ihm erfahren, wenn Sie nicht bei Hans Störig, der ihm eine Seite widmet, oder Göbel, bei dem es immerhin deren vier sind, oder bei Jaap Mansfeld – um einige allgemeine Bücher zu nennen, da ich keine speziellen kenne – nachlesen wollen. Sie können sich aber auch im Philosophen-Lexikon unter Empedokles lebte auf Sizilien, genau in Akragas (Agrigent: Ein Besuch der Stadt mit den antiken Tempeln und dem Museum lohnt! Ein erster Eindruck (auf den Spuren Goethes): Aufgrund dieser Mischtheorie spricht man in Abgrenzung zu den ionischen Monisten, die alles aus einer Ursubstanz erklären wollten, auch vom Pluralisten (unter diesem Stichwort auch eine kurze Darstellung von Katrin Rost und Ellen Bierwisch unter Übersetzt man die Aussage, dass sich die Elemente bald in Liebe vereinen, bald im Hass trennen, in den heute nüchterneren und nicht personifizierten Sprachgebrauch, so kann man (wohlwollend) sagen: Es gibt physikalische Kräfte der Anziehung und Abstoßung bzw. chemische Reaktionen der Bindung und Spaltung. Spannend und geradezu das Bild des werdenden Gottes Im Spiegel der Möglichkeiten heraufbeschwörend aber ist, dass Empedokles behauptet, am Anfang sei alles in Liebe beisammen gewesen, habe sich dann durch die Gegenkraft in die Elemente zersetzt, die dann wieder durch die überwindende Liebe vereint werden. Auf dieses polare oder dialektische Prinzip berief sich auch Aristoteles, der es zu dem der Verflechtung und Entflechtung machte und als anangke ansah (Zwang; heute würde man »Naturgesetz« sagen): Die Mischung der Elemente nach Empedokles »muß eine Vereinigung sein wie eine Mauer, die aus Ziegelsteinen zusammengefügt ist. Und diese Mischung wird aus Elementen bestehen, die als solche unverändert bleiben, aber in kleinen Teilen nebeneinandergefügt sind. Und ebenso ist es mit der Substanz des Fleisches und jedem andern Stoff.« [Aristoteles: »Vom Entstehen und Vergehen« II 7. 334a]. Wesentlich ist, dass Empedokles erstmals so ursächlich von dynamischen Kräften und nicht einfach statischen Urstoffen ausging, womit er maßgeblich Aristoteles und dessen Kausaltheorie beeinflusste. Letztlich stellte sich Empedokles die natürliche Welt so vor, dass innerhalb der Ewigkeit und Unveränderlichkeit (bei ihm die Stoffe und Kräfte, also Materie- und Energieerhalt), die nicht zuletzt die Eleaten unterstellten und dann Platon zur eigentlichen und wahren Realität, dem Reich der Idee, machte, zugleich das »natürliche« Entstehen und Vergehen durch die Mischung und Entmischung erklärt werden kann. Diese Unveränderlichkeit ist bei den Juden und z.B. auch Thomas von Aquin die Eigenschaft Gottes (siehe Bei Empedokles ergibt sich daraus dennoch Bewegung, das Werden im Sein. Und das Werden beschrieb er sogar schon in einer Art »Evolutionstheorie« (wie auch Anaximander) mit folgender Entwicklungsreihe: Erst niedere, dann höhere Organismen, erst Pflanzen dann Tiere, dann die Menschen. Dabei seien zuerst Wesen entstanden, die beide Geschlechter in sich vereinten, bevor sie sich trennten. Über die organische Natur hinaus wandte Empedokles seine Theorie auch auf die Seele an (damals ein Sammelbegriff für Geist, Gefühl, Denken): Seele sei die Fähigkeit, wahrzunehmen und zu denken. Diese Fähigkeit liege im Blut, das er wohl wie eine Elementemischflüssigkeit einschließlich der Kräfte ansah. Sinneswahrnehmung entstehe durch Berührung von Gleichem mit Gleichem: »Denn mit der Erde (in uns) sehen wir die Erde, mit dem Wasser das Wasser, mit der Luft die göttliche Luft, aber mit dem Feuer das vernichtende Feuer, mit der Liebe die Liebe, den Streit mit dem traurigen Streite.« Erkenntnistheoretisch ist die Folgerung die, dass auf Grund der aus den Grundelementen zusammengesetzten – somit natürlichen – Seele diese auch die Fähigkeit besitzt, die Elemente und die Natur zu erkennen. Zum Tod des Empedokles gibt es sehr unterschiedliche Aussagen. Die einen behaupten, er sei heimlich geflohen, als er zuviel Ärger am Hals hatte, die anderen (darunter die Fremdenführer auf Sizilien) erzählen die viel interessantere Story, dass sich der Göttliche in den Ätna gestürzt habe, um keine Spuren auf der Erde zu hinterlassen. Genau das aber tat er doch, denn der Krater spuckte seine goldenen Sandalen wieder aus. Dabei steht die materielle Fußbekleidung wohl für das virtuelle Symbol, denn die Spuren, die Empedokles hinterlassen hat, sind etliche Nummern größer als sein Schuhwerk. In diesem Sinn interpretiere ich auch die Begründung, die Jürgen Teubler für die Namenswahl seiner Lyrik-Homepage »Empedokles« unter Damit ist auch die Brücke zu diesem »Nürtinger« Dichter geschlagen, der nicht nur ein Gedicht über Empedokles verfasste ( |
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