{"id":2378,"date":"2019-01-23T13:34:53","date_gmt":"2019-01-23T12:34:53","guid":{"rendered":"http:\/\/2018.ureda.de\/?page_id=2378"},"modified":"2019-01-23T15:00:41","modified_gmt":"2019-01-23T14:00:41","slug":"auszug-aus-kapitel-data-hat-angst","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.ureda.de\/?page_id=2378","title":{"rendered":"Auszug aus Kapitel &#8222;Data hat Angst&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p>Am n\u00e4chsten Mittag sahen sich die M\u00e4dchen die Aufzeichnung vom Vortag an und diskutierten dar\u00fcber. Sie waren sich einig, dass ein Roboter unm\u00f6glich Angst haben kann. H\u00f6chstens eine Verwirrung in den Schaltkreisen oder einen Defekt im Programm.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbObwohl\u00ab, schr\u00e4nkte Iris dennoch ein, \u00bbData ist wie lebendig. Ob Muskeln oder Motoren, ob Nerven oder Leitungen, ist doch nicht so wichtig. Und sein Elektronengehirn ist besser als das jedes Menschen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWas aber nichts mit Gef\u00fchlen zu tun hat. Die geh\u00f6ren zum K\u00f6rper, nicht zum Geist.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbSo einfach kann man das bestimmt nicht trennen\u00ab, widersprach Iris.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbEigentlich Mist, dass man so was nicht wei\u00df, nur all den Schulkram.\u00ab Dann gestand sie: \u00bbVorgestern weckte mich ein Albtraum. Deswegen habe ich \u00fcberlegt, was Angst ist, und ob Kuschel sie haben kann. Weiter h\u00e4tte mich das nicht besch\u00e4ftigt, doch abends meinte ich, eine Stimme zu h\u00f6ren, die \u201ebewusst sein\u201c sagte. Gestern erschien &#8211; vielleicht von einem Virus &#8211; ein komischer Satz \u00fcber Sein und Denken auf dem Bildschirm. Dann das mit Data. Irgendwie passt das alles zusammen und kann eigentlich kein Zufall sein. Es ist unheimlich.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbKlingt tats\u00e4chlich ziemlich schr\u00e4g\u00ab, best\u00e4tigte die J\u00fcngere. \u00bbAber was Angst ist, k\u00f6nnten wir ja im Lexikon nachlesen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbKannst du dir sparen. Wei\u00dft du hinterher noch weniger.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDann hilft vielleicht ein Buch von Mama\u00ab, meinte Elena, denn ihre Mutter interessierte sich f\u00fcr Biologie und Psychologie. <\/p>\n\n\n\n<p>Also die Treppen hoch zum Absturzregal. Das stand, obschon ein H\u00e4ngeregal, auf dem Boden im Dachgeschoss. Es war vor Wochen mitsamt zu vielen B\u00fcchern, zu schwachen Wandhaken und riesigem Gepolter dem Gesetz der Schwerkraft gefolgt. Vaters Versprechen, es zu richten, unterlag dagegen dem Gesetz der Tr\u00e4gheit. Doch die Schwestern fanden es bequem und lustig, auf dem Boden zu sitzen, um die provisorisch wieder einger\u00e4umten B\u00fccher zu durchforschen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbHa, sag\u2018 ich doch!\u00ab Iris hatte ein Buch \u00fcber Leben gefunden und las daraus zufrieden vor: \u00bbEs gibt keine scharfe Grenze zwischen Lebendigem und Unbelebtem. Man kennt Systeme, die nur einige Merkmale des Lebens aufweisen, z.B. Makromolek\u00fcle mit der F\u00e4higkeit zur Selbstvermehrung.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Elena erkannte den unausgesprochenen Bezug auf den Androiden und wandte ein: \u00bbMit der Selbstvermehrung d\u00fcrfte es aber bei Data Probleme geben\u00ab. Sie sahen sich an, jede dachte sich ihren Teil, beide kicherten. \u00bbNur Lebewesen k\u00f6nnen sich fortpflanzen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWobei es schon komisch klingt, wenn man sagt, Tiere oder Menschen pflanzen sich fort\u00ab, fiel Iris auf. \u00bbAber wenn ein Roboter wieder Roboter baut, ist das eigentlich nichts anderes.\u00ab Dann las sie weiter vor: \u00bbDas Leben ist an Eiwei\u00dfe, Nukleins\u00e4uren, Kohlehydrate und Fette gebunden.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbAlso ist Data aus dem Rennen\u00ab, stellte Elena fest. <\/p>\n\n\n\n<p>Doch Iris\u2018 Dickkopf wollte sich nicht \u00fcberzeugen lassen: \u00bbPah, blo\u00df weil unsere Chemie so funktioniert, hei\u00dft das noch lange nicht, dass es einzig und allein so geht. Da wir alle von einer Urzelle abstammen, wird nat\u00fcrlich nach deren Rezept gekocht. Das schlie\u00dft jedoch nicht aus, dass auch andere Suppen gelingen k\u00f6nnten.\u00ab Sie schob das Buch ver\u00e4rgert von sich.<\/p>\n\n\n\n<p>Elena nahm es, las erst still, um den Anschluss zu finden, dann laut: \u00bbEin lebendes System ist in st\u00e4ndiger Ver\u00e4nderung. Diese \u00e4u\u00dfern sich insbesondere als Stoff- und Energiewechsel.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbData braucht auch Energie und zieht sich schon mal einen Silikonmix als Schmiermittel rein\u00ab, verteidigte Iris ihren Serienhelden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die J\u00fcngere las unbeirrt weiter: \u00bbDie Frage, ob sich Leben v\u00f6llig mit physikalischen und chemischen Gesetzen erkl\u00e4ren l\u00e4sst, wird von der modernen Naturwissenschaft bejaht. Die Vitalisten sehen dagegen einen grunds\u00e4tzlichen Unterschied zwischen dem Leben und unbelebter Materie. Sie gehen von einer \u00fcbernat\u00fcrlichen Lebenskraft aus, die den Lebewesen innewohnt.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbSiehst du: Die Wissenschaft erkl\u00e4rt Leben mit physikalischen und chemischen Gesetzen. Data kann man sowieso nicht anders erkl\u00e4ren! Wo, bitte sch\u00f6n, ist der Unterschied?\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDer kleine Unterschied \u2026\u00ab, das Kichern machte sich selbstst\u00e4ndig, \u00bbist vielleicht der, dass es diese \u00fcbernat\u00fcrliche Lebenskraft gibt.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbReliquatsch!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbAber man kann doch nicht alles und jedes mit Physik und Chemie erkl\u00e4ren. Die Wand hier ist auch Physik und die Gardine Chemie. Doch die leben bestimmt nicht!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbSo simpel geht\u2019s ja auch nicht. Es war ja von Systemen mit Ver\u00e4nderung und Energieverbrauch die Rede.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDann, weise Schwester, lebt also auch ein Auto?\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDas hat doch kein Gehirn, wie Data.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbAber elektronische Steuerungen. Und es geht um Gef\u00fchle. Die kommen nicht aus dem Gehirn, schon gar nicht aus einem k\u00fcnstlichen.\u00ab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am n\u00e4chsten Mittag sahen sich die M\u00e4dchen die Aufzeichnung vom Vortag an und diskutierten dar\u00fcber. Sie waren sich einig, dass ein Roboter unm\u00f6glich Angst haben kann. H\u00f6chstens eine Verwirrung in den Schaltkreisen oder einen Defekt im Programm. \u00bbObwohl\u00ab, schr\u00e4nkte Iris dennoch ein, \u00bbData ist wie lebendig. 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