{"id":3744,"date":"2019-03-14T14:00:23","date_gmt":"2019-03-14T13:00:23","guid":{"rendered":"http:\/\/ureda.de\/?page_id=3744"},"modified":"2019-03-14T14:55:56","modified_gmt":"2019-03-14T13:55:56","slug":"verstand-und-vernunft","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.ureda.de\/?page_id=3744","title":{"rendered":"Verstand und Vernunft"},"content":{"rendered":"\n<p>Aristoteles war ein Sch\u00fcler Platons. Doch wie Sch\u00fcler manchmal so sind, widersprach er seinem Lehrer heftig: Er ging nicht \u2013 wie Platon \u2013 davon aus, dass die F\u00e4higkeit zur Erkenntnis von der Seele aus einer \u00fcbernat\u00fcrlichen Welt mitgebracht wird; als das, was wir <strong>Vernunf<\/strong>t nennen, gleichsam die Einsicht durch ein geistiges Auge. \u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Vielmehr entwickelte Aristoteles die Methode, die von den Einzelnen Dingen in der Natur auf das Ganze schlie\u00dft. Diese Erkenntnisse gewinnen wir durch <strong>Verstand<\/strong>, also dem Verst\u00e4ndnis durch beobachten, ordnen und logisch schlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach Platon kennt die\nSeele zum Beispiel die ideale Kugel: wundersch\u00f6n gleichm\u00e4\u00dfig rund. Sehen wir die\nDinge in der Natur an, wie einen Apfel, dann vergleichen wir den mit der\nidealen Kugel. Wir stellen fest, dass er zwar kugelig aber doch verformt ist. Nichts\nin der Natur ist eine perfekte Kugel, auch kein Wassertropfen, keine Nuss und\nkein Kieselstein. Somit sagt uns zwar die Seele, dass diese Dinge kugelig sind,\naber unvollkommen. Natur ist nur Murks.<\/p>\n\n\n\n<p>Aristoteles sieht sich \u00c4pfel und N\u00fcsse und Wassertropfen an und stellt fest, dass sie z.B. unterschiedlich hart sind und verschieden schmecken. All das, was man so feststellen kann, sind Eigenschaften der Dinge. In diesem Sinne hat jedes nat\u00fcrliche Wesen seine Eigenart. Unsere drei sehr verschiedenen Beispieldinge besitzen jedoch eine gemeinsame Eigenschaft: Sie sind kugelig und nicht eckig und auch nicht eif\u00f6rmig. <\/p>\n\n\n\n<p>Jedes ist zwar etwas\nanders kugelartig, doch wir k\u00f6nnen in Gedanken die Unterschiede ausgleichen. Tun\nwir das, so denken wir abstrakt: Wir trennen die allgemeine Form von den einzelnen\nrealen Dingen. Wir idealisieren; nicht als Erinnerung an eine Welt der Ideen\nsondern als eigene Leistung des Verstandes: Der Mensch erkennt Prinzipien,\nerdenkt die vollkommene Kugel und kann sie sogar \u2013 viel gleichm\u00e4\u00dfiger als in\nder Natur \u2013 k\u00fcnstlich herstellen.<\/p>\n\n\n\n<p>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auszug aus dem Kapitel &#8222;Alberto&#8220;:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbIch dachte, Thomas sei ein wichtiger Kirchenmann gewesen. Und der l\u00e4sterte Gott?\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbEs ging um die Philosophie\ndes Aristoteles. Die durfte damals nicht gelehrt werden, nur die des Platon.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDann war es doch eher eine\nPlaton-L\u00e4sterung. Merkw\u00fcrdig, dass die beiden alten Griechen noch anderthalb\nJahrtausende nach ihrem Tod stritten.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbSie tun es bis heute. Denn\nsie errichteten die zwei gegens\u00e4tzlichen Eckpfeiler der Weltsicht. Der aus dem\nAthener Hochadel stammende Platon schuf die himmlisch schwebende S\u00e4ule der\nErleuchtung durch \u00fcbernat\u00fcrliche Vernunft. Diese wurde bestens gepflegt. Seine\nAkademie bestand 914 Jahre lang.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDa kann Ureda nicht\nmithalten!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDie andere S\u00e4ule ist die\nerdverbundene der Erkenntnis durch Erfahrung und Verstand. Diese errichtete der\nin Athen nur geduldeten Ausl\u00e4nder Aristoteles. Bald st\u00fcrzte man sie. Denn seine\nSchule, das Lyceum, wurde einige\nJahrzehnte nach seinem Tod geschlossen. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Schriften des Aristoteles\ngingen verloren. In den Erinnerungen machte man aus ihm eine Art Hexenmeister.\nEbenso erging es Albertus Magnus. Mit ihm und Thomas m\u00fcssen wir uns noch\nintensiv besch\u00e4ftigen, denn sie sind eine Doppelperle der aristotelischen\nSeelenkette \u2013 ganz so wie ihr.\u00ab <\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWie bitte?\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbIch kann es noch nicht\nerkl\u00e4ren, darf es nicht verraten!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWillst du uns veralbern?\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbNein, euch vorbereiten.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWorauf?\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDarauf, Antwort zu sein.\u00ab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aristoteles war ein Sch\u00fcler Platons. 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